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242 Flüchtlinge in Bückeburg eingetroffen

Zahlreiche helfende Hände engagieren sich für Notunterkunft in der Jägerkaserne 242 Flüchtlinge in Bückeburg eingetroffen

Zahlreiche Freiwillige haben in einer beispiellosen Hilfsaktion 242 Flüchtlingen über Nacht in der Jägerkaserne in Bückeburg ein Dach über dem Kopf verschafft.

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Quelle: pr.

Landkreis/Bückeburg.  Erst am Sonntagabend gegen 19 Uhr hatten die Landesbehörden der Kreisverwaltung mitgeteilt, dass die Flüchtlinge am frühen Montagmorgen eintreffen würden, wie Landrat Jörg Farr gestern auf einer Pressekonferenz mitteilte.
Binnen kürzester Frist liefen in der Nacht die Aktivitäten an, um die Voraussetzungen für die Einquartierung zu schaffen. Wie der Kreisvorsitzende des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Bernd Koller berichtete, wurden umgehend ausreichend Betten aus einem DRK-Zentrallager in Melle herbeigeschafft. Rund 220 Betten wurden in Windeseile in der Mehrzweckhalle der Jägerkaserne aufgestellt. Daran beteiligt waren vor allem ehrenamtlich Tätige des Technischen Hilfswerkes (THW), des DRK und der Feuerwehr.

Weitere 80 Schlafmöglichkeiten wurden nach Auskunft von Oberstleutnant Martin Kleist in Soldatenwohnungen in der direkt benachbarten Königsberger Straße bereitgestellt. Beim Herrichten der Zimmer halfen auch Soldaten mit, erzählte Kleist.

Parallel dazu installierten THW-Mitglieder neben der Mehrzweckhalle mobile Toiletten und erste Duschen. Wie THW-Einsatzleiter Thomas Sasse berichtete, wurden im Laufe des Montags vier weitere Container mit sanitären Anlagen herbeigeschafft.

Wie Koller ergänzte, liefen beim DRK noch in der Nacht die Vorbereitungen für die Vepflegung an. In der DRK-Serviceeinrichtung in Steinbergen wurden „von allen verfügbaren Kräften“ Frühstücksportionen vorbeireitet, die am Morgen rechtzeitig eintrafen. Auch ein warmes Mittagessen konnte sichergestellt werden. „Wir geben aus Rücksicht auf religiöse Belange ausschließlich schweinefleischfreies Essen aus“, betonte DRK-Einsatzleiter Thomas Wolff.

Direkt nach Eintreffen der Flüchtlinge gegen 5.30 Uhr waren auch alle kreisweit tätigen Flüchtlings-Sozialarbeiter der Arbeiterwohlfahrt (Awo) vor Ort. Diese wurden laut Kreisgeschäftsführerin Heidemarie Hanauske von ehrenamtlichen Dolmetschern unterstützt. „Unsere Mitarbeiter stehen den Flüchtlingen als Ansprechpartner für deren Sorgen und Ängste zur Verfügung.“ DRK, Awo und THW haben mittlerweile einen Schichtdienst eingerichtet, um die Flüchtlinge rund um die Uhr zu betreuen.

Vom DRK organisiert wurde eine medizinische Erstuntersuchung. Ein Allgemeinmediziner und ein Zahnarzt nahmen sich dieser Aufgabe an. Wie Koller berichtete, wurden keine gravierenden Krankheiten oder Verletzungen festgestellt. Zwei der Flüchtlinge wurden akut zahnmedizinisch behandelt. „Die meisten der Angekommenen waren aber sehr hungrig“, ergänzte Hanauske, „einige waren mit Ernährung tagelang unterversorgt.“ Etlichen seien die Strapazen langer Fußmärsche anzumerken. Für eventuell notwendige medizinische Versorgung stehe das Kreiskrankenhaus in Stadthagen bereit, ergänzte Farr.

Die Flüchtlinge kommen aus Syrien, Afghanistan, Eritrea, Ghana, Somalia und dem Irak. Wie Farr angab, sind zwei Drittel der Angekommenen männlich. Es seien relativ wenige Kinder und Jugendliche dabei. Darunter freilich zwei Säuglinge, eines davon – auf der Flucht geboren – gerade einmal fünf Tage alt. Die Flüchtlinge waren über Nacht aus Bayern mit Bussen nach Bückeburg gebracht worden.

