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Der Wald erzählt von „Kyrill“

Zehn Jahre danach Der Wald erzählt von „Kyrill“

Am 18. Januar ist es zehn Jahre her, dass der Orkan „Kyrill“ über weite Teile Europas hinweggefegt ist und auch im Schaumburger Land eine Spur der Verwüstung hinterlassen hat. Die damals an unzähligen Gebäuden entstandenen Schäden sind zwar schon lange repariert und die von diesem Sturm verursachten Kahlschläge in den Wäldern wieder aufgeforstet, aber die Forstwirtschaft wird die Folgen dieser Unwetterkatastrophe noch Jahrzehnte lang beschäftigen.

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Waldentwicklung: Die freien Flächen in diesem ehemals dichten Fichtenbestand auf dem Bückeberg, in den der Orkan „Kyrill“ damals eine Schneise geschlagen hatte, hat das Kreisforstamt mit jungen Buchen bepflanzt.

Quelle: wk

Landkreis. Allein in den Forstbeständen auf dem Bückeberg waren am 18./19. Januar 2007 durch „Kyrill“ rund 100 Hektar Wald „umgeworfen“ worden, erinnert sich der Kreisforstamtsleiter Lothar Seidel. Wie bei einem „Riesenmikado“ hätten die Stämme in etlichen Bereichen des Waldes kreuz und quer übereinander gelegen. Betroffen waren dabei insbesondere Fichten, da diese Nadelbäume dem Orkan aufgrund ihrer dichten Kronen eine große Angriffsfläche geboten hatten. Zudem hatte das flache Wurzelwerk der Fichten deren Umbrechen begünstigt.

Das nach dem Abzug von „Kyrill“ zurückgebliebene „Sturmholz“, also die Masse der von dem gewaltigen Sturm niedergemachten Bäume, entsprach von der Menge des Stammholzes her (circa 40.000 Festmeter) ungefähr dem dreifachen dessen, was das Kreisforstamt Spießingshol üblicherweise pro Jahr an Holz einschlägt.

Insgesamt zwei Jahre lang hatten die dann erforderlichen Aufräumarbeiten im Wald gedauert, wobei bereits im Frühjahr 2007 die ersten Aufforstungen vorgenommen wurden: In den drei Jahren nach dem Orkan habe man damals um die 350.000 neue Bäume gepflanzt, berichtet Seidel. Allerdings keine Fichten, sondern zum größten Teil Buchen (etwa 75 Prozent), da dies die „ökologische Hauptbauart“ auf dem Bückeberg ist. In geringerem Maße wurden außerdem Eichen, Bergahorn, Wildkirschen, Eschen, Lärchen und Kiefern in den Boden gebracht.

Rückblickend betrachtet habe die Sturmkatastrophe die Chance geboten, der Waldentwicklung auf diese Weise einen Schub hin zu einer größeren ökologischen Vielfalt mit standortgerechteren Baumarten zu geben, resümiert Seidel. Gleichwohl werden die durch „Kyrill“ verursachten Waldschäden das Kreisforstamt noch Jahrzehnte beschäftigen. Denn zum einen müssen die wiederaufgeforsteten Bestände regelmäßig für viel Geld gepflegt werden, wobei aber frühestens in dreißig Jahren die ersten Erträge aus diesen Nachpflanzungen herausgeholt werden können. Zum anderen wird der damalige Schadenumfang für Forstexperten noch lange Zeit in dem sich ihnen auf dem Bückeberg bietenden Landschaftsbild zu erkennen sein. Denn: „Der Wald ist ein lebendiges Geschichtsbuch!“

„Kyrill war schon ein einschneidendes Ereignis“, bestätigt Mark Gützkow, der Leiter der Klosterrevierförsterei Obernkirchen im Gespräch mit unserer Zeitung. Er selbst war seinerzeit zwar noch nicht im Schaumburger Land tätig, weiß aber schon, was damals hier losgewesen war – nämlich, dass dem Orkan in dem nun von ihm betreuten Revier auf insgesamt 40 bis 50 Hektar Fläche ungefähr 36 Festmeter Stammholz zum Opfer fielen. Kurz darauf habe man mit den Aufräumarbeiten begonnen, um das Sturmholz schnell aus dem Wald abzutransportieren und somit einer Massenvermehrung des Borkenkäfers zuvorzukommen.

Das überall herumliegende Holz hätte den im Frühjahr 2007 ausschwärmenden Schädlingen hierfür ideale Bedingungen geboten, was in der Folge zu einem massiven Befall gesunder Fichten hätte führen können. Und dies wäre dann die nächste Katastrophe für die Forstwirtschaft gewesen.

Auf das Nachpflanzen von Fichten hatte die Klosterrevierförsterei übrigens nicht zuletzt wegen des Klimawandels verzichtet. Denn für diese Nadelbaumart bedeutet die zunehmende Bodentrockenheit im Sommer enormen Stress, wodurch sie auch anfälliger gegen Krankheiten und Schädlinge werden, so Gützkow. Alternativ hatte sich sein Amtsvorgänger bei den Aufforstungen für besser zum hiesigen Standort passende Douglasien, Buchen und etwa Lärchen entschieden.

Ein solches Schadensbild, wie es nach „Kyrill“ in den Wäldern zu sehen war, „das trifft einen Förster wirklich ins Herz“, sagt Christian Weber, der seit 2013 Forstdirektor beim Fürstlichen Forstamt Bückeburg ist. Immerhin stecke man ja viel Mühe in die Pflege des Waldes, weshalb derartige Sturmschäden schon „sehr frustrierend“ seien.

Doch auch wenn die vor dem 18./19. Januar 2007 aufgestellten forstlichen Bewirtschaftungspläne durch den damaligen Orkan quasi auf einen Schlag zunichtegemacht worden waren, ist dies auf lange Sicht für den Wald kein Weltuntergang. Denn in den der Katastrophe folgenden Jahren kann das „forstwirtschaftliche Ziel der Nachhaltigkeit“ durch geeignete Maßnahmen nach und nach wieder aufgefangen werden, betont Weber.

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