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Aus dem Landkreis Der Wald vor lauter Bäumen
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis Der Wald vor lauter Bäumen
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20:16 04.06.2018
Umringt von Konkurrenten: Eichen können sich nur mit Unterstützung der Förster gegen Buchen durchsetzen, erklärt Frenz-Wilhelm Ick (kleines Bild). Foto: dpa, rnk
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Vor 4000 Jahren haben die Eichen in Europa gefunden, was wir alle suchen: das Paradies auf Erden. Warmes Wetter, mild, schön feucht, einfach ideal für den langsam wachsenden Baum. Dann kam eine Kältezeit, kein Klimawandel, sagt der ehemalige Revierförster Frenz-Wilhelm Ick, aber es wurde spürbar kühler, und mit dieser Kälte kamen die Buchen. Und blieben.

1750 kam dann die Konkurrenz: Fichten. Die Bauern durften ihr Vieh nicht mehr in die Wälder treiben, weil die Tiere dort die Bäume verbissen, das den Menschen zugewiesene Land wurde schnell in Ackerland umgewandelt und der Siegeszug der Fichte begann: Sie wächst schnell, sie wächst gerade, sie lässt sich leicht verarbeiten und sie benötigt nur 100 Jahre bis zur Schlagreife. Eine Eiche blickt im gleichen Alter soeben auf ihre gerade abgelaufene Jugendzeit zurück.

Frenz-Wilhelm Ick (Mitte) führt durch den Wald.

Beständig ist bekanntlich nur der Wandel, daher muss auch die Fichte heute kämpfen: Sie leidet unter dem Klimawandel, ist in Zeiten stärker werdender Stürme nur ein Flachwurzler und wenn der Borkenkäfer kommt, ist ihr Widerstand eher gering, sagt Ick, daher werden heute zunehmend Douglasien angepflanzt: Tiefe Wurzeln, hohe Wuchsleistung, hohes Gewicht (schlecht für Selbstabholer im Baumarkt), hochwertiges Holz – aber eben: „nicht so beliebt“.

Chronist des Waldes

Ick begleitet den Nabu Auetal auf einer naturkundlichen Wanderung über den Bückeberg und er ist nicht nur ein Chronist des Wandels im Wald, sondern auch der äußeren Umstände, die den Försterberuf geändert haben. Früher, so erklärt er, waren die Reviere um die 400 Hektar groß, heute sind sie auf 1800 Hektar angewachsen, früher konnte man auch mal rote Zahlen schreiben – und musste dann beim Personal einsparen, das war auch nicht schön. A

ber heute unterliegt der Wald gnadenlos dem Diktat der laufenden schwarzen Zahlen: „Es muss Geld hereinkommen“, sagt er, „das wird von der Politik verlangt.“ Ein Beispiel nennt er auch: In Springe könne man sich mit 500 Euro in eine Jagd einkaufen.

340 Jahre alt sind die Eichen gegenüber der „Süßen Mutter“, erklärt Ick. Schon Napoleon hat sie sehen können, als er hier einst vorbeizog und oben auf dem Scheitelpunkt der Straße aus einer Fichte die Spitze herauskappte, um dort ein Podest mit weitem Blick in das zumeist feindliche Tiefland zu etablieren. Heute erinnert ein Gedenkstein an die Fichte, die im Lauf der Zeit zur Napoleonstanne wurde.

340 Jahre alte Eichen gefällt

340 Jahre Eichen auf dem Bückeberg, und ja, sagt Ick, er hat damals auch ein paar von ihnen fällen lassen. Damals wollte man Geld verdienen, aber er hätte sie rückblickend stehen lassen sollen. „Heute tut mir das auch leid“, betont der Experte, aber der Rest wird nun nicht mehr angetastet. Die heimische Holzindustrie habe damals das Eichenholz nicht haben wollen, erst auf einer Versteigerung im Norden sei es verkauft worden. 1400 Mark für den Festmeter, „gelb in der Farbe, wunderschön gewachsen.“

Eichen, sagt Ick, müssen vom Förster geschützt werden, sonst macht sie die Buche einfach platt: Sie kommt mit sehr viel weniger Licht aus und nutzt jedes Vorhandensein sofort mit Wachstum aus, während die Eiche langsam und gemächlich Jahre benötigt, bis sie in diese Lichtblicke einwächst. Hilft ihr der Förster nicht, stirbt sie in der Krone aus: „Wenn wir nicht eingreifen würden, dann würde es die Eiche nicht geben.“ rnk

Welcher Baum bei Gewitter

Gerade im Sommer orientiert sich noch so mancher am berühmten Sprichwort: Vor Eichen sollst du weichen, Buchen sollst du suchen, die Fichten wähl‘ mitnichten, die Weiden mußt du meiden? Stimmen das? Baumexperte Frenz-Wilhelm Ick: Baum ist Baum beim Gewitter, es gibt keine Unterschiede bei der Blitzgefahr, man sollte einfach raus aus dem Wald, wenn es blitzt – und sich nicht unter einen Baum stellen. rnk

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