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Ausversehen abgeschossen

Landkreis / Gänse Ausversehen abgeschossen

Die neuen Regeln zur Gänsejagd stoßen bei Thomas Brandt, Mitglied des Naturschutzbundes (Nabu) und wissenschaftlicher Leiter der Ökologischen Schutzstation Steinhuder Meer (ÖSSM), auf großen Zuspruch. Allein in der Steinhuder Meer Region überwintern jährlich Tausende wilde Gänse, die ständig Gefahr laufen, vom Himmel geschossen zu werden.

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Weite Reise: Blässgänse brüten in Nordsibirien und legen mehr als 6000 Kilometer zurück, um an das Steinhuder Meer zu kommen, wo sie meist im Oktober eintreffen.

Quelle: Werner Glawe

Landkreis.   Der Nabu Niedersachsen begrüßt die Bestrebungen des Landwirtschaftsministers Christian Meyer (Grüne), die Gänsejagd in Niedersachsen einzuschränken. Nach Ansicht der Naturschützer sei die Jagd auf Zugvögel nicht mehr zeitgemäß. Im vergangenen Jahr seien 15.000 Wildgänse von Jägern erlegt worden. Meyer hatte angekündigt, dass ab 2014 eine ganzjährige Schonzeit für bestimmte Gänsearten gelten soll. Zur Minderung landwirtschaftlicher Schäden sei die Jagd sowieso wirkungslos. Trotdem beauftragen immer wieder Landwirte einen Jäger, um die Gänse von ihrem Acker zu vertreiben.

 Brandt differenziert: Die Jagd auf Graugänse sei akzeptabel. Ihr Bestand sei groß und daher nicht gefährdet. Etwa 1000 Graugänse brüten in der Meer-Region. Seit ein paar Jahren dürfen zudem auch die nicht heimischen Nilgänse gejagt werden erklärt Brandt. Die ÖSSM unterstütze dies, da es möglich sei, dass die vergleichswiese aggressiven Nilgänse heimische Vogelarten verdrängten. Das Problem sieht er dagegen bei Zugvögeln, die hier rasten und überwintern. Zum Beispiel Bläss- und Saatgänse, die den Graugänsen teilweise zum Verwechseln ähnlich sehen und dann fälschlicherweise der Flinte zum Opfer fallen. Ihre Population ist sowieso schon stark gefährdet. Dadurch, dass ständig auf Wildgänse geschossen wird, werden die Tiere auch zunehmend scheuer, meint Brandt. Viele kommen aus Russland oder Nordsibirien und haben Tausende von Kilometern hinter sich. Dementsprechend „hibbelig“ seien sie sowieso schon. Die ständigen Schüsse verstärkten diese Scheu noch. Wie soll man den Spaziergängern vermitteln, auf die Tiere Rücksicht zu nehmen, wenn andere diese einfach „abballern“?, fragt Brandt.

 Im Wildschutzgebiet am Steinhuder Meer darf generell nicht gejagt werden, die Gänse fliegen aber auch mal 20 Kilometer raus aus dieser Zone. Auch im Rest Schaumburgs komme es daher vor, dass Landwirte einen Jäger beauftragten. Brandt bezieht sich dabei auf fünf, in der Vergangenheit dokumentierten, Fälle: In keinem Einzigen habe sich herausgestellt, dass tatsächlich ein Fraßschaden vorlag. Die Schüsse fielen also völlig umsonst.

 Kreislandwirt Cord Lattwesen zufolge ist das Thema Gänsejagd für Schaumburger Landwirte aber gar „kein Kriegsschauplatz“. Größere Probleme bereiteten Wildschäden. Auch Hermann Platte, Vorsitzender der Kreisjägerschaft, erlebt derzeit keine Aufregung unter den Jägern. Auf Landesebene dagegen übt die Jagdlobby großen Druck auf den Landwirtschaftsminister aus, um eine Einschränkung ihres Hobbys zu vereiteln, heißt es in einer Pressemitteilung des Nabu Niedersachsen. kil

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