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Akuter Mangel an Pflegepersonal

Landkreis / Soziales Akuter Mangel an Pflegepersonal

Rund 3400 vollstationäre Pflegeplätze werden derzeit im Landkreis Schaumburg angeboten. „Der überregional beklagte Fachkräftemangel in der Pflege ist auch hier spürbar“, sagt Rainer Worbs, stellvertretender Leiter des Sozialamtes des Landkreises Schaumburg.

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Mangelware sind derzeit hierzulande Fachkräfte im Bereich der Altenpflege. © dpa

Landkreis (jpw, ssr). Seit Jahren würden zahlreiche Pflegekräfte aus ostdeutschen Bundesländern beschäftigt. Darüber hinaus sei der von einigen Experten aufgrund der erweiterten Möglichkeiten der Berufsausübung erwartete Zustrom an Pflegekräften aus osteuropäischen Ländern, insbesondere Polen, bisher ausgeblieben. Als Grund führt Worbs an, dass Ausbildungen anerkannt sein müssten, Sprachbarrieren im Umgang mit Pflegebedürftigen und bei der Führung von Pflegedokumentationen hinderten.

„Die Heimpersonalverordnung des Bundes schreibt in Heimen eine Fachkraftquote von 50 Prozent für pflegende und betreuende Tätigkeiten vor“, sagt Worbs und stellt fest, dass diese nicht erreicht werde. Die Heimaufsicht könne unter der Voraussetzung Abweichungen zulassen, dass die Pflege und Betreuung trotz Unterschreiten der Quote gewährleistet sei. Entsprechende Beurteilungen könne die Heimaufsicht nur in Zusammenarbeit mit dem Medizinischen Dienst und den Pflegekassen vornehmen, in der Regel durch Prüfungen vor Ort.

Auch die „Pflegekonferenz“, ein Gremium unter der Leitung des Landkreises mit Pflegekassen, Medizinischem Dienst, Anbietern von ambulanter und teil-/stationärer Pflege widmete sich ebenfalls dem Thema „Fachkräftemangel in der Pflege“. Vor einigen Wochen hat nach Angaben von Worbs eine Fachtagung mit Vertretern der Pflegekassen, der Berufsbildenden Schulen, einer privaten Altenpflegeschule, der Agentur für Arbeit und des Job-Centers stattgefunden. Hierzu seien Heime, ambulante Dienste und sonstige Interessierte eingeladen gewesen. Es sei deutlich geworden, so meinte Worbs, dass sich Heime positiv darstellen müssten, ebenso seien das Image der Altenpflegeausbildung, die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung der Pflegekräfte zu verbessern, ebenso die Zusammenarbeit mit den Schulen.

„Buchstäblich an einer Hand abzuzählen“ seien examinierte Pflegekräfte, die derzeit in Schaumburg einen Job suchen, berichtete Cornelia Kurth, Leiterin der Stadthäger Filiale der Agentur für Arbeit. Die Zahl der gemeldeten offenen Stellen betrage hingegen 45, den realen Bedarf schätzt Kurth aber sogar auf ungefähr 100 gesuchte Fachkräfte ein.

„Ich versuche derzeit verzweifelt, eine examinierte Pflegekraft zu finden“, schildert Volker Flöttmann, Pflegedienstleiter am Alten- und Pflegeheim „Sonnenhof“ in Obernkirchen. Insgesamt seien in diesem Haus aktuell sogar zwei Stellen vakant. Solche Fachkräfte seien aber „derzeit praktisch nicht greifbar“. Die Arbeitnehmer seien in dieser Branche „heutzutage in einer besseren Verhandlungsposition als die Arbeitgeber, die können richtig Bedingungen stellen“, erzählt Flöttmann aus der Praxis. „Wenn das alles so weitergeht“, stöhnt Flöttmann, „dann sehe ich die Altenhilfe in die Katastrophe treiben“.

Es herrsche „ein akuter Mangel“ an qualifiziertem Pflegepersonal, bestätigt auch Heike Tobien, Pflegedienstleiterin am Kreisaltenzentrum in Stadthagen. Derzeit gebe es am Kreisaltenzentrum zwar keine unbesetzte Stelle, aber die Expertin macht sich mit Blick auf die Zukunft schon große Sorgen: „Es ist zu befürchten, dass es immer schwieriger wird, an gute Leute heranzukommen.“

Die Ursache sehen die Praktiker in der geringen Bezahlung, in einem schlechten Image des Berufsfeldes und in ungünstigen Arbeitszeiten.

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