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Auf Augenhöhe mit der Hochspannungsleitung

Landkreis / Sichtungsflug Auf Augenhöhe mit der Hochspannungsleitung

Es ist Millimeterarbeit, die Pilot Uwe Seelbach mit seinem 1,5 Millionen Euro teuren Hubschrauber verrichtet. Sekundenlang hält er den Heli in 39 Meter Höhe und nur vier Meter entfernt von der 110 Kilovolt starken Hochspannungsleitung. Im Innern sitzen drei Experten von Westfalen Weser Energie (WWE), ehemals e.on Westfalen Weser. Sie inspizieren die Masten und Leitungen auf mögliche Schäden.

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Beim Kontrollflug durch die Kreisstadt fallen den Experten von WWE Bauarbeiten an einer Gasleitung auf Höhe des Georgschachtes auf. Die Mitarbeiter veranlassen, dass sie Arbeiter am Erdboden umgehend über die Gefahren der Hochspannungsleitungen unterrichtet werden. 

Quelle: vin

Von Verena Insinger

Landkreis.   Diese Kontrollflüge sind sowohl für Seelbach als auch für die Beobachter sehr anstrengend. Alle sind hochkonzentriert.

Einmal im Jahr überprüft ein Team des kommunalen Unternehmens sein insgesamt 900 Kilometer langes Hochspannungsfreileitungsnetz in den Kreisen Schaumburg, Minden-Lübbecke und Herford. Anfang der Woche waren sie mit dem Hubschrauber Typ AS 350 Ecureuil B, auch Eichhörnchen genannt, in Schaumburg unterwegs. Los ging es vom Flugplatz in Vennebeck (Porta Westfalica) über Rinteln nach Stadthagen. Allein durch den Landkreis verlaufen 197 Kilometer Leitungen.

In luftiger Höhe werden nicht nur die bis zu 40 Meter hohen Masten auf mögliche Vogelnester und Korrosionsschäden überprüft, sondern auch Seile, Isolatoren und Armaturen. Vorne links und hinten rechts haben zwei Mitarbeiter des heimischen Netzbetreibers Platz genommen. In der Mitte sitzt der Protokollant. Er notiert alle Beobachtungen.

Mit etwa zwölf Stundenkilometer fliegt das „Eichhörnchen“ die Hochspannungsleitungen entlang des Georgschachtes ab. Hans-Jürgen Ohms, zuständig für die Organisation und Durchführung der Kontrollflüge, bittet Seelbach, den Hubschrauber auf Höhe des Mastes zu halten. 40 Meter unter den Rotorblättern verlegt eine Firma Gasrohre. Ohms zückt sein Handy und notiert die Nummer des Mastes. Dank einer speziellen Handy-App und GPS-Signalen sieht der Experte exakt, wo sich der Helikopter gerade befindet.

Weist der Mast denn Schäden auf? „Nein, aber eine Kollegin unserer Niederlassung in Stadthagen soll die Arbeiter unten informieren, dass sie mit ihrem Leiterwagen aufpassen müssen, dass sie nicht zu nah an die Hochspannungsleitungen kommen.“ Diese Vorsichtsmaßnahme hat einen aktuellen Anlass: Erst vor zwei Wochen hat sich im ostwestfälischen Bad Wünnenberg ein teilweise aufgefahrener Autokran in den beiden unteren Leitungen verfangen. Sofort gerieten die Reifen in Brand. Der Kranführer konnte sich durch einen Sprung aus dem Führerhaus retten.

„Allzu häufig gehen solche Unfälle aber auch ganz anders aus“, weiß Ohms. Deswegen sollten die Arbeiter am Boden umgehend über die Gefahren einer Hochspannungsleitung unterrichtet werden.

Es geht weiter. Seelbach steuert das „Eichhörnchen“ die Leitungen entlang. „Du kannst Gas geben“, ruft Ohms dem Piloten zu. Auf diesem Abschnitt sehen Mast und Leitung gut aus. Auch Bäume und Büsche in der näheren Umgebung haben genug Abstand.

Ein Sichtflug dauert nicht länger als drei Stunden pro Tag. Ansonsten würde es zu anstrengend für die Crew. Das ist auch der Grund dafür, dass die jährlichen Kontrollen insgesamt etwas drei Monate dauern. „Die Befliegung des Netzes ist kostengünstig und effektiver als eine Begehung und Kletterkontrolle“, erläutert Dieter Vollmer, WWE-Pressesprecher. Außerdem müssten dafür keine Leitungen abgeklemmt werden.

Der Netzbetreiber will mit diesen Kontrollflügen und den daraus resultierenden Instandhaltungsarbeiten die „hohe Betriebssicherheit der Freileitungsnetze“ garantieren. In den vergangenen Jahren zahn Jahren hat e.on Westfalen Weser nach Angaben Vollmers etwa 500 Millionen Euro in seine Energienetze und -anlagen investiert. Im Zuge der Rekommunalisierung wurden 48 Kommunen aus der Region Gesellschafter der neu gegründeten WWE.

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