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Anatomie eines Einsatzes

Wie kommt es zu Wartezeiten? Anatomie eines Einsatzes

Nach dem anonymen Aufschrei von DRK- und Leitstellenmitarbeitern ist der Landkreis Schaumburg um Transparenz bemüht. Das passiert bei einem Einsatz im Detail:

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Ein 52-jähriger Motorrollerfahrer ist vergangene Woche an der Autobahnauffahrt auf einen Lkw aufgefahren und hat sich dabei schwer verletzt.

Quelle: Foto: la

Landkreis. Ein schwerer Motorradunfall am vergangenen Mittwoch goss zusätzlich Wasser auf die Mühlen jener, die zu lange Einsatzzeiten geißelten. 20 Minuten habe es gedauert, bis das erste Rettungsmittel bei einem schweren Motorradunfall in Rehren bei der Autobahnauffahrt eintraf, berichteten Zeugen.

 In 95 Prozent der Fälle sollen Rettungsmittel die Hilfsfrist von 15 Minuten einhalten, so sieht es das Gesetz vor. Im Landkreis Schaumburg konnte diese Zeit 2015 in 96,27 Prozent der Fälle eingehalten werden. Eine Recherche ergab, dass das im Vergleich zu anderen Landkreisen ein guter Wert ist (siehe Kasten).

 Der Sprecher des Landkreises, Klaus Heimann, und die zuständige Kreisverwaltungsdirektorin Andrea Stüdemann nahmen sich die Zeit, um mit unserer Zeitung den Einsatz und die getroffenen Entscheidungen im Detail zu erörtern.

 Die Minuten nach dem Unfall

 Um 9.29 Uhr ging der erste Anruf zu dem Unfall in Rehren bei der Integrierten Rettungsleitstelle in Stadthagen ein. Ein Kradfahrer sei bei der Autobahnauffahrt in Rehren auf ein Auto aufgefahren. Der Motorradfahrer sei vermutlich nur leicht verletzt, stehe unter Schock, sei aber ansprechbar.

 Die Situation in der Rettungsleitstelle

 Die Mitarbeiter der Rettungsleitstelle haben ständig im Blick, wo sich die Rettungswagen befinden. Beide Rettungswagen (RTW) aus Rinteln waren gerade im Einsatz. Der RTW Auetal war zwar frei, allerdings gerade auf dem Rückweg von einem Krankentransport nach Bad Oeynhausen. Er befand sich auf der A2 in Höhe Porta Westfalica. Ein weiterer RTW befand sich in der Rettungswache in Bückeburg. „Von Bückeburg aus hätte er aber genauso lange gebraucht wie der Auetaler Rettungswagen von der A2 aus“, erklärt Heimann.

 Der Einsatz wird an den Rettungswagen übergeben

 Daher habe die Rettungsleitstelle um 9.32 Uhr – alle Vorgänge werden sekundengenau im System gespeichert – den Einsatz an den RTW Auetal gegeben. „In so einem Fall haben die Sanitäter drei Minuten Zeit, um den Einsatz anzunehmen, sonst bekommt die Leitstelle eine Nachricht“, erklärt Stüdemann. Wäre der Rettungswagen beispielsweise im Stau gestanden oder hätte aus anderen Gründen den Einsatz nicht zeitnah anfahren können, hätte er ihn abgelehnt. Das war nicht der Fall. Mit Blaulicht fuhr der Rettungswagen also auf der A2 Richtung Rehren.

 

 

 

 Die Situation verschärft sich

 Um 9.44 Uhr, noch bevor die Sanitäter an der Unfallstelle angekommen sind, erreicht die Leitstelle ein weiterer Anruf eines Zeugen. Der beschrieb die Verletzungen als gravierender als beim ersten Anruf. Aufgrund der neuen Informationen schickte die Leitstelle noch vor Eintreffen der Sanitäter den Rettungshubschrauber „Christoph4“ zum Unfallort.

 

 

 

 Der erste Rettungswagen trifft am Unfallort ein

Um 9.49 Uhr – 17 Minuten nach der Alarmierung – trifft der Auetaler Rettungswagen in Rehren ein. Die Sanitäter leiten sofort die notwendigen Schritte ein. Um 10.18 Uhr – 34 Minuten nach dem zweiten Anruf – trifft der Helikopter ein und transportiert den Patienten nach Hannover.

 

 

 

 So lange Anfahrtzeiten sind nicht normal

 Es sei unvermeidbar, dass manche Einsätze längere Anfahrten haben. Die Leitstellendisponenten beurteilten ständig die Lage und alarmierten dementsprechend nach. Im Durchschnitt lag die „Ausrückzeit“ von Rettungswagen im Landkreis Schaumburg vergangenes Jahr nach Angaben Heimanns unter zwei Minuten. Die Anfahrtzeit betrug im Durchschnitt fünfeinhalb Minuten. Von Alarmierung bis zum Eintreffen der Einsatzkräfte vergingen durchschnittlich siebeneinhalb Minuten.  jak

 

Im Vergleich steht Schaumburg gut da

Zahlen sind wertlos, wenn man sie nicht einordnen kann. Ist es gut, wenn 96,27 Prozent der Einsätze in 15 Minuten oder weniger absolviert werden? Leider sammelt das Land Niedersachsen keine entsprechenden Daten und konnte daher nicht über einen Durchschnitt informieren.

 Unsere Zeitung fragte daher in den benachbarten Landkreisen Lippe, Diepholz, Nienburg und Hameln-Pyrmont selbst nach. Diepholz und Nienburg konnten 2015 die gesetzlichen Vorgaben zur Hilfsfrist (Mindestens 95 Prozent) nicht einhalten und müssen derzeit nachjustieren. In Diepholz konnten 2015 nur knapp 92 Prozent der Einsätze fristgerecht erreicht werden. In Nienburg waren es von April 2015 bis März 2016 lediglich 91,34 Prozent. Auch dort wird derzeit nachjustiert.

 Die aktuellsten Zahlen, die der Landkreis Hameln-Pyrmont veröffentlichen kann, sind aus dem Jahr 2013. Damals hielt man die Hilfsfrist in 98,87 Prozent ein. Allerdings ist die Situation im Landkreis Hameln-Pyrmont wegen der vergleichsweise großen Stadt Hameln anders zu bewerten, betonte die dortige Verwaltung. In Hameln selbst habe man kurze Wege, in der Fläche –wie auch in Schaumburg – seien die Fahrtzeiten eben länger. jak

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