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Ärzte vergessen Krebsdiagnose

Laborbefund bleibt liegen Ärzte vergessen Krebsdiagnose

Weil eine möglicherweise rettende Operation für ihn zu spät kam, hat ein 68-jähriger Schaumburger einen qualvollen Tod erlitten. Zwei Ärzte hatte die Darmkrebserkrankung des Mannes zwar diagnostiziert, ihn aber nicht rechtzeitig über den Befund informiert.

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Quelle: Symbolfoto

Landkreis. Die beiden Mediziner müssen für ihr Verschulden nun ein Schmerzensgeld in Höhe von insgesamt 10 000 Euro zahlen – allerdings nicht an die Hinterbliebenen, sondern an eine gemeinnützige Einrichtung.

Rückblende: Der 68-Jährige, ein kreisweit bekannter Unternehmer, litt seit Jahren an einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung und war deshalb regelmäßig bei Ärzten zur Untersuchung. Im Herbst 2010 unterzog er sich einer Darmspiegelung, bei der sich ein Krebsverdacht ergab. Gewissheit sollte eine Gewebeentnahme bringen.

Die Laboruntersuchung bestätigte die Diagnose – doch der Erkrankte erfuhr davon lange Zeit nichts. Weder der Facharzt noch der in Stadthagen ansässige Hausarzt des Mannes fühlten sich in der Pflicht, dem Patienten das traurige Ergebnis mitzuteilen und so die umgehend notwendige Behandlung in die Wege zu leiten. Ein folgenschweres Versäumnis. Der Betroffene selbst sah offenbar auch keine Veranlassung nachzuhaken, vertraute fest darauf, dass man ihn schon informiert hätte, wenn etwas nicht stimmt.

Ein Jahr später kam er mit starken Bauchschmerzen zunächst ins Stadthäger Krankenhaus und wurde kurz darauf in die Medizinische Hochschule Hannover verlegt, wo ihm der inzwischen stark angewachsene Darmtumor entfernt wurde. Doch die medizinische Hilfe – sie kam zu spät.

„Die nutzlos verstrichene Zeit von einem Jahr hat ihn das Leben gekostet“, ist Dr. Dieter Wissgott überzeugt. Der Fachanwalt für Medizinrecht war von den Angehörigen beauftragt worden, die Erstattung von Beisetzungskosten, Verdienstausfall und Schmerzensgeld einzuklagen.

Um einen möglicherweise jahrelangen Rechtsstreit zu vermeiden und auch in Kenntnis der Vermögenslage der Familie des Unternehmers regte das Landgericht einen ungewöhnlichen Vergleich an: Die beiden Ärzte sollten ein Schmerzensgeld in Höhe von jeweils 5000 Euro nicht etwa an die klagenden Erben zahlen, sondern an ein Kinderkrankenhaus in Hannover. Das tragische Schicksal des verstorbenen Patienten könne damit zumindest „nachträglich noch etwas Positives bewirken“, heißt es in dem richterlichen Beschluss.

„Meine Mandanten hatten zuvor erklärt, dass sie nicht unbedingt Wert auf Geld legen, sondern ein Zeichen setzen wollen, das die Ärzte zum Nachdenken und zu mehr Sorgfalt anhält“, sagt Wissgott. Ein Betrag von 10 000 Euro könne ohnehin kein Menschenleben aufwiegen, habe die Witwe des Verstorbenen mehrfach zum Ausdruck gebracht.

Für den erfahrenen Medizinrechtler Wissgott hat das Landgericht Bückeburg mit diesem Vergleich „einen völlig neuen Weg beschritten“. Denn bislang sei es nur in Strafprozessen üblich gewesen, dass Geldstrafen karitativen Organisationen zugutekommen. In Zivilverfahren, in denen es um Schmerzensgeld- oder Schadensersatzforderungen geht, seien regelmäßig die Geschädigten selbst oder deren Erben die Begünstigten.

Wissgott lobt die „salomonische Entscheidung“ der Richter, die damit generell neue Perspektiven für Schadensersatzansprüche aufgezeigt hätten. Auf diese Weise könne ein mitunter viele Jahre dauernder Ärztepfusch-Prozess vermieden und gleichzeitig Kindern mit ähnlich schweren Schicksalen geholfen werden. mf

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