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Ärzteversorgung wird zum Problem

Zu wenig Hausärzte eröffnen Praxen Ärzteversorgung wird zum Problem

In Stadthagen könnten sich neun Hausärzte niederlassen. Der Versorgungsgrad beträgt nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung 90,3 Prozent und damit knapp über dem Grad der Unterversorgung. Besorgniserregend ist der Zustand dennoch, denn immer weniger junge Ärzte wollen aufs Land.

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Quelle: dpa

Landkreis. Um die Zahlen richtig einordnen zu können, ist wichtig, zu erklären, dass der Landkreis bei der Betrachtung der Hausärztlichen Versorgung von der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) in vier Mittelbereiche eingeteilt ist. Zum Bereich Stadthagen, der sich von Hagenburg bis Obernkirchen zieht, zählen rund 72 600 Bürger, für die 40,5 Ärzte zur Verfügung stehen.

Als Dr. Peter Bügge 1979 seine Praxis in Obernkirchen eröffnete, habe es durch die „Ärzte-Schwemme“ einen „gnadenlosen Konkurrenzkampf“ gegeben. Heute gibt es sogar Bereiche, die bei einer Versorgungsquote von 75 Prozent liegen, wie Detlef Haffke, Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN), erklärt. In diesen Fällen müsse mit aller Macht – und mit finanziellen Anreizen – dafür gesorgt werden, dass sich wieder mehr Hausärzte niederlassen. So gibt es etwa Existenzgründerdarlehen, Zuschüsse oder Umsatzgarantien für die ersten zwei Jahre der Tätigkeit.
Es sei zu wenig getan worden, um der Unterversorgung entgegenzutreten. Jetzt sei es „eigentlich schon zu spät“, glaubt Bügge, der Anfang des Jahres seine Praxis aus Altersgründen aufgegeben hat.

1000 Ärzte gehen in Ruhestand

Auch Haffke erklärt, dass nach Prognosen der KVN in den nächsten zehn Jahren 1000 niedergelassene Ärzte in den Ruhestand gehen werden. Der Altersdurchschnitt sei mit 55 Jahren „sehr hoch“. Haffke gibt zu, besorgt zu sein: „Wenn wir uns die Zulassungszahlen anschauen, schaffen wir das nicht.“ Gegen den Trend hat sich der Mindener Liang Wang im Dezember in Hespe niedergelassen (wir berichteten). Bereits 2015 hat der Allgemeinmediziner Dr. Stefan Pump eine Praxis in Nienstädt eröffnet. Die Samtgemeinde hatte dafür alles in ihrer Macht stehende getan und in die Sanierung der 130 Quadratmeter großen Praxis 110 000 Euro investiert.

Die KVN stehe in enger Absprache mit Gemeinden und Kommunen. Denn es sei oftmals gar nicht das Geld, das den ärztlichen Nachwuchs vom Land fernhalte. „Die erste Frage, die wir von Ärzten bekommen, ist die nach der Kinderbetreuung“, so Haffke. Es gehe um das Vorhandensein von Kitas, Schulen und einer „adäquaten Arbeitswelt“ für den Partner.
Zudem bestehe die nachrückende Ärztegeneration vermehrt aus Frauen und die habe andere Ansprüche, was beispielsweise die Arbeitszeiten angehe. „Viele wollen in Teilzeit arbeiten und dann müssen wir einen Arzt, der in den Ruhestand geht, mit zwei Frauen kompensieren“, beschreibt Haffke die Zukunft.

Während der Trend also Grund zur Besorgnis gibt, ist die Situation in Bückeburg zur Zeit noch gut: Die dortige Quote für den Bereich mit 25 897 potenziellen Patienten liegt bei 110,8 Prozent, ist also leicht überversorgt. 100 Prozent gelten als optimal, alles über 110 Prozent läuft bei der KVN als überversorgt. Eine halbe Stelle im Bereich Nenndorf (32 522 Menschen) ist noch möglich, mit 22,5 Hausärzten liegt die Quote bei 108,9 Prozent. Keine weiteren Ärzte können sich in der Stadt Rinteln bei einer Quote von 111,7 Prozent niederlassen. Für die 25 180 Menschen stehen 17,5 Ärzte zur Verfügung. col

Fachärzte

Bei Fachärzten ist die Versorgungssituation in durchgehend allen Bereichen gut – der Landkreis mit seinen rund 156 000 Einwohnern gilt sogar als überversorgt. „Das heißt, dass sich in Schaumburg aktuell kein zusätzlicher Augenarzt niederlassen darf“, erklärt Haffke die Bedeutung der Zahlen.  
 Mit neun Augenärzten liegt die Versorgungsquote nämlich bei 116 Prozent
- 7,5 Chirurgen; Quote: 186,8 Prozent
- 15,5 Frauenärzte; Quote: 124,8 Prozent
- 6 Hals-, Nasen-, Ohrenärzte; Quote: 125,5 Prozent
- 5 Hautärzte; Quote: 130,8 Prozent
- 5 Kinderärzte; Quote: 145,8 Prozent
- 6 Nervenärzte; Quote: 119,5 Prozent
- 8 Orthopäden; Quote: 130,6 Prozent
- 33 Psychotherapeuten; Quote: 135 Prozent
- 4 Urologen; Quote: 116,9 Prozent

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