Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Aus dem Landkreis Abtreibung: Ausnahme Schaumburg
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis Abtreibung: Ausnahme Schaumburg
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:35 09.02.2017
Einzelheiten zu dem Kooperationsmodell mit niedergelassenen Ärzten für Abtreibungen nach der Beratungsregelung gibt der Klinik-Betreiber derzeit noch nicht bekannt. Quelle: wk
Landkreis

Ein Novum: Zusätzlich zu der gesetzlich vorgeschriebenen Beratung vor Schwangerschaftsabbrüchen möchte der Klinikum-Betreiber eine begleitende „psychosoziale Betreuung“ anbieten, und diese aus eigenen Mitteln finanzieren, wie Konzernsprecher Tino Drenger auf Anfrage der Schaumburger Nachrichten verrät. Dabei soll es laut Drenger nicht um die Entscheidung für oder gegen eine Abtreibung gehen, vielmehr sei eine zusätzliche „seelsorgerische und psychologische“ Beratung angedacht. Ziel sei, die Frauen bei der Verarbeitung der für sie oft schwierigen Situation zu Unterstützen und „sie nicht alleine zu lassen“.

Abtreibungen nach der Beratungsregelung sollen in einem an dem Klinikum angesiedelten ambulanten Operationszentrum durchgeführt werden. Dabei soll es für die betroffenen Frauen aber keine Unterschiede zu dem derzeitigen Vorfahren geben. Nach der Beratung wird die Abtreibung nach wie vor im Krankenhaus vorgenommen.

Mediziner nicht beim Klinikum angestellt

Vertraglich gibt es aber doch Unterschiede: Die Leistung erbringt nicht das Agaplesion Klinikum Schaumburg selbst, sondern niedergelassene Ärzte. Der Mediziner, der die Abtreibung durchführt, ist demnach nicht bei dem neuen Gesamtklinikum angestellt. „Agaplesion sieht die Verantwortung des Landkreises für die Gesundheitsangebote der Region und wird die Frauen im Landkreis Schaumburg nach ihrer Entscheidung bestmöglich unterstützen“, betont der Konzernsprecher.

Das Klinikum habe seine Unterstützung bei medizinischen Fragen zugesagt, um eine optimale Versorgung der Patientinnen zu gewährleisten. „Denn Respekt gegenüber der Gewissensentscheidung anderer gebietet das Selbstverständnis des Unternehmens, auch wenn es grundsätzlich eine andere Position vertritt“, heißt es von dem Konzern.

Zwei besondere Rahmenbedingungen

Der gefundene Kompromiss stellt nach Worten von Drenger eine Ausnahme in den Häusern von Agaplesion dar. Im Schaumburger Klinikum kämen zwei besondere Rahmenbedingungen zusammen: Zum einen seien vor der Fusion der Krankenhäuser Schwangerschaftsabbrüche nach der Beratungsregelung im Landkreis möglich gewesen. Zum anderen wird das neue Klinikum in Zukunft das einzige Krankenhaus im Landkreis sein.

Wie die Kooperation zwischen Klinikum und dem ambulanten Operationszentrum im Detail aussehen soll und welche Ärzte dort angesiedelt werden, steht nach Angaben von Drenger auch rund zwei Monate vor der geplanten Eröffnung noch nicht endgültig fest. Ein genaues Konzept sei derzeit noch in Arbeit. tbh

Mehr zum Thema

Nach dem Bericht unserer Zeitung hat der breite öffentliche Protest offenbar Wirkung gezeigt. Obwohl der Betreiber des neuen Gesamtklinikums in Schaumburg keine Abtreibung aus sozialer Indikation anbieten möchte, will Landrat Jörg Farr jetzt alle Hebel in Bewegung setzen, um ihn dennoch zu ermöglichen. Die Frage ist noch wie.

16.11.2016
Aus dem Landkreis Keine Abbrüche aufgrund sozialer Indikation - Abtreibungs-Tabu empört die Politik

Hektische Betriebsamkeit hinter den Kulissen der kommunalpolitischen Bühne. „Wir haben das nicht gewusst“, so der breite Tenor unter Kreis- und Stadtpolitikern. Stein des Anstoßes ist, dass am neuen Klinikum Schaumburg keine Abtreibung aufgrund sozialer Indikation angeboten wird. Und das, obwohl solche Schwangerschaftsabbrüche bisher in Rinteln und Stadthagen durchaus möglich waren.

10.11.2016

Nun muss sich die Politik auch offiziell mit dem „Abtreibungs-Tabu“ am neuen Gesamtklinikum auseinandersetzen. Dort dürfen künftig Abtreibungen aufgrund sozialer Indikation nicht mehr durchgeführt werden. Die Kreiskrankenhäuser haben diese bisher durchgeführt. Agaplesion beruft sich bei seiner Ablehnung auf die christliche Ethik.

08.11.2016