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Als Feen erscheinen, lauscht auch der Lesebär

Landkreis / Lesepaten Als Feen erscheinen, lauscht auch der Lesebär

Die „Arche Noah“ ist eine große Kindertagesstätte, sie ist bunt und bunt geschmückt, die großen Fenster lassen großzügig Licht in die Räume, im eigenen Garten leuchtet einem das frühlingshafte Grün entgegen. Nichts um Vergleich zu dem, was einem schon vor der Eingangstür der Kita entgegenschlägt: vielstimmiges Kinderlachen.

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Als der „Grüffelo“ wirklich vor der kleinen Maus auftaucht, lauschen Pauline (links), Dorothea und Hendrik ganz gebannt dem, was Lesepatin Renate Dienemann vorliest. Im Vordergrund passt auch der „Lesebär“ gut auf. © mld

Bückeburg (mld). „Es ist eine so fröhliche Atmosphäre hier, dass ich hier unbedingt etwas tun wollte“, erzählt die Bückeburgerin Renate Dienemann. Sie ist Lesepatin und kommt einmal in der Woche in die Kita, um vorzulesen. Ehrenamtlich.
„Es ist nicht nur so, dass ich versuche, den Kindern etwas mit auf den Weg zu geben, ich bekomme auch unheimlich viel von den Kindern zurück“, erzählt sie. Wenn sie von den regelmäßigen Vorlesestunden nach Hause zu ihrem Mann komme, brauche der gar nicht mehr fragen, wie es gelaufen sei: „Wie glücklich mich das macht, ist mir einfach im Gesicht anzusehen.“

Auch wenn sie keinen pädagogischen Hintergrund hat – früher war sie Inhaberin eines Geschäftes in Bückeburg –, hat sie sich dazu entschieden, unentgeltlich in der Kindertagesstätte vorzulesen. „Von dem Projekt ,Leselust Schaumburg‘ habe ich aus der Zeitung erfahren und ich wusste: Das ist es, was ich machen will!“, erzählt Dienemann. Inzwischen lesen 65 Schaumburger Lesepaten an 14 Schulen und zwölf Kitas. Das ist auf die Dauer allerdings zu wenig, der Bedarf an freiwilligen Vorlesern ist wesentlich höher.

„Ich will Werbung für das Projekt machen“, bekennt Dienemann, die im Dezember als Lesepatin begonnen hat. Sie habe überhaupt keine Probleme, es in ihren Alltag zu integrieren, die Aufgabe erfülle sie mit Freude.

Jeweils etwa eine Dreiviertelstunde lang ist sie mit drei, maximal vier Kindern, immer am Dienstag, in einem separaten Raum, um ihnen dort vorzulesen und Bilderbücher anzusehen. Zuerst sind die Drei- bis Vierjährigen dran, danach die Fünf- oder Sechsjährigen.

An diesem Dienstag machen den Anfang Pauline, Dorothea und Hendrik, allesamt drei Jahre alt. Um das Eis ein wenig zu brechen, hat Dienemann einen „Assistenten“ mitgebracht, wie sie einen Plüschbär nennt, der auf Knopfdruck auch brummen und Arme und Kopf bewegen kann: der „Lesebär“. „Der öffnet sofort den Zugang zu den Kindern.“

Und so ist es auch heute: Der Bär brummt und öffnet seine Arme, die Kinder bestaunen ihn mit großen Augen, sie fragen: „Wird der jetzt auch was lesen?“ Wird er natürlich nicht, im Gegenteil: Während der folgenden Dreiviertelstunde muss der Bär stumm und unbeweglich bleiben – er soll schließlich, genau wie die Kinder, zuhören und sich aufmerksam die Bilder anschauen.

Drei Bücher sehen sich Dienemann und die drei Kinder in der folgenden Stunde an. In dem ersten kann viel gezählt werden, denn im Zauberwald schwirren Feen in verschiedener Anzahl umher. Das zweite erzählt die Geschichte des „Lesehamsters“, der seinen Artgenossen beibringt, dass Bücher nicht zerkratzt werden sollten, sondern etwas Wertvolles sind.

Und dann die preisgekrönte Geschichte des „Grüffelos“, jenes Wesens, das eine kleine Maus zuerst erfindet, um ihre Feinde abzuschrecken, nur um herauszufinden, dass der „Grüffelo“ wirklich existiert – und sich mit einer List ebenfalls gegen ihn zu behaupten.

Immer wieder lässt Dienemann die Kinder auf etwas zeigen, sich etwas erklären und bleibt geduldig, wenn die Kinder von der Bank auf den Tisch und wieder zurück wechseln oder zeitweise eine Amsel vor dem Fenster spannender finden, als Feen zu zählen.

„Wir sind hier schließlich nicht in der Schule“, erklärt Dienemann, warum es für sie vor allem darum gehe, den Kindern Aufmerksamkeit zu schenken – was einige Kinder von zu Hause gar nicht kennen würden. Sie will die Kinder „mit einbeziehen, bestätigen“, ihnen zeigen, „dass Bücher etwas ganz Tolles und Interessantes sind“.
„Ich habe festgestellt, dass alle Kinder neugierig und wissbegierig sind“, sagt Dienemann. Doch wenn man das nicht fördere, „dann geht uns einfach zu großes Potenzial verloren“.

Den „Lesebären“ hat Dienemann anfangs übrigens immer von zu Hause aus mitgebracht. Inzwischen wohnt er allerdings in der Kita: Die Kinder wollten ihn einfach nicht mehr gehen lassen.

• Lesepaten gesucht: Das Projekt „Leselust Schaumburg“ sucht noch ehrenamtliche Lesepaten. Interesse? Nähere Auskünfte erteilt Janine Marquardt vom „Leselust“-Büro in der Grundschule Am Sonnenbrink in Stadthagen unter (05721) 8 907 553, montags bis freitags von 8 bis 12 Uhr. Infos sind auch per E-Mail an info@leselust-shg.de erhältlich oder auf www.leselust-schaumburg.de zu finden.

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