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Biathlon-Schüsse in der Garage

Walter Ostermeier – ein Leben zwischen Jugendpflege und Leidenschaft für Skilanglauf Biathlon-Schüsse in der Garage

Für die einen ist er der ewige Berufsjugendliche, für die anderen der Pionier des Skirollerlaufs rund um den Bückeberg: Walter Ostermeier war für Jahrzehnte das Gesicht des Landkreises Schaumburg, wenn es um Jugend, Jugendpflege, Jugendhilfe ging. Und als Vorsitzender des Skiclubs Stadthagen hat er dazu beigetragen, dass man selbst in der Zentrale des Deutschen Ski-Verbandes in Planegg südwestlich von München weiß, wo das Schaumburger Land zu finden ist und dass es selbst nördlich des Harzes ambitionierten Leistungssport auf Schnee gibt – wenn er denn mal fällt.

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Alte Wagenräder oder Hirschgeweihe zieren manche Garagenwand. Bei Walter Ostermeier hängen dort auch die ersten Skiroller, mit denen seine Wintersport-Leidenschaft begann.

Quelle: soe

Landkreis. Dabei hatte alles ganz anders begonnen im Leben des heute 70-Jährigen: Nach Schule in Ahnsen und Bückeburg sowie Lehre als Maschinenschlosser in Obernkirchen bei Bornemann erwarb Ostermeier an der Berufsaufbauschule die Fachholschulreife. Doch dann kam der große Schwenk, statt Ingenieur stand nach dem Wehrdienst ab 1967 das Studium der Sozialpädagogik auf der Agenda.

Nach einem Praktikum beim damaligen Landkreis Schaumburg-Lippe hatte er seine berufliche Profession gefunden. Er erinnert sich mit breitem Lächeln an die Zeiten, als er bei landesweiten Konferenzen zu Pflegekindern und Adoption der einzige Mann unter all den Frauen war, die in den anderen Regionen  zwischen Nordsee und Harz tätig waren. Viele erinnern sich der  Inspektionen bei großen Feten oder auf Jahrmärkten, wenn er mit seiner Crew und in Polizei-Begleitung die Einhaltung des Alkoholverbots für Jugendliche unter dem Motto „Brause statt Sause“ akribisch überwachte.

Sportlich begann Ostermeier – wie es im Schaumburger Land dieser Nachkriegsjahre eigentlich kaum anders denkbar war – als Fußballer in Ahnsen. Bei einem Schützenfest in Stadthagen gab es erste Kontakte zum Ski-Club. Eine Wette um 30 Kisten Bier hatte lebenslange Folgen: Nach einjähriger Vorbereitung auf Skirollern stand der inzwischen mit Brigitte, Tochter des damaligen Schaumburg-Lipper Landrates Herbert Saß, verheiratete Jung-Ehemann 1975 zusammen mit drei Vereinskollegen beim legendären Wasalauf über 90 Kilometer im verschneiten Schweden auf den schmalen Langlauflatten, die ihn hernach nicht mehr losließen getreu seinem Motto: „Wenn ich was mache, dann richtig“.

Eine Begegnung mit dem DDR-Weltmeister im 50-Kilometer-Skilanglauf von 1974, Gerhard Grimmer, der sich seinerzeit mit der sowjetischen Elite abseits schneesicherer Regionen auf selbst  entwickelten Skirollern auf die großen Wettkämpfe vorbereitete, faszinierte Ostermeier so sehr, dass er schon im Oktober 1975 den ersten Skiroller-Wettkampf auf dem Bückebuerg organisierte. Dass es dort neben dem historischen Gasthaus Walter inzwischen das jbf-Zentrum des Landkreises gibt, dürfte durch diese Aktivitäten nicht unwesentlich gepuscht worden sein. Zudem stieg die Mitgliederzahl im Stadthäger Ski-Club unter Ostermeiers Ägide von knapp 20 auf das Zehnfache in Hochzeiten und liegt heute bei gut hundert. Schon bald standen Freizeitangebote im Fichtelgebirge oder im Bayrischen Wald im Vereinskalender.

Nach der Kommunalreform blickte der damalige Oberkreisdirektor Hans-Heinrich Eckmann etwas neidisch auf diese Angebote, beförderte Ostermeier vor 35 Jahren zum Kreisjugendpfleger, und der organisierte 1981 die erste Freizeit des Landkreises im inzwischen legendären Frossee bei Inzell, das für Familie Ostermeier zumindest über 30 Jahre lang zur zweiten Heimat wurde. Und mit glänzenden Augen erinnert er sich noch heute daran, als seine damals vierjährige Tochter Ilka bei Biathlon-Olympiasieger Peter Angerer auf dem Schoß gesessen hat.

Das Interesse für eine weitere Sport-Variante war geweckt, Mitte der achtziger Jahre gab es in Kooperation mit dem Kreisschützenbund Sommerbiathlon-Angebote. „Geschossen wurde in einer Garage, bei Strafrunden ging es durch die Siedlung“, schmunzelt Ostermeier, der die entsprechende Trainerlizenz natürlich längst erworben hatte. Zehn, zwölf Schaumburger Schüler versuchten sich bis  2010 leistungsorientiert in diesem Winterzweikampf, der inzwischen zum beliebtesten Fernseh-Wintersport zählt. „Dann fehlte bedingt durch Schulreform und Nachmittagsunterricht der Nachwuchs“, schlug Ostermeier dieses Kapitel wieder zu.

Zugleich gab es im Jahr 2000 in den Niederlanden die erste Rollski-WM, das sich damit als eigenständige Sportart etabliert hat. Als „Referent Rollski“ saß Ostermeier von 1999 bis 2010 im Hauptvorstand des DSV, aus dem er einen Tag nach seinem 65. Geburtstag enttäuscht über „landsmännische Vereinsmeierei und Internet-Mobbing“ zurück trat.

Zur „dritten Heimat“ hatte der perfekte Netzwerker inzwischen Finnland erkoren. Erste Kontakte gab es 1983/84 über das Goethe-Institut, das im Land der tausend Seen Interesse für die deutsche Sprache wecken wollte. Bald hatte sich eine stabile Verbindung zwischen Schaumburg und Muhos bei Oulu in Mittelsuomi etabliert. Jugend- und Vereinsaustausche in beide Richtungen trugen die Handschrift Ostermeiers, der die Skandinavier auch mit nach Frossee nahm. „Viele persönliche Kontake haben sich über die Jahre erhalten“, weiß der frühere Kreisjugendpfleger, der nach einem „Beziehungstief“ sich darüber freut, dass das Wilhelm-Busch-Gymnasium die Kontakte hat wieder aufleben lassen. Sein Bundesverdienstkreuz verdankt er einer Initiative seiner finnischen Freunde, die allerdings manche bürokratischer Hürde meistern mussten, ehe ihr Vorschlag umgesetzt werden konnte.

Der Rentner Ostermeier sieht sich heute mit drei Enkeln gut ausgelastet, hält sich mit Radfahren, Schwimmen und natürlich Skilanglauf fit,  engagiert sich im Vorstand der Schaumburger Bürgerstiftung, beim Schwimmbad und im Seniorenbeirat in Obernkirchen und hat das Fliegenfischen in der Aue als weiteres Hobby für sich entdeckt. soe

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