Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 4 ° Regenschauer

Navigation:
Der Traum einer „Schule für alle“

Landkreis / Schule Der Traum einer „Schule für alle“

Den Traum von einer inklusiven „Schule für alle“ träumen derzeit Astrid Budwach, Schulleiterin der Integrierten Gesamtschule Schaumburg, und Georg Bittner, Leiter der Hans-Christian-Andersen-Förderschule Schwerpunkt Lernen in Stadthagen.

Voriger Artikel
EDV-Ausfall: Kfz-Zulassung nicht möglich
Nächster Artikel
100. Teilnehmer begrüßt

Auf gute Zusammenarbeit: Georg Bittner und Astrid Budwach. © kle

Landkreis (kle). Um diesen Traum wahrzumachen, möchte die IGS in Zusammenarbeit mit dem Landkreis einen Antrag an das Kultusministerium erarbeiten, mit dem Ziel, nicht nur integrative Klassen anbieten zu können, sondern eine komplett inkulsive Schule zu werden.

„Inklusion ist eine Geisteshaltung“, erklärt Bittner. „Es geht darum, alle so zu akzeptieren, wie sie sind, und nicht mehr zu klassifizieren.“ Speziell ist dabei die Beschulung von Kindern gemeint. Bei gelebter Inklusion wird nicht unterschieden zwischen „normalen“ Kindern und solchen, die nach heutigen Maßstäben den „Stempel“ beispielsweise einer Lern- oder Sprachschwäche tragen und deshalb in gesonderten Schulen untergebracht werden.

„Darin besteht vor allem der Unterschied zur Integration“, so Bittner. Der Integration gehe bereits eine Stigmatisierung voraus, bei einem Kind werde ein Förderbedarf festgestellt, sodass es in andere Gruppen integriert werden müsse. „Inklusion geht davon aus, dass alle Menschen unterschiedlich sind und es keinen Grund gibt, eine Gruppe speziell herauszugreifen und zu sagen: ,Ihr müsst gefördert werden.‘“

Beim inklusiven Modell würden alle Kinder zusammen eingeschult, erst danach werde versucht, individuell deren Stärken zu fördern und Schwächen zu kompensieren. Das komme am Ende allen zugute, nicht nur den vermeintlich Förderbedürftigen, sondern auch Hochbegabten und „Durchschnittsschülern“, die beispielsweise musikalisches oder sprachliches Talent haben, dafür in Mathe mehr Unterstützung brauchen.

Die IGS Schaumburg hatte bereits 1994 ihre ersten Integrationsklassen, in denen Schüler mit Förderbedarf gemeinsam mit den anderen unterrichtet werden. Im Moment hat die IGS Integrationsklassen für den gesamten Sekundarbereich I. Dafür muss die Leitung immer wieder von Neuem bei der Landesschulbehörde Lehrerstunden beantragen, die dazu genutzt werden, dass Lehrer der Andersen-Schule zeitweise an der IGS mitunterrichten.

„Mit dieser Situation sind wir aber unzufrieden, weil wir um die Lehrerstunden jedes mal kämpfen müssen“, sagt Budwach. Die Lehrerstunden seien nämlich an die Zahl der Förderschüler gebunden, „zöge eins der Kinder weg, wären das gleich drei Lehrerstunden weniger“. Als inklusive Schule „hätten wir einen verlässlichen Stundenpool“, den man je nach Bedarf verteilen könne.

Befürchtungen von Eltern, ihre Kinder könnten im Hinblick auf das Abitur in inklusiven Schulen in ihrem Lernfortschritt zurückfallen, seien unbegründet, so Budwach. „Und das sage ich nicht, weil das einfach nur unsere Hoffnung ist, sondern weil dieses Konzept in den USA bereits erfolgreich erprobt wurde.“

Ziel der Inklusions-Befürworter ist ein deutschlandweit komplett inklusives Schulsystem statt nur vereinzelter entsprechender Schulen. Doch bislang stößt das Modell nicht überall auf so großen Zuspruch wie beispielweise in Schaumburg, weiß Bittner. „Es gibt auch Förderschullehrer, die sagen: ,Bei so einem Modell könnten unsere Schüler gar nicht richtig gefördert werden.“

Auch stößt das Konzept bei den derzeitigen Voraussetzungen noch an einige Grenzen, unter anderem im finanziellen Bereich: Inklusive Schulen brauchen andere Lernmodelle, kleinere Klassen, mehr Personal, aber auch Dinge wie barrierefreie Zugänge. „Andererseits ist das Weiterführen von parallelen Systemen – Förderschulen und Integrationsmodellen zugleich – auch nicht effizient“, betont Bittner.

Für die Förderschulen müsse man ja auch Gebäude und Personal vorhalten, was nicht nötig wäre, wenn die Pädagogen direkt in den „Regelschulen“ arbeiten würden wie im inklusiven Modell. „Und“, ergänzt Budwach, „man muss sich immer die Frage stellen: Was ist es mir wert, Kinder zu fördern?“

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Online suchen, Angebot finden, einkaufen gehen: Das steckt in Kurzform hinter „Kauf hier – lokal & digital“. Eine Auswahl aktueller und preislich besonders attraktiver Produkte finden Interessierte stets auf unserer Homepage... mehr

Schaumburg