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„Die Etablierten haben halt Panik“

Landkreis / Piratenpartei „Die Etablierten haben halt Panik“

Die Schaumburger Piraten bleiben auf Kurs. Für Dienstag ist die Gründung eines Kreisverbandes angesetzt. Im Laufe der vergangenen Monate hat auch der heimische Ableger der Partei viel Zulauf erfahren – und das nicht nur von mittzwanziger Informatikstudenten. Das derzeit älteste Mitglied ist nach Angaben von Pressesprecher Sven Hennig 90 Jahre alt.

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Die Erfolgskurve der Piraten zeigt steil nach oben, in Schaumburg wird am Dienstag, 24. April, der Kreisverband gegründet. Heftige Kritik gibt es bundesweit vor allem für rechtsextreme Tendenzen.

Quelle: dpa

Landkreis (jcp). „Wir lassen das gerade prüfen, aber es sieht so aus, als hätten wir bundesweit den ältesten Piraten“, erklärt Hennig. „Wir werden uns thematisch immer breiter aufstellen, einfach um klar zu machen, dass wir keine Nerd-Partei sind.“ Der englische Begriff „Nerd“ (etwa Sonderling, Streber) bezeichnet meist junge Menschen, die sich exzessiv mit Computern befassen.

Derzeit zählten die Piraten rund 15 bis 20 aktive Mitglieder, zum Zeitpunkt der Gründung im Dezember waren es fünf. Hinzu kämen Interessierte und Unterstützer, die sich bei den regelmäßigen Treffen im Stadthäger „Dudelsack“ einfinden.

Die Schonfrist für die neue Partei ist längst zu Ende. Politiker auf Bundesebene kritisieren die teils schwammigen Positionen der Piraten. „Alles umsonst“ sei als Programm zu wenig, sagte zum Beispiel Bundes-Grünen-Chef Cem Özdemir in der vergangenen Woche.

Die „Etablierten“, glaubt Sprecher Hennig, hätten „halt Panik“. Die Piraten gingen offen mit ihrem Nichtwissen zu bestimmten Themen um. Das sei neu. „Die anderen schicken schnell irgendeinen Referenten in eine Talkshow, da steckt aber meist nichts hinter.“

Zu den Treffen im „Dudelsack“, hat Hennig festgestellt, fänden zwar die Jüngeren den Weg meist über die Netzpolitik. Über ältere Gäste aber hätten die Schaumburger Piraten ihrerseits die Agrarpolitik in den Themen-Kanon aufgenommen. „Die meisten“, sagt Hennig, „interessieren sich einfach für unsere Kernpunkte Offenheit, Bürgernähe und Transparenz.“

Facebook? Piraten segeln  lieber in die „Diaspora“

Herr über die eigenen Daten zu sein ist der Piratenpartei ein wichtiges Anliegen. Statt nur auf das immer wieder in der Kritik stehende soziale Netzwerk Facebook setzt man deshalb auch auf „Diaspora“, eine von vier New Yorker Mathematikstudenten ins digitale Leben gerufene Alternative. „Man hat dort hundertprozentige Kontrolle über seine Sachen, das stimmt natürlich mit den Zielen der Piraten überein“, sagt Sprecher Sven Hennig. Problem: Um in den Genuss dieser hundertprozentigen Kontrolle zu kommen, muss man einen eigenen Server betreiben. Heißt: Durchschnittliches Computerwissen reicht nicht aus. Hennig selbst musste nach eigenen Angaben bei einem Installationsversuch die Segel streichen. „Aber das ist ja noch ich in einer Testphase“, sagt er. „Das wird noch einfacher.“

Schaumburger Piraten zur Debatte um Rechtsextremismus

Kritik bekommen die Piraten momentan vor allem für rechtsextreme Tendenzen innerhalb der Partei. Unter anderem hatte der Berliner Landesvorsitzende Hartmut Semken sich positiv über den verurteilten Holocaust-Leugner Germar Rudolf geäußert. Daraufhin hatte sich auch der Schaumburger SPD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Edathy zu Wort gemeldet. Er warf den Piraten vor, sie segelten „ohne jeden Kompass“. Parteifreunde haben Semken zum Rücktritt aufgefordert.

„Diese Leute wollen unsere Offenheit für sich missbrauchen“, sagt Schaumburger Piratensprecher Hennig. Bei den heimischen Piraten gelte ein klares „Nein“ zu jedweden rechtsextremen Tendenzen. „Da wird die momentane Popularität unserer Partei ausgenutzt, um die eigenen Ansichten unter die Leute zu bringen“, ist Hennig überzeugt.

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