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Aus dem Landkreis „Das Geld ist weg“
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis „Das Geld ist weg“
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00:27 12.12.2014
Da schien die Welt noch in Ordnung: Zusammen mit Marie-Luise Marjan rührte Produzent Moritz Sachs im vergangenen Sommer kräftig die Werbetrommel für das Musical „Schwarze Brüder“ auf Schloss Bückeburg. Quelle: Archiv
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Landkreis

Das Amtsgericht Köln hat gegenüber der verantwortlichen Produktionsfirma „Reihe 7 UG (haftungsbeschränkt) & Co. KG“ mittlerweile vorläufige Sicherungsmaßnahmen angeordnet. Das hat Gerichtssprecher Marcus Strunk dieser Zeitung auf Anfrage mitgeteilt. Damit beauftragt ist der Kölner Rechtsanwalt Björn-Till Till. Dieser soll eruieren, was bei der Firma an Vermögen noch vorhanden ist und dieses sichern. Zudem soll er begutachten, ob ein Insolvenzverfahren eingeleitet werden kann. Die Eröffnung eines solchen hatte die Firma im September beantragt (wir berichteten).

 Auf Anfrage bekundete Till, er sei derzeit noch mit der Aufstellung des Vermögens und der Forderungen beschäftigt. Zwar sei noch eine Reihe von Sachverhalten zu klären, er halte es aber für möglich, „dass um die Jahreswende herum ein Verfahren eröffnet wird“, sagt Till voraus. Doch vorher könne er keinem Gläubiger signalisieren, ob Geld fließen werde. „Erst nach Eröffnung eines Verfahrens könnte ich sagen, welche Forderungen zu befriedigen sind.“ Und: „Die Gläubiger müssen sich noch gedulden.“ Zu „Reihe7“, deren Geschäftsführer der Schauspieler Moritz Sachs ist, bemerkt Till: „Die Firma ruht, da gibt es keinerlei Aktivitäten.“

 Die Hoffnung, noch Geld zu sehen, hat Holger Brase, Inhaber der Loccumer Firma Brase-Zelte, bereits aufgegeben. Seine offenen Forderungen für die Bereitstellung vor allem von Backstage- und Catering-Zelten belaufen sich auf rund 6000 Euro. „Die schreibe ich in den Wind“, sagt er: „Pleite ist pleite, woher soll da was kommen?“

 Brase ärgert sich dabei vor allem über sich selbst. „Normalerweise hätte ich mit dieser Firma keine Geschäfte auf diese Weise gemacht“, sagt er im Nachhinein. Die Haftungsbeschränkung von „Reihe7“ belaufe sich seiner Kenntnis nach auf nur 2500 Euro. „Da arbeitet man eigentlich mit Vorkasse oder besorgt sich eine Bankbürgschaft.“ Dass er in diesem Fall davon abgesehen hat, habe seinen Grund darin, dass die Fürstliche Hofkammer mit von der Partie war. Mit dieser habe er bereits mehrfach zusammengearbeitet, so Brase. „Wenn der Fürst dabei mitspielt, wird es schon gut gehen, habe ich gedacht – und es bitter bereut“, erzählt der Zeltverleiher.

 Auf rund 10000 Euro droht die Stadthäger Firma MBN nach Angaben ihres Inhabers Lars Hoppe sitzen zu bleiben. „Das Geld ist weg“, ist sich Hoppe sicher. MBN hatte Container für Büros, Umkleiden, Orchesterproben und den Backstage-Bereich sowie Toiletten-Häuschen vermietet. In der Event-Branche könne eine Pleite schon mal passieren, zeigt Hoppe ein gewisses Verständnis. „Schlimm finde ich aber, wie mit uns umgegangen wird“, sagt er. Nach Ende des Musicals „haben wir von der Firma nichts mehr gehört, die ziehen sich einfach ins Schneckenhaus zurück, und das ist schlechter Stil“.

 „Extrem tragisch“ findet Hoppe, dass „dieses mit großer Euphorie und vielen positiven Erwartungen“ begleitete Event „in einem Trümmerhaufen“ geendet ist. Es sei „eine tolle Chance vertan worden“, in Schaumburg „ein ganz großes Kultur-Event erfolgreich zu veranstalten“. ssr

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