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Deutschlehrer sind Mangelware

Bedarf an zusätzlichem Unterricht steigt Deutschlehrer sind Mangelware

Fünf Sprachen in einer Klasse, nur kein Deutsch. Die Lehrer mühen sich mit Englisch; Schüler übersetzen für Mitschüler, bis beim Letzten der Inhalt ankommt. Das ist Alltag in der neuen Sprachlernklasse der Berufsbildenden schule Rinteln für Flüchtlinge.

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Sprachlernklassen sind für Flüchtlingskinder unerlässlich, um so schnell wie möglich erfolgreich am Regelunterricht teilnehmen zu können. 

Quelle: js

Landkreis (dil,vr,tbh). Könnte funktionieren, wenn es da nicht ethnische Konflikte unter den 16- bis 18-jährigen Schülern gäbe, und bei denen vom Westbalkan brechen diese sich schon mal Bahn. „Nicht mit Gewalt, aber mit Drohungen und Beschimpfungen zum Beispiel, nicht richtig übersetzt zu haben“, schildert Schulleiter Herbert Habenicht die Lage. „Da ist auch viel Hass dabei.“ Zweimal musste wegen Konflikten die Polizei kommen.

Habenicht diskutierte nun mit Lehrern dieser Klasse darüber, wie mit schärferen Regeln für die Schüler der geplante pädagogische Erfolg gesichert werden kann. Und wenn nicht, dann gilt: „Notorische Störenfriede können für mehrere Monate der Schule verwiesen werden“, so Habenicht.
Da die Flüchtlingswelle also auch die Schulen erreichen und die Sprachbarrieren häufig der Auslöser für Konflikte sind, sollen in Schaumburg weitere Sprachlernklassen folgen – diesen Wunsch hegt auch Katharina Augath. Doch der wird sich so schnell wohl nicht erfüllen. „Das Land hat keine Kapazitäten“, weiß die Kreisschuldezernentin. Der Bedarf steigt nicht zuletzt im Zusammenhang mit der Flüchtlingsproblematik.
Für den Spracherwerb müssen nicht nur zusätzliche Stellen geschaffen werden, die Fachkräfte bräuchten auch eine Zusatzausbildung für Deutsch als Fremdsprache. Doch die Ressourcen fehlen. „Das Land hat nicht genügend Lehrkräfte und kommt auch mit den Schulungen nicht hinterher“, bedauert Augath.
Das musste auch die Oberschule Lindhorst feststellen. Erst im Frühjahr 2016 können zwei Lehrkräfte die Zusatzausbildung beginnen, da in der Herbstrunde keine Termine mehr zur Verfügung stehen, erklärt Schulleiter Christoph Pukall. An der Oberschule sind Katharina Augath zufolge 14 Prozent der Schüler Flüchtlinge. Davon seien etwa 40 ohne Sprachkenntnisse, 15 seien nicht alphabetisiert.
Schulen ohne Sprachlernklassen – so wie im Fall Lindhorst – haben zur Überbrückung sogenannte Sprachförderkurse. Darin werden Sprachkenntnisse in zusätzlichen Stunden neben dem regulären Klassenunterricht vermittelt.
Derzeit gibt es drei Sprachlernklassen im Landkreis, zwei an der Stadthäger Schule am Schlosspark, eine an der IGS Obernkirchen. Schüler aus umliegenden Schulen werden für den Deutschunterricht für etwa sechs bis zwölf Monate aus ihren Klassen herausgenommen. „Wir sind froh, dass wir die Anträge für die drei Klassen rechtzeitig initiiert haben“, sagt Schuldezernentin Augath.
Außer der Oberschule Lindhorst wollen sich Augath zufolge auch Bückeburg und Rinteln bewerben. Herwig Henke erklärt, dass für dieses Jahr die Oberschule in Bückeburg auf eine Beantragung von Sprachlernklassen verzichte. Zwei Klassen sollen aber zum 1. Februar 2016 eingerichtet werden, ergänzt der Oberschulrektor. In Bückeburg werden derzeit 22 Kinder in 30 Einzelstunden separat zum normalen Schulunterricht sprachlich gefördert.
Angesichts von rund 1200 Flüchtlingen (davon etwa 30 Prozent Kinder), die derzeit in Schaumburg untergebracht sind, sei der Bedarf an Sprachlernklassen durchaus gegeben, so Dezernentin Augath. Schließlich solle sich die Zahl der Asylbewerber dieses Jahr sogar noch verdoppeln.
In Lindhorst werden die Sprachförderkurse derzeit auf unterschiedlichen Niveaustufen durch vier Lehrkräfte angeboten. „Der Umstand, innerhalb eines recht kurzen Zeitraums Strukturen für eine schnell stark anwachsende neue Schülergruppe schaffen zu müssen, ist natürlich eine Herausforderung“, sagt Schulleiter Pukall. Allerdings seien die Schüler im Normalfall sehr interessiert und hoch motiviert, die deutsche Sprache zu lernen, sodass die unmittelbare Resonanz für die Lehrer in den Förderkursen positiv sei.
Der Lindhorster Schulleiter ergänzt: „Entlastend wären für uns zusätzliche Sozialarbeiter vor Ort, die sich mit den Flüchtlingskindern jenseits des Sprachunterrichts beschäftigen.“

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