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Abtreibung: Agaplesion-Haltung löst Diskussion aus

Politiker äußern sich Abtreibung: Agaplesion-Haltung löst Diskussion aus

Die Haltung von Agaplesion zum Thema Abtreibung schlägt hohe Wellen. Die Politiker des Landkreises wussten offenbar von nichts. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Gunter Feuerbach bezeichnet die Haltung von Agaplesion als „unglücklich und wenig zeitgemäß“.

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Wenn Frauen ihr Baby nicht wollen, es aber keine medizinischen Gründe für eine Abtreibung gibt, müssen sie Krankenhäuser außerhalb Schaumburgs ansteuern. 

Quelle: dpa

Landkreis. Während die Schaumburger über das Für und Wider der Agaplesion-Entscheidung gegen generelle Abtreibungen im neuen Gesamtklinikum diskutieren, herrscht bei Kreisverwaltung und Politik Rätselraten. Ob der Kreisverwaltung die Haltung von Agaplesion vor Entscheidung für diesen Konzern als Träger bekannt war, konnte der Kreissprecher Klaus Heimann auf Anfrage der SN nicht sagen. Ein Zurück sei „aufgrund des Konsortialvertrages und des Projektstandes nicht denkbar“, so Heimann.

"Das gesamte Spektrum an Leistungen abdecken"

Feuerbachs Auffassung nach sollte die kirchliche Einrichtung die Frage der sozialen Indikation „nicht so erzkonservativ behandeln“. Als Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung sollte das Klinikum Schaumburg vielmehr „das gesamte Spektrum an Leistungen abdecken, das vom Gesundheitsministerium vorgegeben ist“. Feuerbach bekundet, der Kreispolitik sei vor der Entscheidung für Agaplesion die Haltung dieses Konzerns zur sozialen Indikation nicht bewusst gewesen. Allerdings hätte eine Kenntnis davon seiner Überzeugung nach „nie und nimmer dazu geführt, dass wir uns gegen Agaplesion entschieden hätten, da andere Kriterien viel maßgebender waren“.

Anders sieht das Grit Schmidt, die für die SPD zur Zeit der Entscheidung im Kreistag saß und die Geschäftsführung innehatte. „Das war kein Thema, sonst hätte es damals schon einen Aufschrei gegeben.“ Sie verweist darauf, dass zu jener Zeit noch mit einem anderen Träger verhandelt wurde, Pro Diakon. Der wurde später vom Agaplesion-Konzern übernommen.

Richard Wilmers, Sprecher der Gruppe WIR/FDP/Möller, zeigt sich „enttäuscht“ von der Haltung Agaplesions, die er als „problematisch“ bezeichnet. „Das verschärft noch die Lage der betroffenen Frauen, die meist ohnehin schon in einer prekären Lage sind, weil sie nun außerhalb des Landkreises Hilfe suchen müssen.“

Schwangere verdienen Schutz vor Ächtung

Die AfD, selbst damals am Entscheidungsprozess zum Gesamtklinikum nicht beteiligt, betont: „Die AfD vertritt eine Willkommenskultur für unsere Kinder.“ Schwangere verdienten grundsätzlichen Schutz vor gesellschaftlicher Ächtung und wirtschaftlicher Not. „Insofern müssen die Voraussetzungen geschaffen werden, soziale Indikationen weitestgehend entbehrlich zu machen“, meint Margot Zedlitz, Vorsitzende der AfD-Fraktion im Kreistag. „Andererseits erscheint es problematisch, institutionell in die Selbstbestimmung einzugreifen, zumal wenn dies durch Unterlaufen der Säkularisation geschieht – also öffentliche Mittel fließen beziehungsweise öffentliche Aufgaben übernommen werden.“

Ursula Helmhold (Grüne) wird deutlich: „Für mich gilt: Wenn das Agaplesion-Krankenhaus Frauen in Notsituationen nicht hilft und auf die Krankenhäuser im Umkreis verweist, sind diese auch bei allen anderen Eingriffen für mich die erste Wahl. Oder kurz: kein Schwangerschaftsabbruch? – dann auch keine Knie-, Hüft- oder sonstige Operation im Agaplesion-Krankenhaus.“

Der Bau des Klinikums Schaumburg wird mit 95 Millionen Euro aus Steuermitteln subventioniert. Nach Eröffnung der Einrichtung werden nach Auskunft von Kreispressesprecher Klaus Heimann keine finanziellen Mittel des Kreises mehr fließen. ssr, jak, vin

Ausnahme Vergewaltigung

Nicht jeder Schwangeren, die künftig nach gesetzlich vorgeschriebener Beratung mit einer sozialen Indikation ins Klinikum Schaumburg nach Vehlen kommt, werde dort der Schwangerschaftsabbruch verweigert. Auf diese Feststellung legt Klinikum-Geschäftsführerin Bettina Geißler-Nielsen wert.

Es gebe „Situationen, in denen die soziale zu einer medizinischen Indikation wird“, bei der der Schwangerschaftsabbruch am Klinikum Schaumburg dann doch durchgeführt wird. Als Beispiel nannte Geißler-Nielsen die Schwangerschaft nach einer Vergewaltigung. Hier und durchaus auch in anderen Härtefällen könne „die psychische Belastung für die Frau, wenn sie das Kind austragen würde, so gravierend sein, dass eine medizinische Indikation festzustellen ist“.

Einen Kriterienkatalog gibt es nicht

Das zu beurteilen, werde laut Geißler-Nielsen im Klinikum Schaumburg jeweils dem behandelnden Arzt obliegen, wobei pflichtmäßig ein zweiter Arzt zur Begutachtung hinzuzuziehen ist. Einen fest zu umreißenden Kriterienkatalog für diese Entscheidung gebe es nicht, so die Geschäftsführerin, es werde sich immer um die individuelle Entscheidung des Arztes in einem Einzelfall handeln.

Geißler-Nielsen bekräftigte freilich, dass „wir Frauen nicht behandeln werden, wenn es sich um eine reine soziale Indikation handelt“. Allerdings würden diese Frauen „nicht einfach weggeschickt“, sondern sie bekämen die Möglichkeit weiterer Beratungen und Hilfen angeboten sowie auch Hinweise, an welche Klinik sie sich bei einer feststehenden Entscheidung für einen Schwangerschaftsabbruch wenden können.   ssr

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