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Betrugsvorwürfe gegen DRK

Kreisverband soll Geld erschlichen haben Betrugsvorwürfe gegen DRK

Der DRK-Kreisverband erhält Geld, um eine Bereitschaft für Großschadensereignisse zu stellen. Ehemalige Führungskräfte behaupten nun: Die Bereitschaft habe es nicht gegeben. Der Kreisverband habe mit gefälschten Listen Geld erschlichen. DRK-Präsident Bernd Koller weist die Vorwürfe zurück.

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Ehemalige Führungskräfte des DRK-Kreisverbandes erheben schwere Vorwürfe gegen den Kreisverband.

Quelle: Symbolbild dpa

Landkreis. Um 1.22 Uhr verkündete Koller Anfang Januar vor Mitgliedern den sofortigen Rücktritt von Kreisbereitschaftsleiter Otto Seidel und dem stellvertretenden Zugführer des Einsatzzuges Sönke Fischer. Begründung: Sie könnten die Verantwortung für den Einsatzzug nicht länger übernehmen. Es gebe nicht genug Ehrenamtliche, die im Ernstfall ausrücken könnten. Besagter Ernstfall wäre ein Großschadensereignis mit dutzenden Verletzten, vielleicht Toten.

Mehrere ehemalige Führungsmitglieder des DRK-Kreisverbandes behaupten nun: Das konnte gar nicht funktionieren. Der Kreisverband habe nicht genügend Ärzte und Rettungssanitäter in seiner Bereitschaft. Trotzdem habe der Kreisverband einen Vertrag unterschrieben, laut dem er im Ernstfall genau diese beisteuern sollte.
Geschlossen wurde der Vertrag zwischen dem DRK-Rettungsdienst und DRK-Kreisverband. Das klingt zunächst nach einer internen Angelegenheit. Es geht dabei jedoch um viel Steuergeld beziehungsweise Krankenkassenbeiträge.

Neben dem ehemaligen Kreisbereitschaftsleiter Otto Seidel (Bild) erhebt auch der ehemalige Kreisverbandsarzt Friedhelm Henze schwere Vorwürfe.
Seidel erklärt, der DRK-Rettungsdienst habe vom Landkreis Schaumburg den Auftrag erhalten, für ein Großschadensereignis vorzusorgen. Dafür fließen pauschal 75.200 Euro im Jahr. Um diesen Auftrag zu erfüllen, dürfe der Rettungsdienst sich auch Dritter bedienen. Für den Transport und die Patientenablage bei einem Massenanfall von Verletzten (MANV) schloss Bernd Gerberding, der Geschäftsführer des DRK-Rettungsdienstes, einen Vertrag mit dem DRK-Kreisverband. Die beiden DRK-Organisationen sind nominell unabhängig, haben aber vielfältige Verflechtungen.

Der ehemalige Kreisbereitschaftsleiter Otto Seidel behauptet nun, der Vertrag sei hinter seinem Rücken geschlossen worden. „Ich habe oft davor gewarnt, zu unterschreiben“, sagt Seidel.
Sein Kreisverband habe absichtlich mit gefälschten Listen gearbeitet. Um seine Behauptung zu unterstreichen, legt Seidel eine interne Liste des DRK vor. Auf ihr stehen 148 Namen. Es ist die am 9. November 2016 vom DRK-Kreisverband an den DRK-Rettungsdienst übermittelte Liste der Einsatzzug-Mitglieder.

Ärzte und Rettunssaniäter stehen nicht zur Verfügung

Hinter 27 der 148 Namen hat Seidel ein kleines blaues Kreuz gesetzt: Das sind die Namen derer, die nicht mehr im DRK sind, weil sie ausgetreten oder gestorben sind.
Besonders prekär: Fünf Ärzte befinden sich auf der Liste. Sie alle stehen laut Seidel nicht zur Verfügung, ebenso wie 15 der aufgezählten Rettungssanitäter.
Die vertraglich vereinbarten Leistungen würden vom Kreisverband deutlich unterschritten. Hohe Vertragssummen seien ohne Gegenleistung kassiert worden, weil bewusst nicht korrekte Listen an den Vertragspartner gemeldet wurden, sagt Henze. Der Kreisverband habe damit sowohl den DRK-Rettungsdienst als auch den Landkreis hinters Licht geführt.

