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„Beim Erntefest ist die Kirche mit dabei“

SN-Interview „Beim Erntefest ist die Kirche mit dabei“

Seit Juni ist Christian Frehrking Präsident des Landeskirchenamtes der schaumburg-lippischen Landeskirche in Bückeburg. In den SN spricht der 43-jährige Familienvater über das Verhältnis zu seinem umstrittenen Vorgänger Sebastian Geisler und über Kirchenvorsteher, die vom Trecker aus anrufen.

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Christian Frehrking.

Quelle: jcp

Landkreis. Und über die Selbstverständlichkeit, mit der der Landesbischof am Kommers des Schützenfestes teilnimmt.

Herr Frehrking, kannten Sie den Landkreis Schaumburg, bevor Sie hier das Amt des Landeskirchenamtspräsidenten übernommen haben?

Natürlich, schließlich ist die hiesige Landeskirche ein Teil der VELKD (Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirchen Deutschlands) und der EKD. Ich bin bei Synoden gewesen und auch schon mal im Landeskirchenamt. Außerdem hatte ich Kontakt zu Landesbischof Karl-Hinrich Manzke. Landschaftlich entdecke ich immer neue Ecken, gerade wenn die A2 gesperrt ist. Besonders schön finde ich die Wendthäger Bergkette im Abend-Sonnenschein. Malerisch liegt auch die Gemeinde in Bergkirchen, von wo aus man sowohl zum Steinhuder Meer wie auch ins Schaumburger Land blicken kann.

Wie unterscheidet sich die Arbeit im hiesigen Landeskirchenamt von der bei der VELKD in Hannover?

Sie ist sehr viel näher an den Menschen und an den Gemeinden, und es kommen sehr viel handfestere Fragen, die es in höherer Geschwindigkeit zu lösen gilt. Man schreibt keine Vorlagen, die in irgendwelchen Prozessen enden, sondern es kommen ganz konkrete Dinge. Beispielsweise: Wie kann ich ein Erbpachtrecht auf einem Gewerbegrundstück einrichten? Solche Fragen hatte ich bisher nicht. Ich habe mich eher mit Fragen des Pfarrdienstrechts beschäftigt und damit, wie kirchlicher Finanzausgleich aussieht. Hier geht es wesentlich pragmatischer zu, man fragt sich gemeinsam, was wollen wir erreichen und wie?

Sie haben Ihre Aufgabe im Juni übernommen. Wie lautet Ihre erste Bilanz?

Das Landeskirchenamt in Bückeburg ist wesentlich kleiner als vergleichbare Verwaltungseinheiten in anderen Landeskirchen. So kommt mehr bei den Gemeinden an. Resultat ist eine gute Ausstattung mit Pastorinnen und Pastoren. Wir haben hier rund 1500 Gemeindeglieder auf eine volle Pfarrstelle. Das ist paradiesisch. In Hannover sind es 2500, in Oldenburg sogar 3000. Auch die Gebäude sind sehr gut ausgestattet.

"Da würde ich sofort einziehen"

Es gibt kaum Kirchen, die nicht schon mal saniert wurden. Das neueste Pfarrhaus in Großenheidorn stammt aus dem Jahr 2014. Als ich davorstand, dachte ich, wenn das zu vermieten wäre, würde ich da sofort einziehen. Darüber hinaus ist Kirche im Leben der Menschen hier ein weit integralerer Bestandteil als im hannoverschen Raum. Wenn irgendetwas stattfindet, ist klar, Kirche ist dabei. Da kann ich mich noch ein bisschen verstärken, so vielen Einladungen konnte ich bisher noch nicht folgen.

Ist das eine Schaumburger Besonderheit oder einfach der Unterschied zwischen Stadt und Land?

Ich glaube, in Stadthagen und Bückeburg ist das schon eine Besonderheit. Der Landesbischof hat mir berichtet, wenn in Bückeburg Kommers des Schützenfestes ist, dann ist er selbstverständlich auch eingeladen. Und er geht dann da auch hin, das ist eben auch wichtig, dieses Wechselseitige. Zu meiner Einführung sind eben auch der Landrat und die Bürgermeister eingeladen, und viele melden sich dann auch an. Wenn ein Erntefest ist, ist die Kirche da mit bei, und umgekehrt kommen auch die Vereine, wenn die Kirche ein Fest veranstaltet.

Ist das etwas Gutes?

Ich finde das toll. Wir reden viel von Säkularisierung, aber hier spielt Kirche vor dem Hintergrund schwindender Gemeindeglieder weiterhin eine wichtige Rolle. Wir sind hier eine Größe, ein Sozialpartner. Es gibt Gemeinden, die haben nur einen kirchlichen Kindergarten. Kirche ist integraler Bestandteil, wenn es darum geht, ein gutes Leben in die Orte zu bringen.

