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Begraben unter Bäumen

Landkreis / Ruheforst Begraben unter Bäumen

Es ist der Sonnabend vor dem Totensonntag, dem letzten Sonntag vor dem ersten Advent. Auf der Harrl-Seite der B83 bei Luhden hat sich ein Dutzend Menschen eingefunden, um sich Gräber der etwas anderen Art anzuschauen.

Landkreis (ab). Geführt werden sie an diesem Tag von Arndt Kaschel. Er arbeitet für „Ruhe-Forst Schaumburger Land“, ursprünglich hatte er Förster gelernt.

 Der „Ruhe-Forst“ im Harrl stößt auf viel Interesse. Immer mehr Menschen entscheiden sich für eine Grabstätte an einem „Ruhe-Biotop“. Gemeint ist damit ein Baum, um den herum zwölf Urnen bestattet werden. Die grobe Regel lautet: Je älter und höherwertig der Baum und je schöner seine Umgebung, desto teurer kommt das „Ruhe-Biotop“ (von 511,70 Euro aufwärts). Farbige Bänder markieren die „Ruhe-Biotope“, an den Bäumen hängen sonst nur eine Plakette mit einer Ziffer und eine kleine, schwarze Alu-Tafel, auf die in Weiß die Namen der Verstorbenen eingraviert sind. „Das Prinzip besteht darin, die Natur diese Stätten gestalten zu lassen“, erklärt Arndt Kaschel. Die Anlage im Harrl ist eine von etwa 50, die das Unternehmen „Ruhe-Forst“ inzwischen in Deutschland angelegt hat. Die Zentrale sitzt in Hilchenbach in Nordrhein-Westfalen. Der Wald im Harrl gehört der Fürstlichen Hofkammer, die in Sachen Ruhe-Forst als Franchise-Nehmerin auftritt.

 Kaschel findet den richtigen Ton an diesem diesigen Novembertag, drückt nicht auf die Tränendrüse, verfängt sich aber auch nicht im Manager-Deutsch. „Auf zehn Hektar haben wir inzwischen 658 Bäume der etwa 1500 Bäume als ‚Ruhe-Biotope‘ ausgewiesen“, erklärt er. Die Urnen, die aus biologisch abbaubarem Material bestehen müssen, werden etwa 80 Zentimeter tief in die Walderde versenkt, etwa zwei Meter vom Baumstamm entfernt. Mitten im Wegenetz findet sich eine Andachtsstätte mit Holzkreuz und Sitzbänken.

 Das Gelände, auf dem der „Ruhe-Forst“ liegt, zählt zu einem Landschaftsschutzgebiet. „Zu 80 Prozent besteht der Wald aus Rotbuchen, dazu kommen Eichen, Lärchen und Eschen“, sagt Arndt Kaschel. Im Schnitt sind die Bäume 135 Jahre alt. Bewirtschaftet wird der Wald nicht mehr. Die Totenruhe wird eigentlich nur dann für ein paar Minuten gestört, wenn Motorsägen Bäumen oder Ästen zu Leibe rücken, die eine Gefahr darstellen. „Das verlangt die Verkehrssicherungspflicht“, erklärt Kaschel. Nach etwa einer Dreiviertelstunde ist die Führung beendet, es bleibt Zeit für Fragen. Auf dem Heimweg werden die Teilnehmer viel zum Nachdenken haben.

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