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Blitzgefahr in Schaumburg

SN-Sicherheitswochen Blitzgefahr in Schaumburg

Wie oft es in Schaumburg blitzt, lässt sich im Siemens-„Blitz-Atlas“ ablesen. Während der Landkreis 2015 noch Rang sechs belegte, war es 2016 nur noch der 341. Platz. Das tragische Beispiel einer Auhäger Familie, die ihr Haus durch Blitzeinschlag verlor, zeigt wie unvorhersehbar Wetterphänomene sind.

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Quelle: Symbolbild

Die Meldung bewegte den Landkreis: Vor wenigen Wochen schlug ein Blitz in Auhagen ein. Das anschließende Feuer zerstörte ein Einfamilienhaus, eine Familie wurde obdachlos und verlor nahezu ihr gesamtes Hab und Gut. Die Betroffenen erfuhren viel Hilfe und Solidarität, sind mittlerweile anderswo untergekommen. Was bleibt, ist das Wissen: Ein Blitzeinschlag kann jeden treffen.
Ähnlich sieht das auch der Kreisbrandmeister Klaus-Peter Grote. „Sicher sein kann man sich nie. Die Gefahr ist vorhanden“, sagt er. Zu gut einer Handvoll Einsätze im Zusammenhang mit Blitzeinschlägen rücke die hiesige Feuerwehr Jahr für Jahr durchschnittlich aus.

Doch ist es eine Gefahr, die stark schwankt.  Das Unternehmen Siemens erstellt mithilfe von 160 Messstationen in Europa jedes Jahr einen „Blitz-Atlas“. Darin stand der Landkreis Schaumburg im Jahr 2015 deutschlandweit auf Platz sechs, 2730 Blitze gingen hier nieder. Ein Jahr später dagegen wurden lediglich 464 Blitze gemessen – Platz 341.
 

Blitzableiter versprechen Schutz

Geht es um die eigenen vier Wände, versprechen zum Beispiel Blitzableiter Schutz. „Ich habe bei mir zu Hause einen, aber an der Notwendigkeit scheiden sich die Geister“, sagt Grote. In jedem Fall würden die altbekannten Sicherheitsregeln gelten: Während eines Unwetters nicht im Freien aufhalten – und wenn doch, dann nicht unter Bäumen Schutz suchen, sondern zum Beispiel im Auto. Zudem könne es nicht schaden, elektrische Geräte vom Stromnetz zu trennen. „Die Wahrnehmung der Gefahr hat sich über die Jahre und Jahrzehnte spürbar gewandelt“, so Grote weiter. So sei früher zum Beispiel auch dazu geraten worden, sich im Hausinneren von Kamin und Schornstein fernzuhalten.

35.000 Grad heiß und eine Stromstärke von bis zu 400.000 Ampere: Blitze haben es in sich. Sie können zur Gefahr für Lebewesen und Technik werden. Ihre Entstehungsweise wird an der Bundeswehr-Uni in München erforscht. Dort haben die Wissenschaftler extra eine Fanganlage installiert. Und Christian Paul lässt es krachen.

Wenn ein Gewitter aufzieht, geht es bei ihm nicht darum, Schutz zu suchen. Im Gegenteil: Paul hofft, dass der Blitz einschlägt. Dafür wurde eine Fanganlage am 150 Meter hohen Fernsehturm auf dem Hohen Peißenberg rund 60 Kilometer südwestlich von München installiert. Kleine Fangspitzen sollen einen Blitzeinschlag in den Fernmeldeturm provozieren.

Paul arbeitet am Lehrstuhl für Hochspannungstechnik und Blitzforschung der Universität der Bundeswehr München. Die Forscher entwickeln Schutzkonzepte für Schiffe, Flugzeuge und Windräder, aber auch für Haushaltselektronik. „Dafür müssen wir wissen, wodurch sich ein Blitz auszeichnet“, erklärt Ingenieur Paul. Das geht auch im Hochstromlabor auf dem Campus, wo die Wissenschaftler Blitzkanäle mit einer Stromstärke von mit bis zu 400.000 Ampere simulieren. Zum Vergleich: Eine Steckdose liefert maximal 16 Ampere.

Blitzen im Detail mitverfolgen

Der Vorteil auf dem Hohen Peißenberg: „Sie bekommen Strom, so wie er wirklich ist“, sagt Paul. Der Versuchsaufbau sei so komplex wie im Labor – nur in größerem Maßstab. Messgeräte an der Turmspitze sind mit einem Computer im Turmfuß verbunden. Zudem nimmt eine Hochgeschwindigkeitskamera 5000 Bilder pro Sekunde auf.

So wollen die Forscher die einzelnen Entwicklungsstadien von Blitzen im Detail mitverfolgen. Denn in der Regel blitzt es zwar von den Wolken aus zur Erde. „Ab einer Gebäudehöhe von 100 Metern entwickeln sich Blitze aber bevorzugt von unten nach oben“, sagt Paul. Das sei beispielsweise für Windräder relevant. Zumal diese Blitze über lange Zeit fließen, nicht leuchten und so durch Blitz-Ortungssysteme nicht erfasst werden. Die Messergebnisse sind wichtig für viele internationale und nationale Normen wie die deutsche DIN-Normung.

Wissenschaftler des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) gaben kürzlich nach Daten aus den Jahren 2001 bis 2014 bekannt, dass der Alpenrand und der Voralpenraum mit bis zu 15 Gewittertagen im Jahr Hochburgen dafür seien. Gebirge begünstigen demzufolge Gewitter, weil sie die Luft zum Aufsteigen zwingen. In Meeresnähe gebe es hingegen weniger Gewitter, weil das Wasser die unteren Luftschichten kühlt und damit stabilisiert.

Bis zu 35.000 Grad

„Jeder Blitz ist komplett anders“, hat Ingenieur Paul festgesellt. „Es gibt immer wieder Besonderheiten in einzelnen Komponenten.“ Entgegen dem Volksmund schlage etwa nicht jeder Blitz im höchsten Punkt ein. Auch steige der Stromfluss im Blitzkanal manchmal im Millionstel-Bruchteil einer Sekunde von 0 auf 400.000 Ampere – das führt zu Überspannungen.

Auf bis zu 35.000 Grad kann sich ein Blitzkanal aufheizen – und es beginnt zu leuchten. „Dabei wird Luft so schnell wie bei einem Überschallknall weggedrückt“, sagt Paul. „Das ist dann der Donner.“
Wenn übrigens doch einmal der Blitz einschlägt, dann kommt für den Schaden in der Regel die Versicherung auf. So auch im Fall der Auhäger Familie. „Das ist das eine – aber natürlich ist es auch davon abgesehen eine schwierige Situation, wenn man das Dach über dem Kopf und dazu sein gesamtes Hab und Gut verliert“, sagt Grote. tro, dpa

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