Was war bisher Ihre größte Herausforderung?

Aufgrund der Vakanz im Präsidentenamt ist einiges liegengeblieben. Das ist die derzeit größte Herausforderung, dieses Liegengebliebene so abzuarbeiten, dass man es zügig taktet, aber sich eben auch nicht überhebt. Zum Beispiel wird seit Jahren darüber geredet, Jahresgespräche für alle Mitarbeiter anzubieten. Für die Pastorinnen und Pastoren sind die schon eingeführt. Jetzt geht es um die Mitarbeiter zum Beispiel der Kitas, und im Landeskirchenrat haben wir nun beschlossen, dass es diese Gespräche ab 2017 für alle geben soll.

Und was macht Ihnen bisher besonders viel Spaß?

Dass ich eine super Bürosituation vorgefunden habe im neuen Landeskirchenamt. Bisher hatte ich ein Zwölf-Quadratmeter-Büro, jetzt habe ich 30. Toll finde ich auch die Arbeitsatmosphäre mit offenen Bürotüren bis hin zum Landesbischof. Es ist vieles genau so, wie man es in der Kirche eigentlich nicht vermutet. Auch der enge Kontakt wäre zu erwähnen. Neulich rief mich ein Kirchenvorsteher von seinem Trecker beim Eggen aus an und meinte, er habe da noch mal Fragen zum Pachtvertrag.

"Frustration kommt unmittelbar an"

Diese Unmittelbarkeit macht es aus, dass man sofort sieht, welche Auswirkungen der Rat oder die Genehmigung aus dem Landeskirchenamt hat. Im Umkehrschluss heißt das natürlich, wenn es nicht so läuft, kommt die Frustration auch unmittelbar an.

Haben Sie schon alle Kirchengemeinden gesehen?

Von außen schon. Ich bin sogar bis nach Frille gefahren, was ja relativ weit außen ist. In Winzlar war ich auch schon. Was ich noch nicht gesehen habe, ist das Gemeindehaus in Engern. Gesprochen habe ich noch nicht mit allen, aber mit vielen.

Werden Sie auch manchmal auf Ihren Vorgänger angesprochen?

Natürlich, aber ich blende das aus, weil ich den Vorgänger im Amt ja auch kenne. Die Geschichten, die da waren, sind passé, und man hat jetzt eine gute Lösung gefunden. Es besteht kein unmittelbarer Kontakt, und das ist glaube ich auch gut so. Wenn es in so einem kleinen Team wie dem Landeskirchenamt mit 15 Mitarbeitern auf der Leitungsebene nicht stimmt, wenn da Leitung gegen Mitarbeiter steht, dann kann das nicht funktionieren. Wenn ich das merken würde, würde ich anders als mein Vorgänger agieren und zügiger eine einvernehmliche Lösung finden.

Was steht jetzt an konkreten Aufgaben an?

Da wäre zum einen das Gemeindehaus Arche in Heuerßen zu nennen, das unter energetischen Gesichtspunkten eine Katastrophe ist. Außerdem steht der Kirchturm in Meinsen auf dem Programm. Dort wurden vor 25 Jahren schadhafte Steine eingebaut, sodass wir ihn jetzt für 670000 Euro sanieren müssen. Dafür müssen Landeskirche, Kirchengemeinde und vielleicht ein dritter Träger kooperieren. Das wird kompliziert. Eigentlich wäre der Turm 2017 dran, aber wahrscheinlich wird es erst 2018 was.

Werden Sie nach Schaumburg ziehen?

Ich habe der Synode deutlich gesagt, dass meine familiäre Situation das derzeit nicht hergibt, wir leben in einem Mehrgenerationenhaus. Auch mein Amt als rechtskundiger Konventual im Kloster Loccum setzt derzeit noch die Mitgliedschaft in der hannoverschen Landeskirche voraus. Ich glaube aus tiefstem Herz, man sollte dort Gemeindeglied sein, wo man auch seinen Lebensmittelpunkt hat. Meine Kinder sind drei und sechs Jahre alt, die sind natürlich im Kindergottesdienst, in den sie gehen, auch zu Hause.

"Lebensmittelpunkt ist entscheidend"

Ich selber gehe schon zu dem einen oder anderen Gottesdienst in Schaumburg-Lippe, aber entscheidend für das Glaubensleben ist der Lebensmittelpunkt. Man sollte sich den kirchlichen Ort aussuchen, der für die eigene Spiritualität und die Inhalte des Familienlebens auch der richtige ist. Hier leben ja auch Menschen in Stadthagen, die sich aber in Vehlen zur Kirchengemeinde zählen.

 

Interview: Jan-Christoph Prüfer

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