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Angst vor Anstieg häuslicher Gewalt

Schaumburg Angst vor Anstieg häuslicher Gewalt

Bei einem Runden Tisch haben sich am Mittwoch Vertreter der Justiz, Polizei, Beratungsstellen und des Jugenddienstes mit „Häuslicher Gewalt im Migrationskontext“ befasst. Ein Thema, das nach den Worten der Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises „an Aktualität nicht zu überbieten ist“.

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Tanja Kovacevic (von rechts) hat den Runden Tisch gegen häusliche Gewalt auf Einladung von Undine Rosenwald-Metz, Colette-Christin Thiemann und Gabriele Dransfeld in Fragen zur Gewalt gegen Flüchtlingsfrauen und Migrantinnen beraten.

Quelle: ber

Landkreis. „Als vor zwölf Jahren der Runde Tisch ins Leben gerufen wurde, haben wir gedacht, dass die Zahl der Frauen, die Schutz vor ihren Männern suchen, sinken wird. Das ist mitnichten der Fall“, betonte Undine Rosenwald-Metz. Dabei gebe es Fälle, die buchstäblich sprachlos machen. „Vielfach sind es Frauen aus dem arabischen Raum, die Hilfe suchen. Dabei gilt es zunächst, kulturelle und sprachliche Barrieren zu überwinden.“

Rat erhielten die Partner des Netzwerkes gegen häusliche Gewalt von SUANA-Mitarbeiterin Tanja Kovacevic. Die Beratungsstelle für von Männergewalt betroffenen Migrantinnen mit Sitz in Hannover-Linden ist ins Leben gerufen worden, nachdem Mitte der neunziger Jahre die Fälle von Rat suchenden Flüchtlingsfrauen und Migrantinnen mit Gewalterfahrung zugenommen hatten.

Genau das befürchten auch die Verantwortlichen in Schaumburg angesichts der großen Zahl an Flüchtlingen, die in den Landkreis kommen. „Ich garantiere, dass wir in Zukunft noch größere Probleme bekommen werden“, prognostizierte Staatsanwalt Timo Goldmann.

Auch Kovacevic bestätigte, dass die Wohnsituation in Flüchtlingsheimen die Gefahr von häuslicher Gewalt erhöhe. Stephan Hartmann von der Abreiterwohlfahrt versicherte, dass die Sozialarbeiter die Situation in den Übergangswohnungen derzeit gut im Griff hätten. Aber „wenn wir die Menschen auf engstem Raum unterbringen müssen, wird es verstärkt zu Konflikten kommen“, erklärte Hartmann auch mit Blick auf die ehemalige Prince Rupert School in Rinteln, die künftig 600 Menschen beherbergen soll.

Dabei erschweren nach den Worten von Kovacevic unterschiedliche Faktoren die Hilfe der betroffenen Frauen. Ein Problem sei die finanzielle und – im Falle von Flüchtlingsfrauen – aufenthaltsrechtliche Abhängigkeit vom Mann. „Das Familienasyl wird meist von den Männern beantragt, die nur eigene Fluchtgründe geltend machen. Bei der Trennung kann es dann sein, dass das Aufenthaltsrecht der Frau aufgehoben wird. Das nutzen einige Männer als Druckmittel“, berichtete Kovacevic.

Der enge Familienverbund im Zusammenspiel mit der Ausgrenzung durch die Mehrheitsgesellschaft führe zudem dazu, dass Frauen sich vor einer Anzeige scheuen – aus Angst, ihren einzigen sozialen Kontakt, die Familie, auch noch zu verlieren.

Kovacevic warb dafür, möglichst frühzeitig auf Hilfsangebote aufmerksam zu machen, zum Beispiel durch mehrsprachige Flyer, die im Bürgeramt, der Ausländerbehörde oder in Frauentreffs verteilt werden. Dabei gelte es, auch den Männern klar zu machen, „dass wir nicht dafür da sind, kulturbedingte Ungleichheiten zu bejahen“. ber

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