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Am Verbindenden arbeiten

„Es kann sich nicht jeder seinen Islam backen“ Am Verbindenden arbeiten

Konflikte und Verheißungen des interreligiösen Dialogs sind das Thema einer Tagung des Theologischen Forums der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers gewesen.

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Ayman A. Mazyek (rechts) liest und diskutiert im Kloster Loccum – hier mit dem Vorsitzenden des Theologischen Forums, Oberkirchenrat Helmut Aßmann, der ihn eingeladen hat. 

Quelle: ade

LOCCUM. Als Gast und zu einer öffentlichen Lesung im Kloster Loccum hat die Landeskirche sich den Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Ayman A. Mazyek, eingeladen. Er stellte sein im Mai erschienenes Buch „Was machen Muslime an Weihnachten“ vor.

Missverständnisse, Unwissenheit und Begrifflichkeiten – sie sind es, die Mazyek an diesem Abend in erster Linie umtreiben. Er wirbt für den Islam, für seine Religion und will sich dagegen wehren, dass sie in der öffentlichen Wahrnehmung der westlichen Welt von Tag zu Tag mehr mit Terrorismus gleichgesetzt wird. „Islamismus“ – gegen dieses Wort wehrt er sich. Mit diesem Begriff werde die Religion missbraucht. Dabei würden sich das, was als Islamismus bezeichnet werde, und der Islam selbst doch gegenseitig ausschließen. Da müsse doch differenziert werden anhand der Taten selbst.

Missbrauch des Wortes

Verbrecher, Mörder, Gewalttäter seien die Menschen, die von sich sagten, dass sie islamischen Glaubens seien und aus diesem Glauben heraus Anschläge verübten. Der Islam hingegen schließe das doch aus: niemand könne gleichzeitig Muslim und ein Verbrecher solcher Art sein. Und weshalb werde dann dennoch von Politik, Medien und anderen an diesem Begriff festgehalten? Islamisten. Keiner bezeichne schließlich den norwegischen Attentäter Breivig als christlichen Terroristen und fanatischen Evangelikalen werde nicht das Etikett „Christismus“ aufgeklebt. Mit dem Abschnitt in seinem Buch zu diesem Thema, sagt Mazyek, habe er anstoßen wollen, dass die Betroffenen – also die Muslime – sehr unglücklich mit diesem Begriff seien.

Auch die Fatwa wird auf Frage eines Zuhörers zum Gegenstand der Diskussion. Fatwa – was habe der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime denn dazu zu sagen? Zu solch einer Fatwa – etwa wie dem Todesurteil, das Ayatollah Khomeini einst gegen den Schriftsteller Salman Rushdie aussprach? Fatwa, erklärt Mazyek, bedeute nicht, ein Todesurteil auszusprechen, sondern sei eine Rechtsauskunft, die von einer politischen Autorität ausgesprochen werde. Jene Fatwa gegen Rushdie sei wohl in der damaligen politischen Krise im Iran zu verorten. Womöglich habe Khomeini damit die lahmende Revolution im Land noch einmal befeuern wollen. Das heißt Mazyek nicht gut, verweist aber auch darauf, dass eine Fatwa immer nur dann ausgesprochen werden könne, wenn ein Vers des Koran mehrfache Deutungen zulasse. Die überwiegende Anzahl der Verse – unter ihnen auch das Verhältnis der Muslime zu Gewalt – sei unverrückbar. „Es kann sich nicht jeder seinen eigenen Islam backen.“

Verbinden, nicht trennen

Und inwieweit der Islam in der westlichen Welt angekommen sei, will ein anderer Zuhörer wissen. Die Entwicklung des europäischen Islam sei längst im Gange, ist sich Mazyek sicher und sagt: „Wir wollen das Verbindende, nicht das Trennende zeigen.“

Das ist auch einer der Gründe, weshalb Mazyek sein Buch geschrieben hat – am Verbindenden arbeiten, aufklären über den Islam und mit Vorurteilen aufräumen. Was Muslime nun tatsächlich an Weihnachten machen, lässt er jedoch offen – da gebe es keine einheitliche Antwort.

Das Buch „Was machen Muslime an Weihnachten“ vom Ayman A. Mazyek ist im Verlag C. Bertelsmann erschienen und kostet 16,99 Euro. Von Beate Ney-Janssen

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