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Als das Brot Millionen kostete

100. Geburtstag Als das Brot Millionen kostete

Als sie geboren wurde, war der Erste Weltkrieg schon im vollen Gang. Erna Vogelsaenger gehört der Generation an, die nach nur 20 Friedensjahren auch noch den zweiten Vernichtungskrieg miterlebte. Am gestrigen Dienstag hat sie ihr 100. Lebensjahr vollendet.

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Erna Vogelsaenger – hier mit ihren Töchtern Senta und Carla – ist der Mittelpunkt der Familie.sig

Luhden. Die rüstige Dame braucht noch keine Gehhilfe, sondern begrüßt ihren Besuch aufrecht stehend an der Tür und begleitet ihn ins Zimmer. Ein Lächeln umspielt dabei ihre Lippen. Diese Frau macht überhaupt nicht den Eindruck, schon ein Jahrhundert hinter sich zu haben.

Von ihr möchten sicherlich viele einige Tipps erhalten, wie man eine so lange Zeitspanne in dieser guten körperlichen Verfassung und geistigen Frische zurücklegen kann. Aber da gebe es keine Geheimnisse, versichern ihre beiden Töchter Carla und Senta. „Unsere Mutter war nur zu unserer Geburt im Krankenhaus. Sie besitzt offensichtlich gute Gene, denn ihre Mutter ist auch schon 96 Jahre alt geworden.“

Geboren wurde die Jubilarin in Rösehöfe, das heute zu Obernkirchen gehört. Sie hat noch immer viele gute Erinnerungen an ihr christliches Elternhaus. Als sie sechs Jahre alt war, wohnte die Familie im Gebäude der damaligen Gelldorfer Schule. „Da war Inflation, und man brauchte einen Geldschein mit vielen Nullen, um nur ein Brot im Konsum zu bekommen“, erinnerte sich Erna Vogelsaenger.

1928 zog die Familie nach Müsingen um, wo sie ein Haus gebaut hatte. Nach der Schulzeit wurde die Heranwachsende als Bürokraft bei dem damaligen Karosseriebauunternehmen Harmening in Bückeburg eingestellt. Ein gutes Schulzeugnis öffnete ihr die Tür, denn prinzipiell wurden dort nur Handelsschüler genommen.

Nach der Heirat wohnte die Schaumburgerin eine kurze Zeit in Wiesbaden, nach Kriegsausbruch jedoch wieder in Müsingen bei den Eltern. Sie wurde dann verpflichtet, im Büro der dortigen Molkerei zu arbeiten. Durch Stellenwechsel des Ehemanns gab es weitere Umzüge nach Bad Kreuznach, Dortmund, Münster und Essen. Als Witwe kehrte Erna Vogelsaenger schließlich wieder ins Schaumburger Land zurück. Sie lebt seitdem in Luhden bei ihrer Tochter Carla und deren Ehemann. Ihre zweite Tochter Senta wohnt im Nachbardorf Heeßen. Die Familie ist größer geworden. Zwei Enkel und ein Urenkel sind hinzugekommen.

„Unsere Mutter ist der Mittelpunkt unserer Familie. Sie ist stark im Glauben, verfolgt mit großem Interesse das Tagesgeschehen, und ihr Rat wird noch immer gefragt“, erklären die Töchter. Zu den handwerklichen Vorlieben der Jubilarin gehören Stricken, Häkeln und das Backen von Torten. Regelmäßig besucht sie weiterhin die Gottesdienste und Seniorenstunden in der Freikirchlichen Gemeinde in Bückeburg und die kirchlichen Seniorentreffen in Luhden.

Von Siegfried Klein

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