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Chefdirigent entlastet Angeklagten

Landkreis Chefdirigent entlastet Angeklagten

Hoch und heilig verspricht ein Schaumburger, nie wieder gebrauchte Musikinstrumente im Internet zu verkaufen. Das ist wohl auch besser so. Nur haarscharf ist der 45-Jährige in einem Betrugsprozess vor dem Bückeburger Landgericht an einer sechsmonatigen Haftstrafe vorbeigeschrammt.

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Quelle: dpa

Landkreis. Davor bewahrt hat ihn die Aussage von Thomas Boger, Chefdirigent des niedersächsischen Polizeiorchesters.

 Im Internet hatte der wiederholt vorbestrafte Mann für 998 Euro ein Flügelhorn („Made in Germany“) inklusive Koffer angeboten und dies mit dem Hinweis beworben: „Ausstellungsinstrument ohne Beulen und weitere Schäden.“ Und das „zum einmaligen Sonderpreis“, nämlich um etwa 500 Euro ermäßigt. Tatsächlich handelte es sich um ein 27 Jahre altes Horn aus DDR-Massenfertigung, das zahlreiche Schäden und Gebrauchsspuren aufwies.

 Kai Oliver Stumpe, Richter am Amtsgericht Stadthagen, hielt den aufgerufenen Preis daher für weit überhöht, ging von maximal 600 Euro Marktwert aus und sprach den Angeklagten in einem ersten Prozess des vollendeten Betruges schuldig. Sechs Monate, keine Bewährung. Als Gutachter hatte Stumpe einen Instrumentenbaumeister aus Frankfurt/Oder bestellt, der früher selbst bei der ostdeutschen Firma beschäftigt war, die das Flügelhorn produziert hat. Dieser Mann war zu einer anderen Einschätzung gelangt als der Experte vom Polizeiorchester.

 Im Berufungsverfahren sah sich Chefdirigent Boger das Konzerthorn an und spielte auch darauf. Sein Urteil: „Der Preis ist angemessen.“ Zum Klang meinte er: „Es spricht sehr leicht an und hat einen sehr schönen warmen Ton.“ Verteidiger Ralf Jordan, der seit 40 Jahren Musik macht, fügte hinzu: „Beim Wert eines gebrauchten Instrumentes kommt es wesentlich auf den Klang an.“

 Vollendeter Betrug war damit jedenfalls vom Tisch, nicht jedoch versuchter Betrug. Genau deshalb hat die Berufungskammer den Schaumburger denn auch verurteilt, allerdings lediglich zu einer Bewährungsstrafe von vier Monaten. Hinzu kommen 1000 Euro Geldbuße. „Die ganze Anzeige war darauf ausgerichtet, bei potenziellen Käufern eine falsche Vorstellung hervorzurufen“, erklärte Richter Thorsten Garbe. So entstand der Eindruck, es handele sich um ein neuwertiges Flügelhorn.

 Weil der Angeklagte mit seinen Geschäften bereits mehrfach als Betrüger in Erscheinung getreten ist und zur Tatzeit unter Bewährung stand, droht im Wiederholungsfall eine Haftstrafe. „Sie bewegen sich auf dünnem Eis“, warnte Richter Garbe den 45-Jährigen. Staatsanwältin Karin Dubben hatte zuvor ebenfalls auf Bewährung plädiert, Verteidiger Jordan eine Geldstrafe beantragt. ly

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