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Aus dem Landkreis Aufnahmestopps in Praxen
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis Aufnahmestopps in Praxen
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00:25 25.04.2018
LANDKREIS

„Tut mir leid, wir nehmen keine neuen Patienten auf.“ Diese Aussage hören im Landkreis immer mehr Patienten, wenn sie beim Arzt anrufen oder schniefend in der Praxis stehen. Verwundern kann die Situation indes nicht, ist doch seit Langem bekannt, dass im sogenannten „Planbereich Stadthagen“ laut der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) bereits ein Bedarf von zehn Hausärzten besteht. Wobei das Wort „Bedarf“ ein Euphemismus für Mangel darstellt.

Bereits jetzt behandeln viele Hausärzte mehr Patienten, als für die sie letztlich bezahlt werden. Wie Detlef Haffke, Sprecher der KVN, erklärt, müssen Ärzte mit einer vollen Stelle laut Bundesmantelvertrag 20 Stunden an Sprechzeiten anbieten. „Tatsächlich haben aktuelle Umfragen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung ergeben, dass Ärzte im Durchschnitt 54 Wochenstunden machen.“ Und das, obwohl die Mediziner einer Budgetierung unterliegen – also letztlich gar nicht für jeden behandelten Patienten bezahlt werden.

Aus der Not hinaus hat ein Allgemeinmediziner aus Obernkirchen Patienten, die er nicht mehr annehmen konnte, die Telefonnummer der KVN in die Hand gedrückt, sie sollte doch bitte ihre Beschwerde wegen des Aufnahmestopps doch an die Verantwortlichen dort richten. Wenige Tage vorher hatte der Arzt nämlich ein Schreiben der KVN erhalten, die ihn darauf aufmerksam machte, dass er mehr Personen behandelt habe, als vorgesehen.

Die Regierung will gegensteuern: Im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD ist festgeschrieben, dass Ärzte ihr Mindestsprechstundenangebot von 20 auf 25 Stunden pro Woche ausweiten sollen. Außerdem sollen Ärzte in „wirtschaftlich schwachen und unterversorgten ländlichen Räumen“ über „regionale Zuschläge“ eine besondere Unterstützung erhalten.

Als „unterversorgt“ gilt der Planbereich, zu dem Stadthagen, die Samtgemeinden Sachsenhagen, Niedernwöhren, Nienstädt und Lindhorst sowie die Stadt Obernkirchen und das Auetal gehören, jedoch nicht. col