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Der Krieg hat sie zusammengeführt

Schermbecker feiern Diamantene Hochzeit Der Krieg hat sie zusammengeführt

Sie könnten mühelos ein dickes Buch schreiben über das, was sie über ihr Leben und speziell über die 60 Jahre ihrer Ehe zu berichten haben.

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Haben zehn Jahre nach Kriegsende geheiratet: Hugo und Minna Tänzer.

Quelle: sig

Schermbeck. Und bei den Lesern käme keine Langeweile auf. Davon sind Hugo Tänzer (81) und seine Ehefrau Minna (78), geborene Möller, überzeugt. Am heutigen Donnerstag, 22. Oktober, sind sie 60 Jahre verheiratet.

 „Das ist eine sehr lange Zeit, die viele Paare heute kaum noch erreichen“, meinte die Jubilarin. Aber es gehöre eben auch ein gehöriges Maß an Kompromissfähigkeit und Verständnis für den Anderen dazu. Daran scheint es bei beiden nicht gemangelt zu haben, obwohl sie zum Beginn ihrer Ehe ganz unterschiedliche Startbedingungen hatten.

 Der Jubilar kam aus jenem Teil Pommerns, der Polen zugeschlagen wurde. Mit seiner Mutter und einer Schwester ist er im Juni 1945 aus seinem Heimatort Hermsdorf vertrieben worden. Das geschah in wenigen Augenblicken. Sie mussten alles stehen und liegen lassen. Zu Fuß machten sie sich auf den Weg nach Berlin.

 „Das dauerte viele Tage; wir schliefen in Heuschuppen und Schweineställen, und zu essen hatten wir auch kaum“, erinnert sich Hugo Tänzer. Unterwegs gab es grauenvolle Erlebnisse. Nach etlichen Wirrungen landete er schließlich mit seinen Angehörigen im Schaumburger Land. Der heimatlos Gewordene lernte in Schermbeck seine spätere Frau bereits als Jugendliche kennen. Sie wohnte – wie auch heute – im elterlichen Haus Steinbrink Nr. 4, in dem sie geboren worden war. Als sie heirateten, war die junge Frau noch keine 19 Jahre alt.

 Hugo Tänzer erlernte den Maurerberuf und arbeitete anschließend 34 Jahre lang in der Erzgrube „Wohlverwahrt“ in Kleinenbremen. Dort sind heute auch noch zwei seiner drei Söhne beschäftigt. Seine Frau kümmerte sich währenddessen, unterstützt von ihren Männern, um den zum Haus gehörenden landwirtschaftlichen Nebenerwerbsbetrieb. Falls ihr noch Zeit blieb, strickte sie Wollstrümpfe – noch heute 20 Paar im Jahr.

 Seine frühere pommersche Heimat besuchen sie gemeinsam jedes Jahr und kamen nie mit leeren Händen. Freunde und Bekannte gaben ihnen viele Dinge mit, die bei den Empfängern Freude auslösten. Die soziale Einstellung der Eheleute ist bis heute unverändert geblieben. Dem Gemeinwohl verpflichtet fühlte sich schon der Urgroßvater von Minna Tänzer. Er hieß Carl Kuhlmann und war über zwei Jahrzehnte lang Bürgermeister des einst selbstständigen Dorfes Schermbeck. Die Jubilarin legt übrigens großen Wert darauf, eine Grafschaftlerin und keine Schaumburg-Lipperin zu sein. Die frühere Grenze verläuft unweit ihres Hauses. sig

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