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Beobachtungen eines Randständigen

Jagdtagebuch Beobachtungen eines Randständigen

„Ich habe im Februar meinem Bruder Wolrad gesagt, dass es für das Haus besser gewesen wäre, damals schon zurückzutreten und mir die Leitung zu übertragen." Diese Zeilen schrieb Heinrich, der Jüngste der am Ende des Zweiten Weltkrieges noch lebenden Bückeburger Prinzen zu Schaumburg-Lippe, 1945 in sein Jagdtagebuch.

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Heinrich zu Schaumburg-Lippes Aufzeichnungen liegen als Buch vor.

Quelle: pr

Landkreis. Wolrad zu Schaumburg-Lippe, der damalige Chef des Hauses, habe „sich aus einer Mischung von Ängstlichkeit und Opportunismus für die Partei eingesetzt“. Die Verluste für das Haus seien „unter seiner Leitung als Pg. bestimmt größer als unter der Meinigen“.

Das zitierte Jagdtagebuch ist von Heinrichs Enkel Alexander vom Hofe jetzt transkribiert, gestrafft und im MatrixMedia Verlag von Heinrich von Hannover in Göttingen herausgegeben worden. Vom Hofe hatte vor rund zehn Jahren nach jahrelangen Recherchen zu den Vermögensverhältnissen der Schaumburg-Lippes und Erbauseinandersetzungen das Buch „Vier Prinzen zu Schaumburg-Lippe und das parallele Unrechtssystem“ im Selbstverlag herausgegeben.

Bei der Kritik war der Jurist mit seinem reich dokumentierten Material durchgerauscht. Die FAZ bescheinigte ihm eine Reihe von Spekulationen und Verschwörungstheorien. Trotzdem lenkte das Blatt die Aufmerksamkeit auf die Zugangssperren, die der Autor vom Hofe in Bezug auf wichtige Privatarchive und familienbezogene Bestände auferlegt bekam.

Auch das Jagdtagebuch sollte zunächst im Hausarchiv landen. Der Verfasser habe diese Anweisung aber wegen des „tiefen Mißtrauens“ gegenüber der Hofkammer und Wolrad später mit dem Rotstift durchgestrichen.

So bekommt die Öffentlichkeit jetzt unter dem Titel „Wiedergutmachung muss sein“ Einblicke in das ambivalente Verhältnis der Brüder, aber auch in viele Details im von englischen Truppen besetzten Bückeburg. Heinrich versuchte dort, für seinen im Schloss Hagenburg festgesetzten Bruder Wolrad – mit dem Hinweis auf dessen Nazi-Verstrickung – das Haus Schaumburg-Lippe zu übernehmen und sich damit auch bei den Alliierten durchzusetzen.

So deutlich ist dieser Anspruch nirgends dokumentiert gewesen. Bisher galt der vierte und jüngste der vier Brüder, der bis zu seinem Tod im Schloss Bückeburg lebte, eher als randständig innerhalb der Familie. Alexander vom Hofe wird am Mittwoch, 15. Juni, ab 19.30 Uhr, im Bad Eilser Palais im Park lesen.  jpw

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