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Der Zivi geht, der „BFDler“ kommt

Landkreis / Bundesfreiwilligendienst Der Zivi geht, der „BFDler“ kommt

Eine Tür schließt sich, ein Fenster geht auf: Ab 1. Juli wird es in ganz Deutschland keinen einzigen Zivi mehr geben, der Zivildienst ist passé. „Ersetzen“ soll ihn bald der Bundesfreiwilligendienst (BFD), der in seinem Aufbau dem Zivildienst und dem Freiwilligen Sozialen und Ökologischen Jahr (FSJ/FÖJ) sehr ähnlich ist.

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Zivildienstleistende und andere Mitarbeiter der ÖSSM bauen im Zuge des Nerz-Wiederansiedlungsprojektes ein Eingewöhnungsgehege auf.

Landkreis (kle). Bislang sind aus Schaumburg und der näheren Umgebung auf der Homepage des BFD nur wenige Einsatzstellen eingetragen, darunter die Ökologische Schutzstation Steinhuder Meer (ÖSSM) und die Rheumaklinik Bad Nenndorf. Doch auch andere Institutionen des Landkreises ziehen eine Nutzung des BFD in Betracht, die einst auf die Zivis, nun auf die freiwilligen Helfer angewiesen sind.

Allein die Paritätische Lebenshilfe Schaumburg-Weserbergland (PLSW) bot regelmäßig bis zu 30 Stellen für Zivildienstleistende und FSJler an, die unter anderem Fahrdienste übernehmen oder die Fachkräfte der PLSW auf andere Weise unterstützen. „Die Zivis waren für uns immer sehr wichtig, es schmerzt, dass das jetzt aufhört“, resümiert Geschäftsführer Bernd Hermeling. „Jetzt müssen wir uns Strategien überlegen, wie wir das kompensieren können“, schließlich können die fehlenden Zivi-Stellen nicht einfach durch FSJler aufgestockt werden.

Eine Möglichkeit unter mehreren bietet der BFD: „Insgesamt könnten wir damit am Ende auf 15 bis 20 Stellen kommen“, so Hermeling. „Das wären zwar etwas weniger, als wir vorher hatten, aber wenn wir diese annähernd besetzen können, wären wir zufrieden.“ Ob sich der BFD auf Dauer bewährt, werde sich erst noch zeigen. „Es würde mich aber freuen, wenn dieses System junge Menschen dazu bewegt, in soziale Berufe reinzuschnuppern.“

Auch Thomas Brandt von der ÖSSM steht dem BFD grundsätzlich positiv gegenüber, da dieser wie das FÖJ freiwillig, nicht an Altersgrenzen gebunden und zudem wieder – anders als der Zivildienst – auf eine Dauer von 12 Monaten angelegt ist. „Was das angeht, weine ich dem Zivildienst nur eine halbe Träne nach“, so Brandt.

Dennoch: So ganz glücklich sei er mit der gegenwärtigen Situation nicht. „Das Ganze ist überhaupt noch nicht richtig durchdacht, man hätte mit der Umstellung noch ein Jahr warten sollen. Bis jetzt weiß noch niemand so richtig, was ihn erwartet“ – weder die Bewerber, noch die Einsatzstellen. „Wir wissen noch nicht einmal, was wir den Leuten bezahlen müssen.“ Ein weiteres Problem: Bislang liegen der ÖSSM erst zwei Bewerbungen für die zwei zu vergebenden BFD-Stellen vor. Sollte auch nur eine davon unbesetzt bleiben, „ist das automatisch mit Kürzungen verbunden“, so Brandt, beispielsweise bei Ausstellungen oder Führungen. „Der Ansatz des BFD ist nicht schlecht, aber er kam zu überstürzt.“

Der Landkreis als Träger des Krankenhauses und des Altenzentrums zieht ebenso die Nutzung des BFD in Betracht. „Leider haben wir schon seit einer Weile immer weniger Zivis beschäftigt“, erklärt Klaus Heimann, Sprecher des Landkreises, weil das Interesse immer mehr gesunken sei. Da in solchen Einrichtungen aber jede zusätzliche Zuwendung von großer Bedeutung sei, „sind die Plätze, die noch übrig waren, sehr wichtig“. Ob der Landkreis auf den BFD zurückgreifen wird, soll sich in nächster Zeit entscheiden und unter anderem von der Beschäftigungsdauer und den entstehenden Kosten abhängig gemacht werden.

Wer sich für den BFD interessiert, kann sich im Internet unter www.bundes-freiwilligendienst.de informieren und für Stellen bewerben.

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