Wie Kleist hervorhob, handelt es sich bei der Unterbringung von Flüchtlingen in einer in Betrieb befindlichen Kaserne um ein Novum in Deutschland. „Es ist eine Notunterbringung, die zeigt, wie angespannt die Lage ist“, fügte Kreissozialdezernent Klaus Heimann hinzu. Aus rechtlichen Gründen sei die Mehrzweckhalle aus dem militärischen Sicherheitsbereich der Kaserne ausgegliedert worden.

Die Mehrzweckhalle und das direkt benachbarte Gelände, auf dem die Hilfsorganisationen ihre mobilen Einrichtungen platziert haben, sind eingezäunt. An der Fürst-Ernst-Straße wurde ein Eingang geschaffen, damit freier Zugang zu dem Gelände besteht. Unbewaffnete Soldaten kontrollieren, dass niemand unbefugt das weitere Kasernengelände betritt. Die Flüchtlinge haben freilich das Recht, die Anlage zu verlassen. „Das sind freie Menschen“, so Hanauske, „die zwar keine Papiere haben, da die Erstaufnahme noch nicht erfolgt ist, aber gehen können, wann sie wollen, auch wenn sie dann Illegale wären.“

Nach Angaben von Farr handelt es sich in Bückeburg um eine „Flüchtlings-Übergangseinrichtung des Landes“. Wie lange die Zuflucht suchenden Menschen dort bleiben werden, sei unklar. Voraussichtlich würden sie in Erstaufnahmeeinrichtungen weitergeleitet. Nicht ganz auszuschließen sei, dass die Erstaufnahme in der Jägerkaserne abgewickelt wird. „Wir haben dem Land angeboten, dabei zu helfen und Personal bereitzustellen“, ergänzte Heimann.
Ob in den nächsten Tagen weitere Flüchtlinge ankommen werden, konnten die hiesigen Verantwortlichen nicht sagen. Ursprünglich waren 360 Zufluchtsuchende angekündigt worden. Das ist nach Angaben von Kleist die maximale Kapazität, die die Jägerkaserne zur Verfügung stellen könnte.

Farr drückte seinen Dank für die „tolle Hilfsleistung“ aller Beteiligten aus: „Hier haben alle sofort an einem Strang gezogen.“ Alle Verantwortlichen würdigten die große aus der Bevölkerung kommende Hilfsbereitschaft. Bei den Hilfsorganisationen, aber auch bei der Kreisverwaltung trafen am Montag zahlreiche dementsprechende Anrufe und Mails ein. Auch die SN haben per Mail und über Facebook viele Botschaften erhalten, die von der Bereitschaft zur Unterstützung der Flüchtlinge zeugen.

Spenden

Wer zur Finanzierung der Hilfsleistungen in Bückeburg beitragen will, kann das durch eine Spende auf ein Sonderkonto des DRK tun: Sparkasse Schaumburg, Spendenkonto Flüchtlingshilfe DRK, Sparkasse Schaumburg; Konto-Nummer 522 670 629; BLZ 255 514 80, Verwendungszweck „Flüchtlingssoforthilfe DRK“. Gebraucht werden auch Kleidung, speziell Winterbekleidung und Schuhe. Diese können in den örtlichen DRK-Kleiderkammern abgegeben werden.

Hut ab!

Von Verena Insinger

Vor dem geleisteten Kraftakt der Ehrenamtlichen in Schaumburg kann man nur den Hut ziehen. In sonntäglicher Vor-Tatort-Stimmung machten sich hundert Helfer von DRK, THW und Feuerwehr auf den Weg nach Bückeburg, um für die erwarteten Flüchtlinge alles vorzubereiten. Binnen weniger Stunden bauten die Helfer die Notunterkunft auf, schafften eine Infrastruktur für die Flüchtlinge. In solchen Situationen sieht man, wie gut ein ehrenamtliches Netz funktioniert. In Schaumburg steht seit dieser kräftezehrenden Nacht einmal mehr fest: Im Landkreis funktioniert die Zusammenarbeit über die Organisationen hinweg. Alle haben mit angepackt, auf eine erholsame Nacht verzichtet, um anderen zu helfen. Und das mit dem Wissen, dass am nächsten Morgen keine Zeit zum Ausruhen ist. Hut ab!  Jetzt ist es an den Arbeitgebern, ihren Teil zum weiteren Gelingen des Kraftakts beizusteuern. Denn die Arbeit ist mit dem Aufbau der Feldbetten noch lange nicht getan. Die Helfer müssen durchhalten, die Flüchtlinge weiter betreuen. Um genug Energie dafür aufbringen zu können, müssen ihnen die Chefs den Rücken freihalten. Der große Dienst an der Gesellschaft ist dies mehr als wert.

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