Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 10 ° Sprühregen

Navigation:
Vom Taugenichts bis zum Schimmelreiter

Luhden / Literarisches Kabinett Vom Taugenichts bis zum Schimmelreiter

Es bereitet immer wieder Spaß, am Literarischen Kabinett des Eilser Heimat- und Kulturvereins (HKV) teilzunehmen. Dieses Trio bietet den Zuhörern gut vorbereitete Ein- und Rückblicke in das literarische Schaffen vergangener Jahrhunderte.

Voriger Artikel
„Danke für die Möhren!“
Nächster Artikel
Das eigene Leben völlig zerstört

Conny Bachmann hat diesmal beim Literarischen Kabinett den dienstlich verhinderten Lutz Gräber vertreten.

Quelle: sig

Luhden. Die behandelten Autoren und deren Werke sind auch zeitgenössische Spiegel der sozialen, gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen.

 Diesmal ging es um das Thema „Novellen“. Dafür waren vier auch heute noch sehr bekannte Dichter ausgesucht worden: Gottfried Keller, Theodor Fontane, Theodor Storm und Josef von Eichendorff. So manches ihrer Werke ist noch immer ein gefragter Lesestoff im Deutschunterricht.

 Wie viel Dichtung und Wahrheit die Novellen enthalten, ist zweitrangig. Da geht es weniger um Authentizität wie bei Dokumentationen, sondern um die fein gesponnene Sprache, um die filigrane Schilderung von Charakteren, von Situationen und deren Abläufen. Und gegen einen Schuss Romantik haben die Leser dabei auch kaum etwas einzuwenden. Schließlich ist das Leben meistens ernst genug.

 Das trifft auf das gesamte 19. Jahrhundert zu, in dem diese Autoren zur Feder gegriffen haben. HKV-Vorsitzender Friedrich Winkelhake wies einleitend auf die Bedingungen hin, unter denen unsere Vorfahren damals gelebt haben: Es gab keinen elektrischen Strom, kein fließendes Wasser und keine Kanalisation, und auch die Straßen befanden sich überwiegend in einem unbefestigten und damit bei Regen fürchterlichen Zustand. Davon konnte so mancher Reisende berichten, der mit der Postkutsche unterwegs war. Selbst der später geborene Hermann Löns kam zu der spöttisch überzogenen Feststellung, das ganze schaumburg-lippische Fürstentum habe an seinen Stiefeln geklebt.

 Zu diesen nicht gerade erfreulichen Lebensbedingungen kamen die vielen kriegerischen Auseinandersetzungen und politischen Unruhen hinzu, die dieses Jahrhundert erschütterten. Die Unterdrückten begehrten gegen die Obrigkeit auf, vor allem gegen den Adel. Napoleon scheiterte nach vielen blutigen Schlachten mit dem Versuch, ganz Europa zu beherrschen. Eigentlich war das keine Zeit für große romantische Gefühle wie sie zum Beispiel dem schlesischen Lyriker Joseph von Eichendorff zu eigen waren.

 Viele Gedichte des weit gereisten Freiherrn, der unter anderem im preußischen Staatsdienst zu hohen Ämtern kam, sind vertont worden. Die Novelle „Das Leben eines Taugenichts“ ist sein bekanntestes Werk. Dieter Gutzeit las aus einer anderen weniger bekannten Novelle mit dem Titel „Das Schloss Dürande“. Sie spielt zum Beginn der französischen Revolution im südlichen Frankreich. Eichendorff nahm übrigens von 1813 bis 1815 an den Befreiungskriegen gegen Napoleon teil.

 Friedrich Winkelhake befasste sich mit Theodor Fontane, dessen Eltern Hugenotten waren und der zunächst den Beruf eines Apothekers erlernt hatte, bevor er später sogar als Kriegsberichterstatter arbeitete und in Gefangenschaft geriet. Als Autor von Reisebüchern, als Theaterkritiker und schließlich als freier Schriftsteller lebte Fontane zuletzt in Berlin. Winkelhake las Abschnitte aus einem Krimi des Autoren. Unvergessen unter dessen Gedichten und Balladen aus seiner märkischen Heimat ist „Herr von Ribbeck aus dem Havelland“.

 Dritter im Bunde dieser Autoren ist Gottfried Keller, dem die Nachwelt eine Reihe teilweiser historischer Novellen verdankt. Bekannt wurde der politisch sehr engagierte Schweizer unter anderem durch die „Züricher Novellen“ , „Romeo und Julia auf dem Dorfe“, „Der grüne Heinrich“ und „Kleider machen Leute“. Aus letzterem Band, erheiternd und meisterhaft geschrieben, las Dieter Gutzeit einige Abschnitte.

 Friedrich Winkelhake widmete sich zuletzt noch dem Dichter Theodor Storm aus Husum, der „grauen Stadt am Meer“. Dessen Werke wie „Immensee“, „Der Schimmelreiter“ , „Pole Poppenspäler“ und „Viola Tricolor“ sind zu Edelsteinen der deutschen Literatur geworden.

 Weil Lutz Gräber dienstlich verhindert war, vervollständige diesmal Conny Bachmann die Runde der Rezitatoren mit ausgesuchten Gedichten der vorgestellten Schriftsteller. Und Günther Bergmann sorgte ein weiteres Mal für ein leckeres Mahl, das allen Gästen mundete. sig

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Online suchen, Angebot finden, einkaufen gehen: Das steckt in Kurzform hinter „Kauf hier – lokal & digital“. Eine Auswahl aktueller und preislich besonders attraktiver Produkte finden Interessierte stets auf unserer Homepage... mehr

Schaumburg