Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 10 ° Regenschauer

Navigation:
„Bauernregeln“ gegen Bauern

Ärger über Hendricks-Kampagne „Bauernregeln“ gegen Bauern

Die Landwirte in Schaumburg fühlen sich an den Pranger gestellt – mal wieder. „Einen Dialog führt man nicht mit solchen Sprüchen“, sagt zum Beispiel Cord Meier, Landwirt aus Bückeburg zu der Kampagne für eine umweltverträgliche Landwirtschaft der Bundesumweltministerin Barbara Hendricks.

Voriger Artikel
Das Kräftemessen beginnt
Nächster Artikel
Depression als zugkräftiges Thema

Cord Meier ärgert, wie die Politik mit den Landwirten umgeht.

Quelle: rg

Landkreis. „Man fühlt sich nicht mehr wertgeschätzt“, findet der 41-Jährige, dessen Familie schon seit Jahrhunderten einen landwirtschaftlichen Betrieb führt. „Die allgemeine Diffamierung ist schon fast Standard“, ärgert sich auch Kreislandwirt Cord Lattwesen.

Vorwürfe statt Lösungen

Wut erzeuge bei den Bauern vor allem die Art, mit der auf Schwierigkeiten, die es nach Worten von Meier natürlich auch gibt, aufmerksam gemacht werde. „Es gibt sicherlich Probleme, die man angehen muss, aber nicht auf so einem Niveau.“ Das schüre nur Vorwürfe, statt zu einer Lösung zu führen. Die Landwirte streiten nicht ab, dass es zum Beispiel Gebiete mit zu hohem Nitratgehalt gibt, wie Meier einräumt. Und auch an der fachgerechten Umsetzung von Umwelt- und Tierschutzmaßnahmen müsse zum Teil noch gearbeitet werden. Doch das sei kein Grund, pauschal verurteilt zu werden.

"Fadenscheinige" Wahlkampfparolen

Ziemlich erbost haben sich Schaumburger Landwirte laut Achim Pohl, Kreisvorsitzender des Landvolkes Weserbergland, auch bei einer Regionalversammlung Anfang der Woche darüber gezeigt, „dass solche Wahlkampfparolen auf dem Rücken der Landwirte geäußert werden“. Slogans wie „Wenn alles bleibt, so wie es ist, kräht bald kein Hahn mehr auf dem Mist“ sind laut Pohl und seinen Kollegen „fadenscheinig“. Zumal die Politik die sich mit der 1,7 Millionen Euro teuren Kampagne für den Hahn auf dem Mist ausspricht, die Misthaufen längst abgeschafft habe. „Hätte man das Geld nicht in einen Dialog investieren können, statt in eine Provokation“, fragt der Kreislandwirt. Es scheine „in Mode gekommen zu sein, einmal im Monat auf die Landwirtschaft zu hauen“, so Lattwesen. In Gesprächen mit seinen Kollegen sei vermehrt Resignation zu spüren. „Das ist für viele eine psychische Belastung“, weiß er. „Wir haben es satt, in der Öffentlichkeit so angegriffen zu werden.“

Keine Möglichkeit zur Stellungnahme

Dass die Schilder mit den „Bauernregeln“ in bundesweit 70 Städten aufgestellt werden sollen, zeigt aus Sicht von Meier, dass die Politik versucht, die Meinung über die Landwirtschaft in eine bestimmte Richtung zu lenken. Zumal es bei solchen Aktionen zum einen für die Landwirte keine Möglichkeit gebe Stellung zu nehmen, da die Betriebe meist in den ländlichen Regionen angesiedelt seien.

Aus Sicht von Ernst Meier, der den Betrieb an seinen Sohn übergeben hat, ist das Hauptproblem, dass es kaum noch Bauern gibt. Eine Vielfalt auf den Feldern wie vor 50 Jahren sei kaum möglich, zumal immer weniger Landwirte immer größere Flächen bewirtschaften müssten. Sein Sohn Cord sieht auch für die Zukunft keine rosigen Aussichten. Wenn er Kinder hätte, würde er ihnen bei der momentanen Lage nicht unbedingt empfehlen, in seine Fußstapfen zu treten.

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Online suchen, Angebot finden, einkaufen gehen: Das steckt in Kurzform hinter „Kauf hier – lokal & digital“. Eine Auswahl aktueller und preislich besonders attraktiver Produkte finden Interessierte stets auf unserer Homepage... mehr

Schaumburg