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Unter den Nazis verboten

„Literarisches Kabinett" Unter den Nazis verboten

Es ist erstaunlich, wie viele namhafte Persönlichkeiten in der Vergangenheit eine Verbindung zu Bad Eilsen gehabt haben. Beim Auftritt des „Literarischen Kabinetts" stand mit Herbert Eulenberg, einem Autor des vergangenen Jahrhunderts, eine solche Persönlichkeit im Mittelpunkt.

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Nervensache

Das „Literarische Kabinett“ beschäftigt sich mit Herbert Eulenberg.

Quelle: pr.

Luhden/Bad Eilsen.. Das waren nicht nur regierende Häupter, sondern auch Dichter, Komponisten und Schauspieler. Das „Literarische Kabinett“ des Heimat- und Kulturvereins (HKV) schafft es stets, neue Kontakte aufzudecken und zu behandeln.

Eigentlich ist Bad Eilsen ja zu klein, um in diesen Kreisen einen besonderen Ruf zu erlangen, aber die Vergangenheit hat das Gegenteil gezeigt. Anfang des vergangenen Jahrhunderts hatte der Schaumburger Kurort einen internationalen Ruf. Und das verdankte er nicht nur seinen Heilquellen, sondern auch der weltberühmt gewordenen Augenklinik, in der die damals führenden Augenärzte von Tippelskirch und Graf Wiser tätig waren. Diese Periode gehörte zur Blütezeit des Bades. Sie zog Menschen aus aller Herren Länder an.

Eulenberg war zunächst als promovierter Jurist tätig. Parallel dazu betätigte er sich aber auch schon als Autor und Dramatiker. Als er damit immer mehr Geltung erlangte, wechselte er völlig von der Juristerei in das für ihn neue Metier, in dem er zunehmend erfolgreicher wurde und einen Literaturpreis nach dem anderen einheimste.

Der Rheinländer unterhielt Kontakte zu Hermann Hesse, Thomas Mann, Stefan Zweig, Gerhart Hauptmann und anderen literarischen Größen seiner Zeit. Dazu gehörte auch Lulu von Strauß und Torney. Befreundet war Eulenberg mit dem im HKV-Kabinett bereits ebenfalls vorgestellten Hanns-Heinz Ewers.

Als erster Deutscher nach Einstein durfte Eulenberg 1923 in den USA an der Columbia-Universität sprechen. Frühwerke des Autors waren „Anna Waleska“, „Dogenglück“ und „Leidenschaft“.

Kämpfer für menschliche Grundrechte

Eulenberg war ein Pazifist und Kämpfer für die menschlichen Grundrechte. Das führte beim Nazi-Regime zum Verbot seiner Theaterstücke und Bücher. Durch die Unterstützung von Freunden überlebte er. Damals schrieb er Werke für die Schublade, denn aufgeführt und veröffentlicht konnten sie nicht werden.

Die Nazis beschimpften ihn als „rothaarigen Juden“. Mit einer Art „Kunstgottesdienst“ versuchte Eulenberg, namhafte Kulturgrößen Europas auch dem „kleinen Mann“ näher zu bringen. Dieses Vorhaben war durchaus von Erfolg gekrönt. Die sogenannten Morgenfeiern im Düsseldorfer Schauspielhaus liefen jahrzehntelang. Der geringe Eintrittspreis sollte auch Arbeitern und Studenten ermöglichen, teilzunehmen.

Dabei wurden auf der Bühne Theater, Musik und manchmal auch Satire geboten. Die letzte dieser Morgenfeiern hielt der Bückeburger Pater Friedrich Muckermann. Eulenberg starb 1949 bei einen Verkehrsunfall. Ein unverhofftes Ende, nachdem er die Diktatur des Dritten Reiches überlebt hatte. Der Autor hinterließ Romane, Geschichten und Erzählungen. Sein gesamter Nachlass befindet sich im Heinrich-Heine-Institut in Düsseldorf.

Das „Literarische Kabinett“ spielte eine spannende und psychologisch interessante Szene des Autors vor. Sie gehörte zum lehrreichen Schwank „Die Wunderkur“. Darin ging es um die Hintergründe einer Partnerschaft. Außerdem wurden Texte aus diversen Werken des Autors vorgetragen, unter anderem aus den Büchern „Schattenbilder“, aus den Aufzeichnungen der Abende für Kulturbedürftige „Dostojewski“ und „Der junge Goethe“, aus dem Buch „Der Bankrott Europas“ „Die Pferde“. Zum Team gehörten diesmal neben Friedrich Winkelhake und Dieter Gutzeit noch die Damen Senta Müller und Carla Gramkow.

Für die Gaumenfreuden sorgte erneut in sehr gelungener Weise Günther Bergmann. r

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