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Aus dem Landkreis 112 immer öfter gewählt
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis 112 immer öfter gewählt
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00:24 10.03.2018
Der DRK-Rettungsdienst im Landkreis Schaumburg musste bereits das Personal aufstocken, weil die Zahl der Einsätze dramatisch gestiegen ist. Quelle: Foto: Archiv/TBH
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„Ich glaube aber nicht, dass es heute in Schaumburg 35 Prozent mehr Schwerkranke gibt als vor zehn Jahren“, sagt Bernd Gerberding, der Geschäftsführer des DRK-Rettungsdienstes im Landkreis Schaumburg. Vielmehr sei es so, „dass immer mehr Betroffene auch bei Bagatellen die Nummer 112 wählen“.

In dieser Steigerung spiegelt sich ein Trend wieder, der bundesweit sogar noch ausgeprägter ist. In den vergangenen acht Jahren haben sich in Deutschland die Kosten für Rettungseinsätze verdoppelt. „Bei uns ist das offenbar noch nicht so stark wie etwa in den Großstädten“, bemerkt Gerberding.

Anspruchsdenken ist gestiegen

Immer öfter berichten nach Darstellung von Gerberding Notärzte und Rettungssanitäter aber auch hier, dass sie zum Beispiel zu einfachen Rücken- oder Kopfschmerzen, zu Magen-Darm-Grippen oder stärkerem Husten gerufen würden – vermehrt nachts oder an Wochenenden.

„Das sind oft Anlässe, bei denen man normalerweise zum Hausarzt geht“, so Gerberding. Das Anspruchsdenken vieler Menschen sei aber gestiegen, es werde viel öfter als früher sofortige Hilfestellung erwartet.

Teil des Problems ist nach Überzeugung von Gerberding aber auch, dass die zentrale Telefonnummer des ärztlichen Bereitschaftsdienstes – die 116 117 – zu wenig bekannt sei. Diese könne man anrufen, wenn es um Beschwerden gehe, die keinen medizinischen Notfall darstellen.

Mehr Personal, mehr Kosten

Natürlich müsse man dann eine Fahrt zur Bereitschaftsdienst-Praxis auf sich nehmen oder zu Hause auch mal zwei Stunden auf den diensthabenden Arzt warten. Doch mancher sei zu beidem nicht bereit und wähle daher die 112. Der gestiegene Bedarf habe beim hiesigen DRK schon zur Beschaffung von entsprechend mehr Personal und Fahrzeugen geführt, die Kosten für den Rettungsdienst seien entsprechend gestiegen.

Bürger sensibilisieren

Es müsse laut Gerberding bei den Bürgern wieder stärker ins Bewusstsein rücken, dass man den Rettungsdienst nur rufen sollte, „wenn es um lebensbedrohliche Lagen geht“. Dann solle man es aber auch wirklich tun: „Es wäre fatal, wenn beispielsweise jemand mit Herzschmerzen oder extremen Kreislaufproblemen nicht die 112 wählt.“

Es gehe darum, „im Krankheitsfall mit Bedacht mit der Situation umzugehen und zu überlegen, ob nicht die Bereitschaftsdienst-Nummer 116 117 die angemessene Hilfe ist oder ob es doch die 112 sein muss“. Die Kassenärztliche Vereinigung plant nach Information von Gerberding, einen aufklärenden Flyer über den Unterschied von 112 und 116 117 in Umlauf zu bringen. ssr

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