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Abstinenz ist nicht das Ziel

Internetsucht Abstinenz ist nicht das Ziel

Aus dem Büro-Alltag ist das Internet nicht mehr wegzudenken, und vieles wird dadurch einfacher. Doch so leicht wie der Zugang, so groß sind auch die Verlockungen. Dr. Gregor Szycik von der Medizinischen Hochschule Hannover hat beim Runden Tisch für betriebliche Suchtprävention der Diakonie über die Risiken informiert.

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Arbeitgeber sollten das Thema Online-Sucht „sofort auf den Tisch bringen“, wenn sie es bemerken.

Quelle: Symbolfoto (dpa)

Landkreis. Glücksspiel, Pornografie, Shopping, Filme, Videospiele und mehr sind rund um die Uhr für den Nutzer verfügbar – manch einer verliert sich darin. „Bei der Internetsucht gibt es Parallelen zu anderen Pathologien. Oft stellt der Internetkonsum dabei nur vordergründig betrachtet das Problem dar“, erklärte Szycik. Die Impulskontrollstörung sei allen Erscheinungsformen der Sucht gemein.

Kommt ein Internetnutzer nicht von pornografischen Inhalten los, liege oft eine gestörte Sexualität zugrunde. Sammelt er mehr Musik oder Filme, als er sich je zu Gemüte führen kann, mag zwanghaftes Horten, ein „Messie“-Syndrom dahinter stehen.

Bei Jungs liegen Online-Spiele vorne

Dem Internet eigen ist dagegen das wahllose Surfen, das Treiben von Information zu Information ohne besonderen Fokus. Neben Chatten und Gaming gehört es zu den Hauptproblemfeldern. 2,4 Prozent der 14 bis 24-Jährigen werden zu den Abhängigen gezählt. „Nach aktuellen Erkenntnissen liegen bei Mädchen insbesondere die sozialen Netzwerke vorne, Jungs neigen eher zu den Online-Spielen“, weiß Szycik.

Das „überwertige Immersionserleben“ – das Eintauchen in den „Flow“ – und in eine andere Identität machen den Reiz aus. Der soziale Rückzug zugunsten der Anerkennung durch virtuelle Partner und der Kontrollverlust über die eigenen Handlungen sind das Ergebnis. „Es gibt bei fast 100 Prozent der Fälle Begleiterkrankungen wie Depressionen, Angststörungen, Alkohol- oder Nikotinsucht“, so Szycik.

Einen absoluten Zeitmaßstab, der die Abhängigkeit kennzeichnet, gebe es nicht, auch keine Medikamente dagegen. Die Ursachen zu ergründen, einen bewussten Internetkonsum und eigene Lösungen zu generieren, nicht aber die totale Abstinenz, seien für die Patienten der probate Weg zur Genesung.

Arbeitgebern, die im Betrieb mit dem Problem konfrontiert sind, empfiehlt Szycik: „Sobald das Thema präsent ist, muss es auf den Tisch. Das Arbeitsumfeld darf nicht in eine Co-Abhängigkeit geraten, indem es die Sucht des Kollegen kaschiert.“

Doch auch der digitale Arbeitsalltag selbst berge psychische Risiken. Leistungsdruck durch permanente Erreichbarkeit auch in der Freizeit und Informationsüberflutung erhöhen den Stress für die Beschäftigten. Unzureichende Einarbeitung in die Arbeitsprogramme, die Angst, nicht mehr Schritt halten zu können bis hin zu Cyber-Mobbing verschärften die Lage umso mehr.  geb

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