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Die Fassade bröckelt

Prozess gegen mutmaßlichen Vergewaltiger Die Fassade bröckelt

„Wir hatten eine ganz normale Beziehung“, das sagte vor dem Landgericht gestern die Ehefrau (46) des mutmaßlichen Sexualtäters (54) aus Springe, der wegen schweren sexuellen Missbrauchs von vier Schülerinnen – darunter einer damals 14-jährigen Bückeburgerin vor zwölf Jahren – angeklagt ist.

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„Der Angeklagte bagatellisiert seine Taten“: Gutachter Dr. Michael von der Haar sagte gestern aus.

Quelle: Sturm

Bückeburg/Hannover. Von Axel Sturm

Die zierliche Angestellte: „Wir sind seit zehn Jahren miteinander verheiratet, haben uns 1999 kennengelernt. Er hat ein super gutes Verhältnis zu unserer neunjährigen Tochter.“ Von seinem Doppelleben habe sie nichts geahnt. „Ich habe nicht gewusst, dass er unter Bewährung stand. Für mich war die Festnahme, Hausdurchsuchung und die Anklage alles hirnrissig. Das konnte doch alles nicht sein.“ Deshalb habe sie auch wegen Vertrauensbruchs nach der Verhaftung ihres Ehemanns eine Härtescheidung eingereicht. Bei Besuchen in der JVA Sehnde habe er ihr gegenüber immer wieder seine Unschuld beteuert.

 Erstmals zeigte der sonst äußerst kontrollierte Angeklagte eine Gefühlsregung. Bei den Worten: „Wir haben eine gute Ehe geführt“, schlug der Handelsvertreter seine Hände vors Gesicht. Ansonsten vermied er jeden Blickkontakt zu seiner Frau.

 Dann erläuterte der Sachverständige sein psychiatrisches Gutachten. Chefarzt Dr. Michael von der Haar: „Ich habe bei dem Angeklagten keine Psychosen oder schwere Persönlichkeitsstörungen festgestellt.“ Es gäbe Hinweise auf eine pädophile therapiebedürftige Neigung. Auch ein Hang zum Exhibitionismus sei wohl vorhanden. Der Gutachter: „Ich habe auch keinen Hinweis auf eine Einschränkung der Schuldfähigkeit oder Einsichtsfähigkeit des Angeklagten gefunden.“ Wörtlich: „Es gibt kleine neurotische Störungen, die nicht krankhaft sind, aber therapierbar sind.“ Der Angeklagte bagatellisiere seine Taten. Bei den Untersuchungen in der JVA Sehnde habe der Springer zugegeben, dass es in seiner Vergangenheit weitere exhibitionistische Handlungen gegeben habe. Es sei unklar, weshalb der Angeklagte einen derartigen Kick brauche.

 Gutachter von der Haar: „Die Gewaltbereitschaft des Angeklagten hat sich in den vergangenen Jahren nicht gesteigert. Bei seinen Taten wollte er Kontrolle und Macht über seine Opfer ausüben. Er hat sein eigenes Verhalten stets komplett gesteuert.“ Der Angeklagte habe seine Taten, falls er sie begangen habe, weitgehend verdrängt. Ein Hang zu sexuellen Handlungen könne auch trotz Therapiebedürftigkeit bestehen.

 Erstmals ergriff gestern auch eines der Opfer des Angeklagten das Wort. Eine Egestorferin (18), die im Frühjahr 2014 überfallen worden war, fragte den Gutachter: „Hatten Sie während Ihrer Untersuchung und während des Prozessverlaufs auch den Eindruck, dass der Angeklagte mit keinem seiner Opfer Mitgefühl hatte und zeigte?“

 Der Prozess wird nächsten Montag fortgesetzt.

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