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51-Jähriger gilt als nicht voll zurechnungsfähig

Beleidigungen am laufenden Band 51-Jähriger gilt als nicht voll zurechnungsfähig

Sechs Monate Haft: Im Prozess gegen einen Schaumburger, der reihenweise andere Menschen beleidigt und bedroht, hat das Landgericht in Bückeburg die Strafe halbiert. Der Angeklagte ist nicht voll zurechnungsfähig.

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Landkreis/Bückeburg. Lächelnd sitzt der 51-Jährige neben seiner Verteidigerin. Als Richterin Eike Höcker eine Frage stellt, antwortet er zunächst freundlich. Sekunden später wirkt der Schaumburger wie ausgewechselt. Er steigert sich in einen zunehmend wütenden Tonfall. Wild gestikuliert der Angeklagte dazu mit den Armen, das Gesicht im Zorn verzerrt.

 „Er hat narzisstische Persönlichkeitszüge, ist leicht kränkbar, verhält sich streitsüchtig und ist eingeschränkt in seiner Kritikfähigkeit“, fasst ein Psychologe vor der Berufungskammer des Landgerichts zusammen. Ein Psychiater kommt zu dem Schluss, dass der Angeklagte, der schon sieben Anwälte verschlissen hat, an einer wahnhaften Störung leidet. Er lebt demnach, „im Glauben, für eine gerechte Sache zu kämpfen“. Gemeint ist die eigene Sache.

 Dem psychiatrischen Gutachten zufolge ist der Schaumburger nur vermindert schuldfähig, seine Steuerungsfähigkeit erheblich eingeschränkt. In erster Instanz hatte das Amtsgericht in Stadthagen ein Jahr Haft verhängt. Verurteilt wurde der Wiederholungstäter wegen Beleidigung, Bedrohung und Verleumdung – unterm Strich mehr als ein Dutzend einzelner Taten.

 Die meisten drehen sich um Mobbing im Internet. Wiederholt beschimpfte er per E-Mail seine frühere Lebensgefährtin und deren Rechtsanwalt, die Frau beispielsweise als „Dorfschlampe“, den Juristen als „Hurensohn“. Gern verschickte der 51-Jährige zudem elektronische Post an Behörden oder einen größeren Kreis von Privatpersonen, um dies auch andere wissen zu lassen.

 Einmal veröffentlichte er auf seiner Facebook-Seite ein Bild mit abgeschlagenen Köpfen aus Stein, das zwischenzeitlich gelöscht ist. Es wirkte wie eine Drohung. In einem anderen Fall stand er neben dem Auto seiner Ex und machte in Richtung des Fahrzeugs Bewegungen mit einem Taschenmesser. Die Tochter der Frau saß mit im Wagen. Und es hört nicht auf. Laut Oberstaatsanwalt Frank Hirt gibt es „laufend neue Verfahren“ gegen den 51-Jährigen.

 Nach eigenen Angaben hat der Schaumburger seine Firma und das Haus verloren. Seine zwischenzeitlich geschiedene Ehefrau soll vor allem scharf auf das Geld gewesen sein. Er will auf offener Straße und sogar in einer Wohnung angegriffen worden sein.

 Richterin Höcker geht davon aus, dass dem 51-Jährigen vor einiger Zeit tatsächlich Unrecht geschehen ist. Nur: Was er getan hat und andere ihm angetan haben sollen, sind zwei Paar Schuhe. „Beleidigung auf der einen Seite und Aufklärung von Straftaten auf der anderen“, so Höcker, „kann man nicht vermengen.“ Der Angeklagte erklärt, er wolle niemanden beleidigen, sondern Beweise sammeln – in eigener Sache.  ly

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