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Aus heutiger Sicht „übererschlossen“

Luhden / Bebauungsplan Aus heutiger Sicht „übererschlossen“

Das Aufstellen des Bebauungsplanes Nr. 24 „Gewerbepark“ vom 14. März dieses Jahres hat in der Gemeinde Luhden einigen Staub aufgewirbelt.

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Matthias Reinold: „Die Anforderungen von Betrieben an Grundstücksflächen sind heute andere als noch vor 15 Jahren.“

Quelle: thm

von thomas Meinecke Luhden. Neben der Bürgervereinigung „I.G.E.L.“ hat auch die Partei Bündnis 90/Die Grünen Bedenken angemeldet (wir berichteten). Von einigen wurde ein Zusammenhang zwischen der Planung der Gemeinde und den Grundstückskäufen des Unternehmers Sven Nottmeyer entlang der Bundesstraße 83 gesehen. Aber auch aus dem Kreis der Anrainer ist den Planern eine steife Brise entgegengeweht.

 Im Rahmen der frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit hat die Gemeinde Luhden jetzt für Klarheit sorgen wollen. Dazu Gemeindedirektor Andreas Kunde: „Einziger Sinn der Sache ist das Aufheben der sich teilweise überlappenden B-Pläne Nr.20, Nr.21 und Nr.22, die in den Jahren 2000 bis 2003 aufgestellt worden sind. Das für diese Flächen also schon geltende Baurecht soll in einem einzigen B-Plan zusammengefasst werden. Ansiedlungswilligen Gewerbetreibenden war das bisherige Konstrukt nicht vermittelbar.“

 Ingenieur Matthias Reinold hat an die Grundzüge der Planung erinnert. Im Flächennutzungsplan aus den 1990er Jahren sei der Bereich im Westen Luhdens als Gewerbegebiet ausgewiesen. Dort gebe es drei rechtsverbindliche Bebauungspläne, die nun zu einem großen Plan zusammengefasst werden sollen. Der Geltungsbereich des neuen Plans umfasse ausschließlich die Geltungsbereiche der bisherigen Pläne.

 „Betriebe, die sich ansiedeln wollen, haben bestimmte Anforderungen an Grundstücksflächen – die sind heute andere als noch vor 15 Jahren.“ Aus Reinolds Sicht muss die Gemeinde darauf reagieren, wenn sie ihr Gewerbegebiet füllen möchte. Damals habe man noch Gebiete geplant, die wegen der festgelegten Planstraßen nur „relativ kostspielig zu erschließen“ sind. Reinold: „Heute wird im Allgemeinen eine größtmögliche Gestaltungsfreiheit für die späteren Bauherren angestrebt.“ Wegen der Planstraßen seien die Grundstücke für heutige Bedürfnisse allerdings nicht mehr ausreichend tief, und zwar umso weniger, als aufgrund der Hanglage „im einen oder anderen Fall Terrassierung nötig“ werden könnte. Damals seien Grundstückstiefen von teils nur 50 Metern entwickelt worden, das sei für Gewerbebetriebe heute nicht interessant. „Da darf man sich nicht wundern, wenn die Vermarktung des Gewerbegebietes schwerfällt“, schlussfolgert Reinold und zieht das Fazit: „Nach heutigem Ermessen sind die Flächen über die drei gültigen B-Pläne übererschlossen.“ Also ziele die aktuelle Planung im Wesentlichen darauf ab, die Straßen zurückzunehmen, um so größere Baufelder zu schaffen. Außerdem soll die südlich der Nottmeyer-Hallen ursprünglich geplante öffentliche Straße (von Knets Kamp zur Weststraße) unterbrochen werden, um Querverkehre zu unterbinden.

 Reinold zufolge zeichnet sich die aktuelle Planung durch mehrere Details aus.

 In den alten Plänen sind Ausgleichsflächen für den Naturschutz und ein Regenrückhaltebecken ausgewiesen – beides wird unverändert in den neuen Plan übernommen, zumal das Rückhaltebecken auch nach heutigem Ermessen ausreichend groß ist.

 Die „Textlichen Festsetzungen“ orientieren sich im Wesentlichen an den alten B-Plänen, zum Beispiel hinsichtlich der erlaubten Bauweise.

 Weiterhin ausgeschlossen bleiben Vergnügungsstätten (von der Spielhalle bis zum Rotlicht-Etablissement) und Einzelhandel (Supermärkte).

 Auch an der „Kubatur“ – also dem maximal erlaubten Volumen der Bauwerke – ändert sich nichts.

 Es bleibt bei einer Bauhöhe von maximal zwei Geschossen.

 Es bleibt bei der erlaubten „Abweichenden Bauweise“, wonach auch Gebäude mit mehr als 50 Metern Länge gebaut werden dürfen.

 Matthias Reinold wörtlich: „All diese Dinge bleiben so, wie sie vor zehn bis 15 Jahren vorgesehen und geplant worden sind.“

 Um bohrende Fragen aus der Anwohnerschaft sind die Planer dennoch nicht herumgekommen. „Warum will man die Straßenverbindung Weststraße/Knets Kampf schließen? Dann fließt der Verkehr über den Hainekamp ja sogar verstärkt über die Nord-Süd-Straße ab – dem kürzesten Weg zur Autobahn. Welche Maßnahmen sind geplant, um diesen Verkehr zu stoppen?“ Da muss der Planer passen. „In einem B-Plan können wir keine verkehrsregelnde Maßnahmen festsetzen.“ Allerdings bleibe zu überprüfen, inwieweit sich „unsere Idee“ auf das übrige Straßennetz auswirken werde. Sein Versprechen: „Dem Hinweis gehen wir nach, ihre Anregung ist sehr wichtig.“

 Ein Anlieger hat beobachtet: „Die Lkw (auch große Jumbos) fahren von morgens bis abends. Manche fahren über die Bürgersteige, weil die Werkzufahrten zu schmal sind.“ Reinold sagt auch für diesen Fall „kritisch Prüfung“ zu.

 „Kann da so ein Logistik-Kasten gebaut werden wie in Lauenau?“, möchte ein Bürger wissen. „Ganz klar: nein“, sagt Reinold. Erlaubt seien höchstens zwei Geschosse für Gewerbebauten. Zu rechnen sei mit Bauhöhen von etwas mehr als zwölf Metern.

 Eine weitere Frage: „Was kann man dagegen tun, dass es mehr Lärm geben wird – auch auf der Bundesstraße?“ Der Planer weist in diesem Zusammenhang auf Grenzwerte hin: „Von einem Gewerbegebiet ausgehende Lärmwerte dürfen tagsüber 65 dB(A) und nachts 50 dB(A) nicht überschreiten.“ Der von der Bundesstraße und der Autobahn ausgehende Lärm werde rechtlich anders behandelt und auch gesondert betrachtet – allerdings nicht im Rahmen der B-Planung, so Reinold.

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