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Beschuldigter Polizist kommt aus Schaumburg

Misshandlung von Flüchtlingen in Hannover Beschuldigter Polizist kommt aus Schaumburg

Bei dem Polizeibeamten, der im Verdacht steht, Flüchtlinge in einer Gewahrsamszelle schwer misshandelt zu haben, handelt es sich nach Informationen der Schaumburger Nachrichten um einen Familienvater aus dem Landkreis Schaumburg.

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Das Bild zeigt den beschuldigten Schaumburger im Einsatz. 

Quelle: cap

Von Verena Insinger und Jörn Kießler. Im Internet präsentiert sich der 39-Jährige als leidenschaftlicher Angler. Er posiert auf Fotos mit Hanteln beim Krafttraining, in Polizeiuniform und beim Angelurlaub mit einem großen Dorsch in der Hand. In regelmäßigen Abständen stellt der Polizist, gegen den die Staatsanwaltschaft derzeit wegen des Verdachts der Körperverletzung im Amt ermittelt, Fotos von sich in martialischen Posen ins Internet. Einige zeigen den 39-Jährigen grimmig blickend in Uniform, das Funkgerät am Revers seiner schusssicheren Weste. Auf einem anderen Bild lässt er sich mit dem Einsatzhelm der Bundespolizei ablichten und versieht den Eintrag mit dem Verweis #swat. Die Abkürzung steht für die Spezialeinheiten der Polizei in den USA.
Nach SN-Informationen war der Bundespolizist mindestens einmal bei der Nazi-Demo in Bad Nenndorf im Einsatz.

Die Taten, wegen derer den Schaumburger zwei Personen bei der Staatsanwaltschaft anzeigten, sind aber alles andere als heroisch. Der Polizist soll im vergangenen Jahr in mindestens zwei Fällen Flüchtlinge misshandelt haben, die sich in Gewahrsam der Bundespolizei am Hauptbahnhof befanden. Zudem wird ihm illegaler Waffenbesitz vorgeworfen. Die Liste der Vergehen, die ihm zur Last gelegt werden, wird stetig länger. Außer dem Vorwurf, der am Montag bekannt wurde, der Beamte habe seine entsicherte Dienstwaffe einem Kollegen an die Schläfe gehalten, gibt es noch weitere Verdachtsmomente: „Die Anzeige, die bei uns gestellt wurde, ist sehr umfangreich“, sagte Oberstaatsanwalt Thomas Klinge. Sämtliche darin enthaltenen Punkte wollte er jedoch nicht nennen. „Es gibt auch Verdachtsfälle, die dienstrechtliche, jedoch keine strafrechtliche Relevanz haben“, so Klinge. Zudem müsse die Staatsanwaltschaft zunächst alle Anschuldigungen genau prüfen. Noch gestern sollten die beiden Zeugen vernommen werden.

Als wesentlich schwieriger stellt sich die Befragung der beiden Flüchtlinge dar, die von dem Beamten misshandelt und erniedrigt worden sein sollen. „Von beiden war uns eine Anschrift bekannt, wo sie sich in Deutschland aufhalten sollen“, sagte Klinge. Jedoch habe man weder den 19 Jahre alten Marokkaner noch den gleichaltrigen Afghanen dort angetroffen.
Erstmals äußerte sich die Bundespolizei zu den Vorwürfen gegen ihren Mitarbeiter. Polizeipräsident Dieter Romann war gestern nach Hannover gereist, um sich ein Bild von der Dienststelle am Hauptbahnhof zu machen. „Sollten sich die zum Teil erheblichen Vorwürfe, die Gegenstand strafrechtlicher Ermittlungen sind, auch nur ansatzweise bestätigen, wird die Bundespolizei mit aller Konsequenz gegen den oder die Beamten vorgehen“, sagte Romann.

Ob es sich nur um ein einzelnes Fehlverhalten handelt oder auch Kollegen von den Übergriffen auf die Flüchtlinge wussten oder sogar beteiligt waren, muss die Staatsanwaltschaft klären.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière zeigte sich besorgt über die Vorkommnisse in Niedersachsen. Die Deutschen hätten sehr großes Vertrauen in ihre Polizei. Er hoffe, dass dies „durch den Fall in Hannover nicht unterminiert“ werde, sagte der Minister gestern in Berlin beim Jahreskongress des Verbandes deutscher Lokalzeitungen.

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