Bei dem unbefristeten Vertrag geht es um viel Geld. „Und genau deswegen wurden die Verträge unterschrieben“, behauptet Seidel. Er unterstellt den DRK-Verantwortlichen – dem Präsidenten Bernd Koller und dem Geschäftsführer Thomas Hoffmann – zwar keine persönliche Bereicherung. Aber: Mit dem Geld habe der chronisch defizitäre Kreisverband subventioniert werden sollen.
DRK-Präsident Bernd Koller bezeichnet die Vorwürfe als haltlos. Otto Seidel und seine Mitstreiter seien auf einem persönlichen Rachefeldzug. Dass Seidel als Kreisbereitschaftsleiter zurückgetreten sei, habe wohl eher damit zu tun, dass er die erforderlichen Prüfungen nicht abgelegt habe.
Tatsächlich habe es ein Problem mit den Ärzten auf der Liste gegeben, gibt Koller zu. Doch das habe man dem Rettungsdienst schon vor Vertragsabschluss im November 2016 mitgeteilt, der dann Ersatz organisiert habe.

Versorgung zu jeder Zeit sichergestellt

Rettungsdienst-Geschäftsführer Gerberding dagegen sagt, er habe erst im Februar von den fehlenden Ärzten erfahren. Auch auf der vorliegenden Liste sind die fünf Ärzte aufgeführt.
Den schwerwiegendste Vorwurf – gefälschte Listen – stellt Koller komplett in Abrede. Die am 9. November dem Rettungsdienst übermittelte Liste sei nicht die Helferliste für das Großschadensereignis, sondern die Gesamtliste aller Helferinnen und Helfer in den Bereitschaften des Kreisverbandes, so Koller. „Im Übrigen wurde sie von einer hauptamtlichen Mitarbeiterin nach Anweisung von Seidel erstellt.“

Um das zu belegen, verweist er auf eine E-Mail, in der DRK-Geschäftsführer Thomas Hoffmann nach Drängen von Gerberding und mit einer Entschuldigung für die Verspätung, besagte Liste mit 148 Namen gesendet hat.

Gerberding sagt, die Versorgung beim Großschadensereignis sei zu jeder Zeit sichergestellt (siehe Infokasten). Auf seine Vertragspartner müsse er sich verlassen können.
Laut Koller wäre bis zum Februar 2017 allerdings nicht der Einsatzzug, sondern einfach alle aktiven Mitglieder der Kreisbereitschaft für ein Großschadensereignis alarmiert worden.  rnk, gok

„Menschen waren nie in Gefahr“

Bei so fundamentaler Kritik am Roten Kreuz kommt schnell die Sorge auf, hier seien Menschenleben in Gefahr. Doch der Geschäftsführer des DRK-Rettungsdienstes Bernd Gerberding erklärt anschaulich, wieso das nicht der Fall gewesen sei.
Den Vertrag für Großschadensereignisse habe der Landkreis mit dem DRK-Rettungsdienst geschlossen. Erst als Subunternehmer komme der Kreisverband hinzu. Auch wenn dieser zeitweise nicht genügend Einsatzkräfte in der Bereitschaft gehabt hätte – der DRK-Rettungsdienst hätte diese jederzeit gehabt. „Wir haben schon seit Jahren einen sogenannten Hintergrunddienst“, erklärt Gerberding. „Wir haben unsere Aufgabe immer – und ich betone immer! – erfüllt“, so Gerberding mit Nachdruck. Trotz interner Querelen im DRK dürfe nicht der Eindruck entstehen, dass Menschen auf der Straße verbluten. „Wir sind sehr gut aufgestellt“, unterstreicht der Geschäftsführer des DRK-Rettungsdienstes.

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