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Angst vor wirtschaftlicher Talfahrt

Bio oder nicht Bio? Angst vor wirtschaftlicher Talfahrt

Biohöfe sind kein Trend, den es erst seit Kurzem gibt: „Diese Art der Bewirtschaftung gibt es bereits seit 30 Jahren“, sagt Schaumburgs Kreislandwirt Dieter Wilharm-Lohmann im SN-Gespräch. In Schaumburg zögern Landwirte, diesen Trend mitzumachen – vor allem aus wirtschaftlichen Gründen.

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Die Landwirte in Bückeburg sind sich einig: Der Schritt zu einem Bio-Betrieb muss wohl überdacht sein.

Quelle: mak

LANDKREIS. „Der Bereich Schaumburg ist ein schwarzes Loch im biologischen Sinne“, sagt Werner Dehne, der in Petzen mit seiner Frau Silke sowie seiner Tochter Mirka Alder und deren Ehemann ein landwirtschaftliches Anwesen betreibt. Auch wenn er selbst in ökologischen Kreisläufen wirtschaftet, kann er es trotzdem verstehen, dass es im Landkreis bisher nur wenige Bio-Bauern gibt. Er selbst hat seinen Betrieb vor 15 Jahren umgestellt und weiß: „Alleine der Prozess, bis sich die Nährstoffe im Boden umgestellt haben, dauert gut zehn Jahre.“

Geduld ist gefragt

Für die Umstellung ist also viel Geduld gefragt. Doch die größte Rolle spielen wirtschaftliche Aspekte, sind sich Dehnes Kollegen Friedrich Meyer und Christian Beste aus Scheie sowie der Meinser Wilharm-Lohmann einig. „Gut subventioniert wird die Umstellung die ersten zwei Jahre, doch was kommt dann?“ fragt Dehne. Viele Landwirte gehen dieses Risiko nicht ein, da sie Angst haben vor einer wirtschaftlichen Talfahrt.

„Der Schritt zu einem Bio-Betrieb muss wohl überdacht sein“, sagt Beste. Er ist konventioneller Landwirt, eine Umstellung kommt für ihn momentan nicht infrage. „Ich scheue mich, das wirtschaftliche Risiko einzugehen. Die Umstellung kostet Geld und so, wie es jetzt läuft, kenne ich es“, erklärt der Landwirt. Sein Kollege Friedrich Meyer ergänzt: „Viele Betriebe hier in der Region leben von der Viehhaltung. Auch die Stallungen müssten nach Bio-Vorgaben angepasst werden.“ Auch das kostet wiederum Geld, das kein Landwirt „mal eben so in der Portokasse hat“, so Wilharm-Lohmann.

Nicht vor der eigenen Haustür

Hinzu kommt, dass biologische Viehhaltung bedeutet, beispielsweise Kühe draußen auf einer Weide zu halten. Aufgrund der geografischen Lage in den meisten Orten Schaumburgs ist das aber nicht möglich, da zwar jeder gerne gesund leben möchte, aber die Konsequenzen der Weidehaltung nicht vor der eigenen Haustür haben möchte, empört sich Meyer.

Probleme machen Ökobauern außerdem Pilz- sowie Unkrautbefall: „Wenn es stark regnet, sprießt das Unkraut, auch Pilze können sich bilden“, weiß Beste. Wer ökologisch wirtschaftet, darf jedoch seine Felder nicht spritzen. Nur eine von vielen Regelungen, die von Bio-Bauern erfüllt werden müssen. Da kann mit viel Pech eine ganze Ernte „draufgehen“, was sich ein Landwirt nicht leisten kann, der für die Umstellung seines Hofes einen Kredit bei der Bank abbezahlen muss. Doch gegen Kraut- und Knollenfäule müssen vor allem die Kartoffelbauern vorgehen, sonst sieht es mit der Ernte mau aus. „Landwirte müssen von ihrer Arbeit leben können“, betont Thomas Wille, Referent für Öffentlichkeitsarbeit beim Landvolk Niedersachsen, Bauernverband Weserbergland.

Viele Betriebe wechseln wieder zurück

„Es gibt in diesem Bereich viel weniger Planungssicherheit“, sagt Dehne. Wohl aus diesem Grund ist im vergangenen Jahr lediglich ein Bio-Betrieb im Landkreis hinzugekommen. Das ist einer Auskunft des Kompetenzzentrums Ökolandbau Niedersachsen GmbH zu entnehmen. Stattdessen treten viele Landwirte, die vor ein paar Jahren den Schritt in Richtung Bio gewagt hatten, wieder den Rückzug in Richtung konventioneller Landwirtschaft an. Einer Studie des Focus zufolge gab es 2011 in Deutschland 1061 Biobetriebe mehr als im Vorjahr. Allein im Jahr 2009 haben 930 Betriebe der Bewegung den Rücken gekehrt.

Gespritzt wird nicht aus „Jux und Dollerei“

„Würde es eine Planungssicherheit geben, ein Programm, dass den Betrieb eines Biohofes für 50 Jahre absichert, würden bestimmt viel mehr Landwirte ihren Betrieb umwandeln“, sagt Beste. Sein Kollege Meyer glaubt jedoch nicht daran, „schließlich hat die Chemie-Lobby einfach zu viel Macht“. Er möchte in diesem Zusammenhang betonen, dass konventionelle Landwirte, die öfters als die Bösen dargestellt würden, nicht aus „Jux und Dollerei“ ihre Felder spritzen. „Das machen wir nur, wenn es wirklich notwendig ist, um die Umwelt nicht zu sehr zu belasten.“ Zumal bei jedem Vorgang zur Schädlingsbekämpfung locker 8000 Euro für eine Behandlung fällig werden können, wie Beste ergänzt. Diese Behandlung sorgt jedoch dafür, dass kommende Ernten und somit auch der Verdienst der Landwirte sichergestellt werden kann. mak

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