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AfD-Kreisvorsitzender Carl im SN-Interview

„Natürlich profitieren wir von der Unzufriedenheit“ AfD-Kreisvorsitzender Carl im SN-Interview

Der Kreisvorsitzende der AfD Nienburg-Schaumburg, Daniel Carl, äußert sich im SN-Interview zur Rolle seiner Partei in der Flüchtlingsdebatte.

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Daniel Carl

Landkreis. Die AfD-Vorsitzende Frauke Petry hat mit ihrer Aussage, im Notfall dürften Grenzpolizisten auf Flüchtlinge schießen, bundesweit für Entsetzen gesorgt. Parteigründer Bernd Lucke, der den Machtkampf mit Petry verloren hatte, bezeichnet den Umgang der AfD mit Flüchtlingen als „inhuman, unmenschlich und nicht zu ertragen“.

Der Politikwissenschaftler Frank Decker hat die AfD als rechtspopulistisch bezeichnet. Sind Sie ein Rechtspopulist?

Ich kann mit den Begriffen rechts und links nicht viel anfangen. Ich glaube, dass die Kategorien heute nicht mehr so zutreffen.

Was sagen Sie zu der Aussage der AfD-Vorsitzenden Frauke Petry, dass Polizisten an der Grenze im Notfall auf Flüchtlinge schießen sollten?

Es gibt eine Gesetzesgrundlage in Deutschland, die den Grenzschutz regelt. Die AfD möchte die Gesetze so befolgen, wie sie sind.

Was ist, wenn eine Frau über die Grenze will und sich nicht stoppen lässt. Soll dann geschossen werden?

Wer mit friedlicher Absicht ins Land kommt, aus welchem Grund auch immer, auf den ist nicht zu schießen.

Auch Björn Höcke hat mit seiner Warnung vor dem „lebensbejahenden afrikanischen Ausbreitungstyp“ für Entrüstung gesorgt. Was sagen Sie zu solch rassistischen Aussagen aus den eigenen Reihen?

Herr Höcke ist nur einer von vielen Landesvorsitzenden der AfD. Dass man Herrn Höcke immer wieder hervorbringt, zeugt davon, dass nicht alle der AfD gut gesonnen sind. Das könnte auch daran liegen, dass die etablierten Parteien angesichts der anstehenden Wahlen Angst um ihre Stühle haben.

Aber AfD-Vize Alexander Gauland hat ihm den Rücken gestärkt. Und auf Sanktionen gegen Höcke hat der Parteivorstand lieber verzichtet.

Das ist Fakt, ja.

Lehnen Sie die Aussage von Herrn Höcke denn ab?

Ich würde eine solche Aussage nicht treffen.

Ist die Aussage ihrer Ansicht nach rassistisch?

Dazu kenne ich sie nicht genug. Man kann sich nicht mit jedem Thema einzeln befassen. Die verschiedenen Vermehrungstheorien sollten für uns jetzt kein Thema sein.

Mittlerweile droht Petry das gleiche Schicksal wie Bernd Lucke. Der rechte Flügel um Höcke und Gauland gibt mittlerweile den Ton an. Bleibt die AfD ihre Partei, auch wenn sie noch weiter nach rechts abdriftet?

Ich kann solche Tendenzen nicht erkennen. Ich denke, dass Herr Höcke die Form manchmal anders wählen könnte. Bei seinen Worten kann ich aber nichts finden. Mit gefällt der Ton nicht immer, aber inhaltlich kann ich nichts Schlimmes daran finden.

Aber nach Luckes Abwahl hat sich der inhaltliche Schwerpunkt doch deutlich verlagert.

Wir haben auch zu den Zeiten von Bernd Lucke Themen angesprochen, die aktuell waren. Damals war es die Eurokrise, heute ist es die Asylkrise. Als politische Partei muss man seine Themen gut wählen. Das gilt auch für den Zeitpunkt, wann man die Themen bringt. Dass die Asylkrise die öffentliche Debatte bestimmt, hat sich die AfD nicht ausgesucht.

Partei-Vize Gauland hat die Flüchtlingskrise als Geschenk für die AfD bezeichnet.

Die Politik macht die Regierung. Die AfD greift nur die Sorgen der Bürger auf. Natürlich profitieren wir davon, dass die Menschen mit der Politik der Regierung nicht zufrieden sind.

Interview: Matthias Berger

Zur Person

Daniel Carl ist in Leipzig geboren und aufgewachsen. Nach seinem Oberschul-Abschluss arbeitete er in der Tischlerei seiner Eltern. 1989 zog Carl nach Hannover und absolvierte ein Fernstudium zum Betriebswirt. Der 47-Jährige arbeitet bei VW als technischer Sachbearbeiter, ist Vater zweier Kinder und lebt mit seiner Partnerin im Auetal. Im Februar 2014 trat Carl in die AfD ein und ist seit März 2015 Vorsitzender des Kreisverbandes Nienburg-Schaumburg.

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