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Das Diplom an den Nagel gehängt

Landkreis / Anerkennung Das Diplom an den Nagel gehängt

Zabit Cetin hofft auf das neue Anerkennungsgesetz. Seit er vor 22 Jahren in Deutschland angekommen ist, kann er sein Diplom von der Universität Ankara nur noch als Wandschmuck gebrauchen. In der Türkei hat Cetin als Berufsschullehrer für Bauwesen gearbeitet. Vier Jahre hatte er zuvor dafür studiert. Vier Jahre, also acht Semester, die durchschnittliche Regelstudienzeit auch vieler Diplom-Studiengänge seiner neuen Heimat.

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Zabit Cetin ist auf der Suche nach Anerkennung.

Quelle: aw

Stadthagen (jcp). Nach Deutschland wollte der heute 47-Jährige wegen der Familie, die er zu unterstützen hatte, wegen des Geldes, dass er dort verdienen konnte. In der Türkei hatte er es da als Kurde nicht leicht. Grund: „Dieses Türken-Kurden-Problem eben.“

Ganz so einfach sollte Cabits Rechnung aber nicht aufgehen. Ein Aufbaustudium zum Bauingenieur an der Universität Dortmund scheiterte am Geld – er hätte es selbst finanzieren müssen. Statt weiter zu studieren, zog er also nach Stadthagen, mit seiner Frau, deren Verwandtschaft im Schaumburger Land lebte.

Nach einigen erfolglosen Bewerbungen schraubte Cetin seine Ansprüche zurück und versuchte, eine offensichtliche Schwäche in seinem Lebenslauf zur Stärke zu machen: Die Sprache. Mit Verweis auf seine Herkunft empfahl er sich als Grundschullehrer besonders für Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund. Erfolglos.

„Ich hätte hier als Lehrer arbeiten können“, gibt Cetin sich überzeugt. „Warum denn nicht? Das Uni-System ist doch das gleiche, und um die Sprache zu lernen, gibt es Kurse.“ Empfänger seiner Bewerbungsunterlagen sahen das aber offenbar anders. Irgendwann landete Cetin als ungelernter Arbeiter bei Faurecia, 15 Jahre lang. Danach ging es von einem Aushilfsjob zum nächsten.

Dass er kein ungewöhnliches Einzelschicksal durchlebt, weiß er aus dem Bekanntenkreis. Ein Freund von im ist ebenfalls Berufsschullehrer, mit dem Fachgebiet Elektrotechnik, ein anderer ist Physiker. Beide machen Hilfsarbeiterjobs in Fabriken.
Cetin hat alle Unterlagen zusammengesucht. Er will realistisch zu bleiben: Selbst bei einer Anerkennung könne er nach mehr als zwanzig Jahren „Pause“ nicht „einfach so“ wieder an einer Berufsschule arbeiten, das wisse er. „Die Dinge ändern sich ja auch“, sagt der Lehrer, und es klingt gleichzeitig nach Feststellung und Hoffnung.

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