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Abtreibungs-Tabu empört die Politik

Keine Abbrüche aufgrund sozialer Indikation Abtreibungs-Tabu empört die Politik

Hektische Betriebsamkeit hinter den Kulissen der kommunalpolitischen Bühne. „Wir haben das nicht gewusst“, so der breite Tenor unter Kreis- und Stadtpolitikern. Stein des Anstoßes ist, dass am neuen Klinikum Schaumburg keine Abtreibung aufgrund sozialer Indikation angeboten wird. Und das, obwohl solche Schwangerschaftsabbrüche bisher in Rinteln und Stadthagen durchaus möglich waren.

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Quelle: dpa

Landkreis. Vor allem die weiblichen Abgeordneten zeigten sich im Gespräch entsetzt über „den katastrophalen Rückschritt“. Jetzt versuchen verschiedene Gruppen offenbar, zu retten, was noch zu retten ist. Die ehemalige Grünen-Landtagsabgeordnete Ursula Helmhold hat bereits eine Onlinepetition gestartet, die in den sozialen Netzwerken geteilt wird.

Doch auch wenn das der Abtreibungspolitik des Klinikums zugrunde liegende Konzept noch nicht druckreif ist, es könnte bereits zu spät sein. Zahlreiche Kreistagsbeschlüsse haben den Weg geebnet zu einem gemeinsamen Gesamtklinikum. Die Kreiskrankenhäuser in Rinteln und Stadthagen, an denen Abtreibung aufgrund sozialer Indikation möglich war, werden nur noch als Auslaufmodelle geführt.
Die entscheidende Frage formuliert der Kreistagsabgeordnete Heinrich Sasse (WGS): „Wer hat hier gepennt?“ Wie könne es sein, dass sich die Kreispolitik erst nach einem Bericht der Zeitung mit der Thematik auseinandersetze?

Kein generelles Abtreibungstabu

Bettina Gleißler-Nielsen, Geschäftsführerin der Agaplesion-Krankenhausprojektgesellschaft, erklärt auf erneute Anfrage, die Thematik sei deutlich komplexer, ein generelles Abtreibungstabu gebe es nicht. „So kategorisch ist es nicht.“ Dennoch: Eine Abtreibung aus rein sozialen Gründen sei schwer vereinbar mit dem Leitbild des evangelisch ausgerichteten Konzerns. Auf die konkrete Frage, ob an allen Standorten so verfahren wird, konnte sie keine Antwort geben.

Fraglich ob der Landkreis informiert wurde

Im Raum steht derzeit der Vorwurf, Agaplesion habe ganz bewusst den Landkreis wenig oder  gar nicht über seine Abtreibungspolitik informiert. Ob und wie die Verwaltung unterrichtet wurde, wird derzeit aus Anlass unserer Presseanfrage in der Verwaltung recherchiert. Ebenfalls muss geklärt werden, ob und wie der Landkreis seine Kreistagsabgeordneten über die Maßgaben informiert hat.
Im Gespräch verweisen Kreissprecher Klaus Heimann und Geißler-Nielsen darauf, dass es ein Konzept gebe, das derzeit noch fortgeschrieben werde. Es lehne sich an den Plan eines Kasseler Klinikums an, wo ebenfalls kommunale Krankenhäuser in den Besitz eines kirchlichen Trägers übergegangen seien.

Die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Schaumburg, Undine Rosenwald-Metz, ist über das Abtreibungstabu ebenfalls empört. „Ich muss eingestehen, dass mir das so fern war, dass ich gar nicht daran gedacht habe, dass das passieren könnte, wenn zwei Kreiskrankenhäuser und ein Diakonisches Haus zusammengehen. Das habe ich nicht für möglich gehalten.“   jak

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