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Nabu-Vortrag in Bad Eilsen Interesse wecken

Manche unserer heimischen Gartenvögel sehen wir inzwischen so selten, dass wir sie nicht mehr kennen. Warum das so ist, hat Rüdiger Wohlers am Mittwochabend im Haus des Gastes in Bad Eilsen erklärt.

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Nabu-Experte Rüdiger Wohlers schildert am Beispiel von Kohlmeise, Amsel und Co., wie bedroht manche uns vertraute Art heute bereits ist.

Quelle: thm

Eilsen. Dort hat der Bezirksgeschäftsführer des Naturschutzbundes (Nabu) aus Oldenburg den Vortrag „Stunde der Gartenvögel“ gehalten. In seinem Vortrag hat der Fachmann Interessierten einen Zugang zu Belangen des Naturschutzes verschafft. Diese spielen gleich vor der eigenen Haustür eine Rolle. Das Auftreten von Amsel, Kohlmeise und Co. legt beredt Zeugnis ab, welchen Schaden der Mensch seiner unmittelbaren Umwelt antut.

 Keine nennenswerten Probleme, sich im Umfeld des Menschen zu behaupten, hat die anpassungsfähige Kohlmeise. Der Höhlenbrüter zieht zwei- bis dreimal pro Jahr Nachwuchs auf und fühlt sich „sauwohl“: In den vergangenen Jahrzehnten hat er sogar an Leibesfülle zugelegt, wie Vergleichsmessungen belegen. Auch die Gelegegröße – also die Anzahl der Eier – ist angestiegen.

 Also doch alles gut? Nein, wie das Beispiel der Stare zeigt. „Der Star hat Probleme, er ist auf dem Weg in die Rote Liste“, sagt Wohlers. Früher zog der Vogel in riesigen Schwärmen übers Land. Heute leide die Art unter einem „trojanischen Pferd der Energiewende“: einem regelrechten Wald von Maispflanzen, angebaut, um damit subventionierte Biogasanlagen zu „füttern“. Dort, wo heute die riesigen Mais-Monokulturen stehen, gab es früher Grünland, also Wiesen und Weiden. Das ist der Lebensraum der Stare. Der Vogel braucht die Larven, die an den Wurzeln der Gräser zu finden sind. Keine Wiesen, keine Larven, keine Stare – so einfach ist der Zusammenhang, dass sogar der Umweltschutz die Umwelt bedrohen kann. So steht jede Art für einen bestimmten Lebensraum. Verschwindet er, nimmt auch die Art ab.

 Es gibt eine weitere Folge dieses Trends: „Der Verlust an Artenkenntnis ist eine Zeitbombe“, beklagt Wohlers. Nicht nur bei Jüngeren ist das Phänomen anzutreffen, sondern auch schon bei Menschen bis zum 50. Lebensjahr. Wer aber die Arten nicht mehr kennt, der tut sich schwer, ein Gefühl zu entwickeln für die natürliche Vielfalt.

 Mit ähnlichen Veränderungen hat der Feldsperling zu tun. „Wer hätte vor 20 Jahren gedacht, dass der Feldsperling schon bald in der Vorwarnliste der gefährdeten Arten stehen wird“, so Wohlers.

 Hübsch anzuschauen ist das Rotkehlchen. Andernorts wird dieser Zugvogel von Jagd bedroht. „Naturschutz kann man nur dann effektiv betreiben, wenn man über den großen Gartenzaun guckt.“ Also international tätig wird. Der Fachmann bezeichnet das, was in Malta und auf Zypern geschieht, was in den griechischen Vogelschutzgebieten vor sich geht und was in Ägypten gängige Praxis ist, als Massenabschlachten. „In Ägyptens Norden gibt es mehrere Hundert Meter lange Fangzäune, doppelt gestaffelt und bis an die Küste heranreichend“, beschreibt Wohlers Jagdszenen, zu deren Opfern nicht nur das Rotkehlchen zählt, sondern auch der Kuckuck, der Wendehals und viele andere Arten mehr.

 Zum Beispiel die Singdrossel. Auswirkungen auf diese Art hatte darüber hinaus aber auch der Rückbau ihres Lebensraumes, denn vor 40 oder 50 Jahren haben wir unsere Landschaft im Zuge der Flurbereinigung regelrecht ausgeräumt und die großen Feldhecken entfernt. Und weil sich die Wüsten in Afrika ausdehnen, muss der Vogel immer weiter fliegen, um ein Winterquartier zu finden, das ihm ausreichend Nahrung bietet. Allein durch den längeren Flugweg verbraucht er mehr Energie als zuvor. Weil er aber immer weiter nach Süden fliegen muss, findet er schließlich ganz andere Insektenarten als Nahrung vor. Ihn selbst stellt das vor erhebliche Anpassungsprobleme. Andererseits benötigen die im Süden heimischen Vögel diese Insekten ebenfalls als Nahrung, sodass das Nahrungsangebot insgesamt schrumpft. Wenn der Winter erfolgreich überstanden ist, bekommt sie mit steigender Lufttemperatur das Signal: zurück nach Norden. Die Singdrossel fliegt zurück, kommt hier aber oft früher an als üblich. Dann sind ihre Nahrungsquellen aber noch nicht so entwickelt, wie sie es sein sollten. Deshalb greift die Singdrossel auf andere Futterquellen zu, die dann wieder anderen Arten fehlen.

 Den „Vogel des Jahres“ kürt der Nabu seit 1971, aus Sicht Wohlers ein „echter Schritt nach vorne“. Zum oft strittig diskutierten Thema der „Vogel-Winterfütterung“ hatte Wohlers einen leicht zu erinnernden Merksatz parat: „Machen Sie es, wenn ihnen danach ist.“ Zu beachten sei lediglich: keine Nahrungsreste, nichts Gesalzenes, nichts, dessen Haltbarkeit abgelaufen ist, nichts, das ranzig ist.

 Der Abend war als Gründungstreffen einer Nabu-Ortsgruppe Eilsen konzipiert. Etwa ein Dutzend Interessierte waren erschienen. Der formale Gründungsakt wurde vertagt. Stattdessen wurden, zunächst Anschriften ausgetauscht, damit zielgenau zu Folgeveranstaltungen eingeladen werden kann.

Kontakt: Britta Raabe, Leiterin der Nabu-Regionalgeschäftsstelle in Rinteln. Telefon (05751) 5237 und E-Mail: britta.raabe@nabu-weserbergland.de. thm

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