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Ein bestens aufgelegtes Ensemble in einem großen Stück

Bad Eilsen / „Schaumburger Bühne“ Ein bestens aufgelegtes Ensemble in einem großen Stück

Szenen dreier Ehen: Was geschieht, wenn drei wohlanständigen Silberpaaren der Trauschein abhanden kommt? Dieser Frage ist am Freitagabend das Ensemble der „Schaumburger Bühne“ im Kurtheater nachgegangen.

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Den „Ehe“-Frauen gefällt die ganze Sache gar nicht: Albert Parker wird von Maria Helliwell gemaßregelt.

Quelle: mig

Bad Eilsen.   In guten wie in schlechten Zeiten“ von John B. Priestley entpuppte sich dabei schnell als bissige Kritik an der (englischen) Kleinstadt-Gesellschaft.

 Nach 25 Jahren setzt jede Ehe Rost an. Nicht anders ist es bei den drei Paaren, die in der Komödie von John B Priestley zu Wort kommen. Man kennt sich, man zankt sich – ansonsten ist da viel Langeweile auf beiden Seiten. „Das hast Du doch alles schon mal gesagt“, wirft eine der Frauen ihrem Gatten vor. Warum man geheiratet hat? Wohl auch, um sich gesellschaftlich besser zu stellen. Eine der Frauen war früher Näherin, und auch die Männer sind nicht gerade Prachtexemplare ihre Gattung. Albert Parker etwa nutzt jede Gelegenheit, um andere zu drangsalieren und seine moralinsauren Ansichten loszuwerden. „Die Ehe hat für Frauen eine größere Notwendigkeit, als für uns Männer“, predigt er seinen Freunden.

 Dass das nicht stimmt, zeigt sich schnell. Ausgerechnet der unkonventionelle Orgelspieler, den die drei feuern wollen, hat herausgefunden, dass ihre Ehen ungültig sind. „Sie haben vor 25 Jahren nicht geheiratet, sie haben nur zusammengelebt“, wirft er den Männern vor. Und: „Der damalige Pastor hatte gar nicht die Vollmacht, sie zu trauen.“ Jetzt merken die drei Herren, dass ihre Stellung in der Gesellschaft auf dem Spiel steht. „Dieser Brief ist Dynamit“ schreit Joe Helliwell – und bietet dem eben noch Geschmähten eine Zigarre an. In einer Sekunde haben sich die Verhältnisse (oben – unten, verheiratet – nicht verheiratet, gut beleumundet – Außenseiter) komplett umgekehrt.

 Das bekommen auch die Frauen zu spüren, die langsam ungeduldig werden. Sie lassen ihren Frust an der gemütlichen Mrs. Northrop aus, die in der Küche Geschirr zerdeppert hat. Als Maria Helliwell ankündigt, ihr die Schüssel vom Lohn abzuziehen, ist das Maß voll. Die Köchin hat an der Tür gelauscht und ist damit über das Fehlen der Trauscheine völlig im Bilde. Mit den Worten „Tun Sie doch nicht so großkotzig. Ich bin wenigstens anständig verheiratet“ lässt sie die drei Frauen einfach stehen (beziehungsweise sitzen). Das blanke Entsetzen und das irre Gelächter, das darauf folgt, bekommt sie schon nicht mehr mit.

 Wie die drei Paare auf diese katastrophale Situation reagieren, wie sie sich mit ganz neuen Augen sehen und wie sie – jeder für sich – eine Lösung finden, dass alles macht „In guten wie in schlechten Zeiten oder: falls wir verheiratet sind“ zu einem Spiegel auch der heutigen Gesellschaft. Kurzum: ein großartiges Stück und ein bestens aufgelegtes Ensemble, das auch die komischen Seiten des Ehelebens herausarbeitete.

 Ein Extralob verdienten sich an diesem Abend die sechs Hauptdarsteller (Peter Reinhold (Joe Helliwell), Regine Müller (Maria Helliwell), Eberhard Greuel (Albert Parker), Anna Schönbeck (Annie Parker), Oliver Beckers (Herbert Soppit) und Bettina Handelsmann (Clara Soppit) sowie der Regisseur Jürgen Morche.

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