Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Auf die Details kommt es an

Gutachten von Gewaltopfern Auf die Details kommt es an

Opfer häuslicher Gewalt sehen ihren Hausarzt oftmals als erste Anlaufstelle an. Ist dieser im Thema Gewaltmedizin nicht ausreichend geschult oder lässt sich das Opfer zu spät untersuchen, um eine Gewalttat nachzuweisen, ist dessen Gutachten im Ernstfall vor Gericht nur schwer verwertbar.

Voriger Artikel
Schaumburg auf der Expo in Mailand
Nächster Artikel
Leichte Verbesserung

Oberärztin Tanja Germerott erklärt beim Großen runden Tisch der Arbeitsgemeinschaft BISS die Arbeitsweise des Netzwerkes „Pro Beweis“.

Quelle: mak

Landkreis.  Aus diesem Grund hat das Institut für Rechtsmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover zur Unterstützung das Netzwerk „Pro Beweis“ ins Leben gerufen. Wie das Netzwerk arbeitet, stellte Dr. med. Tanja Germerott anlässlich des Großen runden Tischs der Arbeitsgemeinschaft BISS zum Thema häusliche Gewalt im Kreishaus vor.

 „Niedergelassene Ärzte haben oftmals keine Spezialkenntnisse, ein Gynäkologe hat beispielsweise nicht unbedingt Erfahrung mit dem Thema Vergewaltigung“, erklärte die Vertreterin der Rechtsmedizin. Ein standardisiertes Vorgehen sei so nicht möglich.

 In Fällen von Gewalt, die Frauen angetan wurde, ist nicht nur die allgemeine Feststellung eines Hämatoms wichtig, fuhr die Oberärztin fort. „Welche Farbe hat das Hämatom und an welcher Stelle des Körpers befindet es sich?“ Ist es gelblich umrandet, ist die Verletzung älter und nicht aktuell zugefügt worden, bei einem rotbläulichen Fleck sieht es anders aus. „Befindet sich der Fleck an der Oberarminnenseite, ist das zum Beispiel ein Beweis für ein festes gewaltsames Zupacken am Arm“, erklärte die Rechtsmedizinerin.

 Um eine möglichst detaillierte Feststellung von Verletzungen zu gewährleisten, bietet das Netzwerk betroffenen Frauen selbst genaue Untersuchungen nach einem bestimmten Standard an. Diese können sofort erfolgen, auch wenn die betroffene Frau vorerst keine Anzeige erstattet, wie die Expertin betont.

 Mit zwei Standorten, in Hannover und in Oldenburg, gestaltet sich eine flächendeckende Versorgung sehr schwierig. Aus diesem Grund kooperiert das Netzwerk mittlerweile mit mehreren Kliniken in Niedersachsen. Möglich macht das eine finanzielle Förderung durch das Land.

 Schaumburger finden in der MHH ihre nächste Anlaufstelle. Die dortigen Ärzte sind, so wie alle anderen teilnehmenden Kliniken, speziell geschult. „Bevor die Kliniken anfangen, ihre ersten Fälle zu untersuchen, bringen wir ihnen alles bei, was für eine Untersuchung wichtig ist“, betonte die Referentin. Ein spezielles Untersuchungskit, gestellt vom Netzwerk, enthält einen entsprechenden Fragebogen, eine Fotokarte und einen Maßstab für Fotos.

 „Ist sich ein behandelnder Mitarbeiter doch mal unsicher, kann er in einem Praxisleitfaden alles, was er wissen muss, nachschlagen“, so Germerott. Vergessen werden könne bei einer Untersuchung eigentlich nichts, da der Untersuchungsbogen selbst wie ein Leitfaden aufgebaut ist. mak

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Unternehmen quer durch alle Branchen haben sich auch in diesem Jahr wieder an der Aktion der Lions Clubs beteiligt, deren Erlös auch der „Weihnachtshilfe“ der Schaumburger Nachrichten zugute kommt. Hier finden Sie ab dem 1. Dezember die täglich aktuellen Gewinnnummern. mehr

In Ruhe einkaufen, erholsam Urlaub machen, in die Stadtgeschichte eintauchen oder einfach mal in einem der vielen Restaurants und Kneipen die Seele baumeln lassen. Lernen Sie Stadthagen von einer ganz anderen Seite und auf ganz besondere Weise kennen. mehr

Schaumburg