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Nach Abriss Wohnpark 50 plus

Luhden / "Schinkenkruse" Nach Abriss Wohnpark 50 plus

Noch ist das Ganze erst eine Art Ideenskizze. Eine Skizze, an der Frank und Karola Bahr beinahe jeden Tag eine Linie streichen oder hinzufügen. Doch in seinen Konturen ist das „Projekt Schinkenkruse“ des Unternehmerehepaares schon jetzt zu erkennen: „Wir werden das Restaurant abreißen und an seiner Stelle einen in sich geschlossenen Wohnpark für Menschen im Alter von ,50 plus‘ bauen.

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„Außen sieht die Schinkenkruse ja toll aus“, sagen Frank und Karola Bahr. „Aber gehen Sie bloß nicht durch die Tür.“ © tw

Luhden (tw). Etwa 22 kleine, frei stehende Häuser für Singles oder Ehepaare sollen entstehen“, sagt Frank Bahr. Vorbild ist eine Anlage in Meppen: Sie heißt „Wohnpark am Heideweg“, wurde im April 2011 fertiggestellt und hat überregional positive Schlagzeilen gemacht. Der Chef von Bahr Modultechnik hatte die Luhdener Konkurs-Immobilie am 9. August aus der Zwangsversteigerung heraus über den Mindener Anwalt Ernst-Udo Hansmann für 95.000 Euro gekauft. Sie liegt nicht im Landschaftsschutzgebiet.

„Ich habe die seit Frühjahr 2008 leer stehende ‚Schinkenkruse‘ vor dem Zuschlag nicht betreten“, gesteht Bahr ein wenig reumütig. Eben das ist auch der Grund, warum sich dem Firmenchef alle Nackenhaare aufstellen, wenn er ans erste Mal denkt. „Wer nur vor dem Gebäude steht und die Fassade sieht, denkt: ,Toll.‘ Wer aber – wie ich jetzt – drinnen war, weiß es besser. Das Ganze ist ein Schrotthaufen“, sagt Bahr. Seine Begründung: „Alle Heizungen sind kaputt, alle Wasserleitungen dito. Die Holzfenster sind samt und sonders einfach verglast und in der Mehrzahl morsch. Die Treppenstufen haben eine Tritthöhe und -tiefe, die für ein Gasthaus heute nicht mehr genehmigt wird. Noch dazu hat das Gebäude keinerlei Dämmung.“ Und damit zählt der neue Eigentümer nur die Hauptübel auf. Über das, was sich Karola und Frank Bahr beim Blick in Küche und Keller sowie in die Pächterwohnung der einstigen Renommieradresse gezeigt hat – darüber möchten die beiden lieber schweigen.

Nur soviel: „Wir wollten das Gebäude zunächst sanieren und an einen Event-Gastronomen verpachten“, sagt der Luhdener. Im Vorfeld habe es Ortstermin um Ortstermin gegeben; doch ein Interessent nach dem anderen habe vor Ort dankend abgewunken und den Rückzug angetreten.

Eine andere Lösung muss also her. Die soll so aussehen: „Ausgehend von der Erkenntnis, dass viele Menschen ab ,50 plus‘ ihre Wohn- und Gartenfläche aus Altersgründen gerne verkleinern möchten, dennoch aber in den eigenen vier Wänden bleiben wollen, haben wir uns entschieden, für diese Zielgruppe eine Art Wohnpark zu errichten“, so Karola Bahr. Weitere Auflagen für den Bezug soll es nicht geben. Konkret gedacht ist an die besagten 22 kleinen, frei stehenden, baulich in die Gegend passenden Häuser für Singles oder Ehepaare, die alle eine Fläche zwischen 70 und 90 Quadratmeter haben sollen. Ebenerdig und entlang einer Straßenschleife terrassenartig angeordnet, soll sich von jedem Gartengrundstück ein gleich schöner Blick ins Tal bieten. Den Anfang sollen drei Musterhäuser machen. Das Ehepaar ist überzeugt, die Objekte binnen zweieinhalb Jahren verkaufen zu können.

„Die auf allen Seiten umschlossene Anlage“, sagt Bahr, „kann nur durch ein vier Meter breites historisches Tor betreten werden, das ich bereits bestellt habe.“ Sie soll um ein Bistro mit Dorfladen ergänzt werden, zu dem allerdings auch Wanderer Zutritt haben sollen. Dass im und am Wohnpark alles mit rechten Dingen zugeht – darüber soll ein Hausmeister oder eine Hausmeisterin wachen, die ihren Dienstsitz in der jetzigen und dann um- und ausgebauten Stallung erhält. „Die Stallung“, sagt Karola Bahr, „wird außerdem Sanitäranlagen und einen Streichelzoo erhalten.“ Die ersten Bewohner warten schon auf den Einzug: drei Ziegen, die Frank Bahr zum Geburtstag geschenkt bekommen hat. Erhalten bleiben soll auch das hinter dem Ex-Restaurant gelegene Backhaus. „Dort“, sagt der Unternehmer, „soll ein Blockheizkraftwerk rein.“ Als Architekt ist Kai Braunschweig aus Porta Westfalica ausersehen.

Geht es nach den voller Tatendrang steckenden Bahrs, soll noch 2011 mit der Erschließung des Geländes begonnen werden, Baubeginn wäre dann 2012, die Häuser wären ab 2013 bezugsfertig. Dass es indes so schnell geht, ist eher fraglich. „Wir unterstützen die Familie Bahr nach Kräften, soweit es rechtlich möglich ist“, sagt Gemeindedirektor Andreas Kunde. „Ich selbst bin sehr froh, über den Zuschlag vorm Zwangsversteigerungsgericht und darüber, dass das Gebäude nicht noch länger leersteht und völlig verfällt.“ In jedem Fall werde es aber nötig sein, für das Vorhaben einen Bebauungsplan aufzustellen und auch den Flächennutzungsplan der Samtgemeinde entsprechend zu ändern. Zudem werde auch der Landkreis Schaumburg, der über das Projekt bereits informiert ist, ein gewichtiges Wort mitsprechen.

Das hindert die Bahrs nicht, bereits jetzt klar Schiff zu machen. Mitarbeiter entrümpeln die „Schinkenkruse“; die Hinterlassenschaften füllen viele Großcontainer. „Ich möchte für Dinge wie das mit ,Schinkenkruse‘ gestempelte Besteck sowie das Geschirr einen Flohmarkt vor dem Restaurant veranstalten“, sagt Karola Bahr. Ein Teil des Erlöses soll einem guten Zweck zugeführt werden.

Ganz wird die „Schinkenkruse“ auch nach ihrem Abriss nicht von der Erde getilgt sein. Die Bahrs wollen Bewahrenswertes wie die farbige Bleiverglasung oder die mit Inschriften versehenen Balken im künftigen Wohnpark wiederverwenden. Denkmalschutz liegt auf dem Alt-Gebäude keiner.

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