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„Rollende Gestankslawine“

Offenes Güllebecken „Rollende Gestankslawine“

Wer auf dem Dorf lebt, weiß, dass es dort mitunter nach „Landluft“ riecht, wenn Bauern landwirtschaftliche Nutztiere halten. Das ist auch Gregor Rakowski klar, der damit im Grunde auch gar kein Problem hat.

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Aus behördlicher Sicht gehe keine übermäßige Geruchsbelästigung vom Güllebecken auf dem Hof Tecklenburg aus.

Quelle: wk

Luhden. Womit der Luhdener, der in einem Einfamilienhaus an der Straße Auf der Mothe wohnt, jedoch nicht mehr leben will, ist das offene Güllebecken des ebenfalls in diesem Ort ansässigen Hofes Tecklenburg. Denn von der dort gelagerten Jauche geht nach seinem Empfinden eine „extreme Geruchsbelästigung“ aus. „Der Gestank ist so beißend, das hat nichts mehr mit Kuhstall zu tun“, sagt der 55-Jährige. Lange habe er versucht, sich mit der Situation zu arrangieren, aber mittlerweile wolle er dieses Ärgernis nicht mehr hinnehmen.

Daher hat sich Rakowski an den Landkreis Schaumburg gewandt. In seiner an das Bauordnungsamt gerichteten E-Mail berichtete er, dass die von ihm beklagte Geruchsbelästigung „vornehmlich am Abend und bei Windstille beziehungsweise Föhn-Wetterlagen mit Windrichtung Süd“ auftritt. Als Ursache vermutet er, dass der Landwirt Christoph Tecklenburg abends die Gülle aus dem Stall in das Lagerbecken pumpt, wodurch die in dem offenen Becken bereits vorhandene Jauche aufgewühlt wird und die Ammoniak-Gase den Abhang hinunter in die Siedlung „fließen“, in der er wohnt.

„Die Belästigung ist an manchen Tagen dermaßen intensiv, dass ich davon Kopfschmerzen bekomme“, so Rakowski. Schlafen bei offenem Fenster sei wegen des Gestanks nicht möglich, Wäschetrocknen im Garten auch nicht. Zudem habe der Güllegestank schon „manchen Grillabend gesprengt“.

Vor Jahren "heimlich Jauchebecken gebaut"

Als die Anlieger bei einer Bürgerversammlung über den damals geplanten Bau des Kuhstalles informiert wurden, sei stets die Rede davon gewesen, dass die Jauche täglich abgefahren werde. Doch vor vier, fünf Jahren sei dann „still und heimlich dieses Jauchebecken gebaut worden“.

In der Sitzung des Gemeinderates machte Rakowski seinem Ärger nun während der Einwohnerfragestunde Luft: Abends, wenn das offene Jauchebecken befüllt werde, rolle da „eine regelrechte Gestankslawine“ den Hang hinunter, schimpfte er. Dies sei nicht mehr zu ertragen. Zudem stelle der Güllegestank eine Gesundheitsgefährdung dar. Und überhaupt: „Keiner von den Leuten, die das genehmigt haben, wohnt da.“ Er werde gegen diese Belästigung vorgehen.

Tecklenburg, der der Sitzung als CDU-Ratsmitglied beiwohnte, focht dies nicht an: „Machen Sie, was Sie für richtig halten. Das ist alles genehmigt.“ Auf Nachfrage aus dem Kreis der Gemeinderatsmitglieder erklärte er noch, dass das Lagerbecken alle zwei bis drei Tage mit Gülle befüllt werde – mal morgens, mal abends.

Alle Auflagen erfüllt

Rückendeckung bekam Tecklenburg von seinem Ratskollegen Karl-Heinz Voigt: „Eine gewisse Geruchsbelästigung gehört auf dem Dorfe dazu.“ Überdies seien von Tecklenburg hinsichtlich des Jauchebeckens „alle Auflagen“ erfüllt worden. Und er, Voigt, wohne auch an der Straße Auf der Mothe und fühle sich nicht „so beeinträchtigt“ wie Rakowski.

Ähnlich sah es Yannick Schneeweiß (Grüne), der ebenfalls in dieser Siedlung zu Hause ist: Er selbst habe sich „ein Stück weit“ an den Geruch gewöhnt, berichtete das junge Ratsmitglied. Den Lärm durch die A2 empfinde er demgegenüber als störender.

Luhdens Bürgermeister Rüdiger Schmidt (CDU) beendete die Diskussion schließlich mit dem Hinweis, dass man Rakowskis Ausführungen zur Kenntnis genommen habe. Gegebenenfalls könne er sich ja noch einmal an den Landkreis wenden.

Im Gespräch mit dieser Zeitung betonte Rakowski später, dass er Tecklenburg nicht die berufliche Existenz nehmen wolle. Aber zumindest eine Abdeckung könne der Landwirt auf dem offenen Jauchebecken anbringen, um die Geruchsemissionen zu reduzieren.

Vom Bauordnungsamt des Landkreises ist Rakowski auf seine E-Mail hin mitgeteilt worden, dass am 2. September 2005 eine Baugenehmigung für die Stallanlage und den Güllebehälter erteilt worden sei. Mit einer Nachtragsbaugenehmigung vom 13. Mai 2011 sei ein abweichender Güllebehälter genehmigt worden, der nach dem Bau abgenommen worden sei.

Ausreichender Abstand zur Wohnsiedlung

Im Rahmen des damaligen Genehmigungsverfahrens habe die Landwirtschaftskammer als prüfende Fachbehörde festgestellt, dass der Kuhstall und das Güllebecken zur Wohnsiedlung Auf der Mothe hin einen ausreichenden Mindestabstand haben, „damit gemäß Geruchsimmissionsrichtlinie kein größerer Geruchswert als zehn Prozent der Jahresstunden (Grenzwert für Wohngebiete) auftreten kann“. Bis zu diesem Grenzwert sei eine Geruchsbelastung von Anwohnern hinzunehmen, „da ansonsten kaum noch Viehhaltungsanlagen unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten in unserem dicht besiedelten Land möglich wären“.

Zu dem offenen Güllebehälter führt der zuständige Sachbearbeiter aus, dass darin Rindergülle gelagert wird, „die durch Abtrocknung an der Oberfläche eine geschlossene natürliche Schwimm-Decke bildet, die die Geruchsemissionen erheblich (zum größten Teil) mindert“. Darüber hinausgehende Geruchsbeeinträchtigungen „können nahezu ausgeschlossen werden“, da der Güllezufluss durch Pumpen unterhalb der Schwimm-Decke erfolgt. Somit seien die geschilderten Geruchserscheinungen allenfalls erklärbar durch regelmäßig wiederkehrende Aktivitäten in dem Kuhstall. Allerdings könne es an wenigen Tagen im Jahr auch dadurch zu „vermehrter unvermeidbarer Geruchsbildung“ kommen, wenn die in dem Lagerbecken gesammelte Gülle zwecks Ausbringung auf Ackerflächen aufgerührt werden muss. wk

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