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Der blonde Muslim

Stadthagen / Religion Der blonde Muslim

Martin Neumann ist 21 und macht eine Ausbildung zum Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten. Seit seine Eltern vor 13 Jahren nach Obernkirchen gezogen sind, lebt der gebürtige Magdeburger hier das „ganz normale" Leben eines jungen Mannes. Mit einer Ausnahme: Martin Neumann ist Muslim.

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Martin Neumann ist Muslim.

Landkreis (lmh). Im Urlaub in der Türkei kam er zum ersten Mal mit dem Islam in Kontakt. Der junge Mann mit dem freundlichen Gesicht erzählt seine Geschichte gern. Es ist ihm wichtig, seine Religion einmal so darzustellen, wie er sie sieht: „Islam bedeutet, sich von schlechten Dingen fernzuhalten und Gutes zu tun.“ Viele setzten den Islam mit Gewalt und Terrorismus gleich. Neumann möchte zeigen, dass das anders ist. „Und die Leute sollen nicht glauben, Islam sei Türkenkram.“

In seiner Familie hat Religion nie eine Rolle gespielt: „Meine Eltern sind Atheisten.“ Der Auszubildende wohnt noch bei seinem Vater, und so sind Konflikte vorprogrammiert. „Mein Papa nimmt mich nicht ernst“, stellt er fest. „Meine Oma wollte mir anfangs Schweinefleisch im Essen unterjubeln.“

Seine Mutter versucht, ihn zu verstehen. „Er ist doch nach wie vor noch genauso mein Sohn“, sagt Cornelia Neumann. Zu den Ramadan-Feierlichkeiten ist sie mit in die Stadthäger Moschee gekommen, um sich selbst ein Bild zu machen. „Ich war angenehm überrascht. Das war alles sehr frei. Auch die meisten Mädchen trugen keine Kopftücher und sahen nicht anders aus als bei uns.“ Das wiederum findet Martin Neumann nicht gut. Er wünscht sich eine überzeugte Muslimin zur Frau, „auch keine Deutsche, die ich dazu überrede.“

 „Ich war auf der Suche nach dem Sinn des Lebens“, bekennt er. Vor gut einem Jahr bekannte sich Neumann zum Islam und nahm – inoffiziell – den Vornamen Mert an. Sein Leben hat sich verändert seitdem. Nach wie vor geht er zum Fußballtraining, doch in die lockeren Gesprächsrunden hinterher beziehen ihn seine Kumpels von früher nicht mehr ein.  „Ich bin immer noch derselbe“, sagt er. „Aber die meisten Leute akzeptieren mich als betenden Menschen nicht.“ Dabei sei es keineswegs so, dass er auf allen Spaß verzichte. „Ich ess kein Schwein, trinke keinen Alkohol, mach nichts mit Frauen – das ist alles“, fasst er zusammen.

In den türkisch-islamischen Gemeinden von Stadthagen, Bückeburg und Rinteln hat er neue Freunde gefunden und viel Anerkennung. Inzwischen spricht er fließend Türkisch. „Wären die Leute in der Türkei nicht so nett zu mir gewesen, wäre ich nicht auf die Idee gekommen, das Bild infrage zu stellen, das die Medien hier vom Islam zeichnen“, sagt er.

Als gläubiger Muslim fühle er sich im Gleichgewicht. Natürlich hält er den Islam für den wahren Weg, doch mit Missionsabsichten hält er sich zurück. „Jeder mag an das glauben, was er möchte. Und wenn’s ihm damit gut geht, freut mich das“, fasst Martin Neumann seine Weltsicht zusammen.

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