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Der Wolf und ein reich gedeckter Tisch

Kreislandwirt besorgt Der Wolf und ein reich gedeckter Tisch

Eigentlich war es nur eine Frage der Zeit, bis die ersten Wolfsmeldungen im Schaumburger Land eingehen. Nun gibt es laut Florian Brandes, Leiter der Wildtierstation Sachsenhagen, bereits vier gesicherte Sichtungen. Doch was bedeutet die Anwesenheit des Wolfs für Landwirte und andere Tierzüchter?

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Dass der Wolf nun auch in Schaumburg gesichtet worden ist, macht Kreislandwirt Cord Lattwesen Sorgen. Schließlich sind die Schafe oder Kälber, die Landwirte halten, leichte Beute für das Wildtier.

Quelle: Symbolfoto (Archiv)

LANDKREIS. Können oder müssen sie ihre Herdentiere schützen? Kreislandwirt Cord Lattwesen sieht die Entwicklung nicht ganz ohne Sorge. Zum einen sei der Wolf ein Fleischfresser und zum anderen schnappe er sich die leichteste, am besten genährte Beute. Und das sei eben nicht das abgemagerte und flinke Reh im Wald, sondern das Schaf oder Kalb auf der Weide – ohne Fluchtweg. „Das ist doch wie ein reich gedeckter Tisch“, so Lattwesen. Einen vollständigen Schutz gebe es nur, wenn die Tiere nachts in den Stall gebracht werden. Zäune, die den Wolf aussperren sollen, seien teuer.

Schaumburg könnte bald Wolfsgebiet sein

Da Schaumburg bisher nicht als Wolfsgebiet eingestuft wird, gehört der Kreis auch nicht in die sogenannte „Förderkulisse Herdenschutz“ vom Land. Nur dann bekommen Halter von Nutztierherden Geld vom Land, wenn sie etwa wolfsabweisende Schutzzäune installieren oder Herdenschutzhunde anschaffen wollen. Ein Sprecher des Landesschafzuchtverbands Niedersachsen geht jedoch davon aus, dass Schaumburg bald dazu zählen könnte. „Zwei Drittel der niedersächsischen Regionen sind mittlerweile Wolfsgebiet.“

Screenshot: Vauth

Quelle:

Laut des Landesschafzuchtverbands gibt es 11500 Schafhalter. Die meisten hätten eine geringe Anzahl von weniger als 50 Tieren. Erste Betriebe hätten ihre Schafe wegen des Wolfs bereits aufgegeben. Der erhöhte Aufwand, der zum Schutz betrieben werden müsse, lohne sich nicht. Es habe zwar noch nicht viele Fälle gegeben, doch die Halter von Schafen seien nachts unruhiger als noch vor einigen Jahren.

Investitionen lohnen sich nicht

Andreas Behrens aus Steinbergen hält etwa 50 Kamerunschafe. Er fürchtet den Wolf bislang aber nicht. Steinbergen liege so nah an der Autobahn und der Bundesstraße 83 – da werde sich der Wolf nicht heimisch fühlen. Nur wenn ein Teil seiner Tiere ab Mai in Bückeburg auf der Obstbaumwiese stehe, sehe er eine etwas größere Gefahr. Investitionen in den Schutz seiner Schafe lohnen sich für ihn nicht, sagt er. Wenn der Wolf tatsächlich in die Nähe käme, würde er seine Herde nachts in den Stall stellen. „Für mich ist es ein schönes Hobby“, sagt Behrens. Da kämen zusätzliche Ausgaben nicht infrage.

Brandes glaubt indes nicht, dass sich der Wolf im Schaumburger Land etablieren wird. Er denkt, dass es bei Durchzüglern bleibt. Allerdings sei eine sichere Prognose immer schwierig: „Den Wölfen fehlt hier durch die dichte Besiedlung der großräumige Rückzugsort, um sich hier heimisch zu fühlen.“

80 Wölfe leben in Niedersachsen

In Niedersachsen leben seines Wissens lediglich 80 Wölfe. „Das ist nichts.“ Und die Schäden durch Wölfe hielten sich somit ebenfalls in Grenzen. Wildgänse etwa richteten derzeit noch deutlich mehr Schäden in der Landwirtschaft an.„Sehr wichtig ist, dass die Wölfe nicht gefüttert werden“, betont Brandes. Wichtig sei der gegenseitige Respekt, denn der Wolf sei ein scheues Tier.

Kreislandwirt Lattwesen beruhigen diese Thesen nicht. „Ich glaube, dass wir die Problematik verkennen. So lange wir den reichgedeckten Tisch anbieten, werden sich die Wölfe auch ausbreiten.“ Man dürfe die Wölfe nicht so einfach gewähren lassen. Aus diesem Grund würde er die Wölfe auch ins Jagdrecht aufnehmen – nicht mit dem Ziel, die Tiere auszurotten, sondern ihre Zahl zu regulieren. Auch wenn in Schaumburg noch keine Tiere vom Wolf gerissen wurden, sorgt sich Lattwesen um seine Kälber. „Die könnten auch auf der Speisekarte stehen.“ jemi

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