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Aus dem Landkreis Auf Schlagzeilen folgt Ausschluss
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis Auf Schlagzeilen folgt Ausschluss
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00:18 02.10.2017
Quelle: dpa
LANDKREIS

Diese Bereitschaft sollte beim sogenannten Großschadensfall – also in einer Situation mit zahlreichen Verletzten – die notwendige medizinische Kompetenz bereitstellen. Unter anderem sollten fünf Ärzte, eine feste Anzahl Rettungssanitäter und Rettungsassistenten vorgehalten werden. Dafür bekam der Kreisverband vom Landkreis Geld. Doch Seidel – der damals Kreisbereitschaftsleiter war – machte öffentlich, dass diese Bereitschaft teilweise nur auf dem Papier existierte.

 Von den fünf Ärzten stand real kein einziger zur Verfügung. Auch bei den anderen medizinischen Fachkräften fehlten laut Seidel zahlreiche weitere, einer soll sogar bereits verstorben gewesen sein. Aus einem der Redaktion vorliegenden Mailverkehr zwischen dem Kreisverband und dem DRK-Rettungsdienst geht hervor, dass der Kreisverband bereits deutlich im Verzug beim Bereitstellen der Liste war. Konfrontiert mit Seidels Enthüllungen und den Recherchen dieser Zeitung, stritt DRK-Präsident Bernd Koller zu guter Letzt ab, dass es sich bei der vorliegenden Liste überhaupt um eine Liste des Einsatzzuges handle.

DRK-interne Ermittlung

 Dennoch wurde das bereits an den Kreisverband gezahlte Geld zunächst ruhend gestellt und eine DRK-interne Ermittlung gestartet. Ein erstes Ergebnis könnte bei der Jahreshauptversammlung vorgestellt werden. Außerdem untersucht der Landkreis die Vorwürfe. Und die Staatsanwaltschaft Bückeburg hat strafrechtliche Ermittlungen wegen Betrugs aufgenommen (wir berichteten). Ein erstes Ergebnis könnte Anfang Oktober feststehen, so ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Gegen Seidel wurden im weiteren Verlauf nicht nur eine einstweilige Verfügung und ein Ordnungswidrigkeitsverfahren wegen Verstoßes gegen das Datenschutzgesetz angestrengt. Er soll jetzt auch aus der Bereitschaft ausgeschlossen werden.

 Ihm wird „Schädigung des Roten Kreuzes in der Öffentlichkeit“, „Verstoß gegen die Schweigepflicht“ und „Verbreitung von Unwahrheiten zum Nachteil für das Deutsche Rote Kreuz“ vorgeworfen. Das sollen die Bereitschaftsleiter in einer Sitzung am 28. August einstimmig beschlossen haben. Seidel kann dagegen Einspruch einlegen. jak